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3. September 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 35 Ausgabe: Nr. 35 » September 3, 2010

Millionäre, Marihuana und Umarmungen

Marcy Oster, September 3, 2010
Eine Auswahl von Nachrichten aus Israel, die man normalerweise übersieht oder überhört.
BEGEHRTES KRAUT Marihuana verteuerte sich von 75 Cents auf neun Dollar pro Gramm.

Wenn ich doch nur reich wär...

Wahrscheinlich vor allem dank guter Planung und Geduld stieg die Zahl der Millionäre in Israel letztes Jahr schneller als in allen anderen Ländern, mit Ausnahme von zweien. Ende 2009 zählte man in Israel laut Merrill Lynch 8419 Millionäre, fast 43 Prozent mehr als die 5900 Menschen, die Ende 2008  in dieser Kategorie Unterschlupf gefunden hatten. Gemäss Merrill Lynch ist der finanzielle Erfolg der neuen Millionäre vor allem langfristigen Investitionen zuzuschreiben. Die israelische Millionärswachstumsrate wurde 2009 nur von Hongkong (plus 104 Prozent) und Indien (plus 51 Prozent) überboten. Die Zahl der Multimillionäre nahm in Israel im Jahr 2009 um 14 Prozent von 73 auf 83 zu.
Braille-Puzzle Avi Rubenstein, ein bekannter israelischer Autor und Erfinder von Puzzles, hat ein Kreuzworträtsel in Brailleschrift entwickelt, das Blinde alleine lösen können. Schon nach der Veröffentlichung der ersten Kreuzworthefte erhielt Rubenstein viele Komplimente und Tausende von Zuschriften blinder Menschen, die ihm für die Erfindung dankten.



Knappes Marihuana
Die Wasserknappheit in Israel hat die Quantität des verfügbaren Marihuanas drastisch gesenkt. Neben den spärlichen Niederschlägen im letzten Jahr gibt es noch weitere Gründe für die an sich erwünschte Entwicklung: eine wachsende Zahl erfolgreicher Drogenfahndungen, weniger Produzenten und die Kooperation unter ägyptischen Kartellen zwecks Hochhaltung des Preises. Laut der Zeitung «Haaretz» sind die Preise inzwischen bereits empfindlich gestiegen. Lagen sie vor der Trockenperiode bei rund 75 US-Cents pro Gramm Marihuana, zahlt man heute bereits neun Dollar für die gleiche Menge.

Umarmungskampagne
Eine Kampagne ganz besonderer Art wollen israelische Studenten, vorwiegend Neueinwanderer aus den USA, am 8. Juli auf der Promenade von Tel Aviv starten: Passanten sollen unaufgefordert Umarmungen angeboten werden. Der Anlass soll via YouTube propagiert werden; das Jerusalemer Aussenministerium hat zugesagt, bei der Vorbereitung und Verbreitung des Clips zu helfen. Ähnliche Kampagnen haben schon in New York, Paris, Rom und anderen Städten stattgefunden.

Man gibt wenig
Im Vergleich zu anderen westlichen Staaten setzen Israeli und israelische Gesellschaften wenig von ihrer Zeit und ihrem Geld für wohltätige Zwecke ein. Zu diesem Schluss gelangt eine unter Leitung von Nissan Limor an der Hebräischen Universität entstandene Studie. Das Spendenniveau ist laut Limor so bescheiden, weil die staatlichen Anreize für Spender recht beschränkt seien. Nichtgewinnorientierte Organisationen (NGOs) seien deshalb weitgehend von staatlichen Mitteln abhängig, was ihre Unabhängigkeit und Innovation negativ beeinflusse. In Israel gibt es nicht weniger als 25 000 derartige Organisationen, die rund 13 Prozent der nationalen Arbeitskräfte beschäftigen. 2006 stammte fast die Hälfte der Einnahmen israelischer NGOs aus dem Ausland, wenig steuerten auch Israeli bei, und der Rest kam aus der Staatskasse. Die Studie gelangte ferner zum Schluss, dass nur sechs Prozent der Israeli Freiwilligenarbeit leisten, verglichen mit 15 Prozent im Westen. Schliesslich messen zwei Drittel der israelischen Firmen altruistischen Programmen nur untergeordnete Bedeutung zu.

Weniger Sex und Gewalt
Zwar sind die israelischen TV-Stationen nicht frei von Sex und Gewalt, doch gemäss einer Studie des Universitätszentrums Ariel in der Westbank sehen die TV-Konsumenten in Israel immer noch beträchtlich weniger Sex- und Gewaltszenen als in den USA im Fernsehen gezeigt werden. So haben israelische TV-Programme 30 Prozent weniger Sex im Angebot und gar 80 Prozent weniger Gewalt als die vergleichbaren amerikanischen Stationen. Geht es aber um Nacktszenen, homosexuelle Bilder und ausdrücklich sexuelle Dialoge, schlagen die israelischen Fernsehkanäle die amerikanischen gemäss der Studie um rund 20 Prozent. Gewalt sieht der US-Konsument in jeder TV-Stunde während durchschnittlich 103 Sekunden, verglichen mit 17,4 Sekunden bei israelischen Sendern.



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