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23. Juli 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 29 Ausgabe: Nr. 29 » July 22, 2010

Die Suche nach der Konfliktlösung

Laurent Rueff, July 22, 2010
Die Brüder Peter und Thomas Lyssy arbeiten neben ihrer Tätigkeit als Advokat und Kommunikationsberater neu auch als Mediatoren. Ein Einblick in die schwierige Aufgabe, einen Verhandlungsprozess als neutraleDritte zu fördern.
GEMEINSAME GESCHÄFTIDEE Thomas und Peter Lyssy lösen als Mediatoren Konfliktsituationen


Schmunzelnd erzählt Thomas Lyssy: «Die Idee eines Mediation-Unternehmens entstand bei einem gemeinsamen Bier im vergangenen Sommer», und Bruder Peter ergänzt: «So verschieden wir auch sind, haben wir doch viel gemeinsam.» Die Kombination der Brüder macht durchaus Sinn. Peter Lyssy, seit 1991 selbstständiger Rechtsanwalt mit Schwergewicht im Familien-, Erb und Arbeitsrecht, und Thomas Lyssy, seit über 20 Jahren in der Kommunikation tätig und seit 2005 Inhaber des Büros für Medienarbeit Basel, ergeben zusammen ein ideales Team mit viel Erfahrung im Bereich der rechtlichen Grundlage und der Kommunikation. «Ich rate einigen Klienten, die zu mir als Anwalt kommen, dass sie ihren Konflikt über eine Mediation zu lösen versuchen sollten», erklärt Peter Lyssy. Eine erfolgreiche Mediation ist nicht nur kostengünstiger, sondern auch schneller, da der langwierige Prozess einer Gerichtsverhandlung wegfällt.

Thomas Lyssy stellt fest: «In der Schweiz geht man wegen jeder Ohrfeige vor Gericht, oft würde eine einzige Mediationssitzung für eine Konfliktlösung reichen.» Peter Lyssy beschreibt einen grossen Unterschied zum Gericht: «Mit einem Anwalt kann ein Fall nur gewonnen oder verloren werden, mit einem Mediator besteht die Möglichkeit, einen Fall zu lösen. Dieses Erfolgserlebnis ist viel schöner.»

Immer neutral bleiben

Neutralität respektive Allparteilichkeit, diese Eigenschaft ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Mediators. «Das Schwierigste an unserer Aufgabe ist, dass wir die Aussagen der Konfliktpartner nicht werten dürfen, sondern zu jeder Zeit aus der Diskussion hinaustreten müssen. Es sind die Konfliktparteien, welche selber zu einer Lösung kommen müssen. Wir sind nur Vermittler und Zuhörer. Dabei heben wir positive Aussagen hervor und versuchen die negativen Äusserungen wann immer möglich auf die Seite zu schieben», so erklären sie ihre Funktion. Dass man auf verschiedene Art und Weise zum Mediator werden kann, zeigen die verschiedenen Ausbildungswege. Während Peter Lyssy vor allem praxisbezogen, zum Beispiel in Form von Rollenspielen in fünf Seminaren von jeweils zwei bis drei Tagen, das Handwerk erlernte, schlug Thomas Lyssy den tiefer gehenden Weg in zehn Seminaren mit viel Theorie und Wissenschaft ein. Als Resultat der Ausbildung darf sich Peter Lyssy nun Mediator SAV (Schweizerischer Anwaltsverband) und Thomas Lyssy Mediator SDM (Schweizerischer Dachverband Mediation) nennen. «Diese Bezeichnungen sind wichtig, denn das Wort Mediator ist nicht geschützt und somit könnte sich grundsätzlich jede Person als Mediator bezeichnen», erklärt Thomas Lyssy.

Schulung für sich selbst

Wenn Thomas Lyssy auf seine Zeit als Vizepräsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) zurückblickt, stellt er fest: «Wäre ich damals schon Mediator gewesen, wäre ich weniger streitlustig und mehr vermittelnd gewesen. Mein jetziges Wissen über Teamentwicklung hätte zudem sicherlich nicht nur mir, sondern auch dem SIG etwas gebracht.» Auch Peter Lyssy hebt hervor, wie ihn sein Dasein als Mediator auch im Alltag weiterbringt: «Es hilft mir als Anwalt, da ich inzwischen besser und differenzierter Zuhören kann. Diese Fähigkeit, zu verstehen was der andere sagen möchte, bringt mich auch in meiner Funktion als Politiker und als Familienmensch weiter.» Die Mediation ist also nicht nur für aussenstehende Personen ein Weg zur Lösung ihres Konfliktes, sondern auch für die Mediatoren eine hilfreiche Schulung für sich selbst.





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