Dialog mit dem Judentum
Kochs Vorgänger, der deutsche Kardinal Walter Kasper, der jetzt mit 77 Jahren zurücktrat, unterhielt als Ratspräsident seit 2001 beste Beziehungen zu jüdischen Organisationen und zum israelischen Oberrabbinat und versuchte in Kontroversen zu vermitteln, etwa als der deutsche Papst die exkommunizierten Bischöfe der Pius-Bruderschaft wieder in die Kirche aufnahm, von denen sich einer als Holocaust-Leugner entpuppte, oder als Benedikt XVI. die lateinisch gelesene tridentinische Messe wieder zuliess, samt der Karfreitagsfürbitte für die Juden, die diese als Missionierung verstehen.
Koch galt bei Beobachtern stets als der gebildetste, sprachgewandteste und geistig beweglichste Bischof der Schweiz. Als Theologieprofessor in Luzern hatte er Reformen gefordert, wie die Zulassung der Frauen zum Priesteramt. Er kritisierte den heutigen Papst, der früher Chef der wichtigen Glaubenskongregation war (der Koch wie sein Vorgänger wohl bald selber angehören wird), und die mächtige Organisation Opus Dei. Doch nachdem der Reformtheologe endlich von Johannes Paul II. als Bischof bestätigt worden war (der Basler Bischof wird vom Domkapitel gewählt, nicht vom Papst), vertrat er die Positionen von Rom.
Die Kommission für den Dialog mit den Juden wurde bereits 1960 während des Zweiten Vatikanischen Konzils gegründet. Papst Paul VI. etablierte sie 1974 als eigenes Amt, das vom Kardinalspräsidenten des Ökumenischen Einheitsrats präsidiert wird. Sie erliess als Erstes Richtlinien für die Umsetzung der Konzils-Enzyklika «Nostra aetate», die das Verhältnis des Katholizismus zum Judentum revolutionierte. In einem tachles-Interview erklärte Bischof Kurt Koch, das Christentum könne ohne das Judentum nicht leben.


