Religionsfreiheit nach dem Tod?
Für viele Muslime in der Schweiz stellt eine Bestattung aufgrund mangelnder muslimischer Grabfelder auch heute noch ein Problem dar. Dabei kommt bereits ein aus dem Jahr 2000 stammendes Rechtsgutachten von Walter Kälin von der Universität Bern zum Schluss, dass eine schickliche Bestattung zu den Grundrechten gehört. Der Staat habe dieser Forderung zu entsprechen, indem er entweder auf öffentlichen Friedhöfen Sonderabteilungen für Muslime bereitstellt oder muslimische Gemeinschaften bei der Schaffung privater Sonderfriedhöfe unterstützt.
Die Stadt Zürich ist dieser Forderung bereits im Jahr 2004 mit einem muslimischen Grabfeld auf dem öffentlichen Friedhof von Zürich-Witikon nachgekommen. Auch in Schlieren und in Dietikon waren muslimische Grabfelder noch vor einem Jahr im Gespräch. In der Sendung «Schweiz aktuell» vom 9. Juni äusserte der Stadtpräsident von Schlieren, Toni Brühlmann, nun die Meinung, dass die aufgeheizten Diskussionen um Minarette oder die Burka momentan einer sachlichen Diskussion über die Schaffung muslimischer Grabfelder im Weg stünden. Gegenüber tachles stellt Brühlmann jedoch klar, dass er durchaus für entsprechende Gespräche offen sei: «Die Diskussion muss unbedingt weitergeführt werden.» Er selber sei jedoch bisher – mit Ausnahme von Schweiz aktuell noch von keiner Seite mit einer Anfrage zum Thema konfrontiert worden.
Die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) reagierte derweil auf die Aussagen Brühlmanns in «Schweiz aktuell» mit einer Medienmitteilung, in welcher sie die involvierten Behörden auffordert, «hängige und für einen modernen Staat normale Anliegen für muslimische Grabfelder zügig an die Hand zu nehmen». «Die Diskussion muss jetzt erst recht geführt werden», betont Michael Chiller-Glaus, GRA-Geschäftsleiter. Auch die Gesellschaft Minderheiten Schweiz (GMS) setzt sich seit vier Jahren als Fürsprecherin bei Gemeindebehörden für die Schaffung entsprechender Bestattungsmöglichkeiten für Muslime ein. Werner Kramer, GMS-Ehrenpräsident, berichtet in einem Leserbrief im «Tages-Anzeiger» vom 18. März von seinen diesbezüglichen Erfahrungen: «Die Verantwortlichen der angesprochenen Gemeinden reagieren mit Verständnis, scheuen aber vor dem zu erwartenden parteipolitischen Hickhack zurück. Das verlängert die Wege. Wo die Realisierung in Kooperation mit Vertretern der Muslime an die Hand genommen wurde, sind die Erfahrungen auf beiden Seiten positiv.» Giuseppe Nay, Präsident des GMS-Vorstands, versichert zudem, dass nun auch das Gespräch mit Schlieren und Dietikon aufgenommen werden soll. Die Kontaktaufnahme mit Stadtpräsident Brühlmann sei bereits in die Wege geleitet worden.


