Reformen und Zukunftsvisionen
Nach der Versammlung vom Donnerstag vergangener Woche (vgl. tachles 22/10) scheint so gut wie sicher zu sein, dass die Branco-Weiss-Professur aus dem Departement Religionswissenschaft, zu dem das Institut für Jüdische Studien (IJS) gehört, in das Departement Gesellschaftswissenschaft transferiert und dort der Kulturwissenschaft/Kulturanthropologie zugeordnet wird. Hierbei handelt es sich genau genommen um eine Retransferierung, nachdem dieselbe Professur, die Jacques Picard inne hat, im Jahr 2007 auf Antrag der Theologischen Fakultät durch das Rektorat in der umgekehrten Richtung transferiert und der Theologie zugeordnet worden war. Der Fakultätsbeschluss legt nun ausdrücklich fest, dass die Professur ab dem 1. August zu 50 Prozent für das Studienprogramm Jüdische Studien und zu 50 Prozent für das Studienprogramm Kulturanthropologie tätig sein wird. Erst ab dem 1. Februar 2011 wird der Transfer vollumfänglich abgeschlossen sein. Zu diesem Zeitpunkt wird die Philosophisch-Historische Fakultät wahrscheinlich ohnehin neu strukturiert sein, da im Zuge der Reformen an der Universität geplant ist, die bislang mehr als 25 Institute und Seminare in sechs bis zehn neue Departements zu integrieren (tachles berichtete).
Gegenseitiges Einvernehmen
Wie tachles erfahren hat, geniesst die Retransferierung das gegenseitige Einvernehmen zwischen Branco Weiss und dem Präsidenten des Universitätsrats Ueli Vischer. Jacques Picard, der das IJS somit auf lange Sicht verlassen wird, begründet diesen Schritt gegenüber tachles: «Die Professur für Geschichte und Kulturen der Juden in der Moderne rückt mit der Retransferierung aus dem Blickfeld der Theologischen Fakultät und von Neuem in den Mittelpunkt der allgemeinen Kulturgeschichte und Kulturanthropologie, die im Rahmen der Philosophisch-Historischen Fakultät entfaltet wird und von dort den Jüdischen Studien als Teil einer pluralen Wissensgesellschaft zugute kommen kann.»
Ferner wurde Erik Petry in der vergangenen Woche von der Philosophisch-Historischen Fakultät habilitiert. Durch diese Tatsache könne der zunächst anzunehmende Verlust an Lehrveranstaltungen durch den Weggang von Jacques Picard aufgefangen werden, wie Petry betont, da er mehr Lehre und auch Veranstaltungen, die nur von habilitierten Dozierenden angeboten werden dürfen, übernehmen werde.
Klare Zukunftsstrategien
Alfred Bodenheimer, der nach dem Ausscheiden von Jacques Picard alleiniger Leiter des IJS sein wird, hat klare Strategien, was die Zukunft des Instituts angeht: Untergebracht im Departement Religionswissenschaft könnte der Aspekt der Religionen im interkulturellen Kontext vertieft werden und eine Zusammenarbeit auch mit dem Fachbereich Islamwissenschaften stattfinden. «Die kulturwissenschaftliche Perspektive soll weitergeführt, der Austausch mit den anderen Religionen aber vertieft werden», so Bodenheimer, für den das Departement Religionswissenschaften mehr ist als «nur ein Gefäss». Auf die strukturellen Reformen an der Universität Basel, die auch das IJS betreffen werden angesprochen, betont Bodenheimer: «Es ist ein Fakt, dass das Fach Jüdische Studien als solches an der Universität fest verortet ist und bleibt und dass es seitens der Leitung des Fachs klare Zukunftsstrategien gibt.»
Keine unüberbrückbaren Schwierigkeiten
Ekkehard Stegemann, Präsident der Stiftung für Jüdische Studien, sagt, die Stiftung bedauere, dass Jacques Picard das IJS auf eigene Initiative hin verlasse. Sie bedauere auch, dass sich die Universitätsleitung gezwungen sah, die Vereinbarung, die sie mit einem Sponsor geschlossen hat, abzuändern: «Die Vereinbarung, die sie gleichzeitig mit unserer Stiftung geschlossen hat, hat darunter gelitten. Wir möchten darauf hinweisen, dass wir das Institut immer mit namhaften Beiträgen unterstützt haben. Gleichwohl sind wir dem Universitätsratspräsidenten dankbar, dass er den Schaden in Grenzen gehalten hat.» Darauf, dass Vischer sich für eine «faire Lösung» eingesetzt habe, verweist auch Daniel A. Rothschild, Mitglied des Stiftungsrats. Er sagt: «Die geplanten Veränderungen treffen das Institut einerseits, andererseits entstehen – dank der guten Zusammenarbeit mit der Universität – keine unüberbrückbaren Schwierigkeiten.» Rothschild verweist aber auch darauf, dass die Jüdischen Studien wie schon in der Vergangenheit auch in Zukunft auf Legate und Spenden angewiesen sein werden. Was die Professur von dem zukünftigen alleinigen Leiter des IJS Alfred Bodenheimer anbelangt, so zeigt sich Rothschild zuversichtlich: «Die Professur ist an seine Person gebunden langfristig gesichert.»


