Kunst aus Leidenschaft
Geboren ist der 42-jährige Galerist Bruce Silverstein in New York. Er wuchs im Bundesstaat Connecticut auf, wo er auch die Schulen besuchte. Später studierte er Nationalökonomie und Mathematik. Silverstein ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er begann seine Karriere als Makler an der Wall Street. Erst später wurde er Galerist. «Ich stamme aus einfachen Verhältnissen», kommentiert Silverstein seinen aussergewöhnlichen Werdegang und meint weiter: «Mein Vater Larry war allerdings ein preisgekrönter Fotograf, dessen Werke sogar in Museen hängen.» Die Fotografie sei damals aber noch nicht so anerkannt gewesen: «Die Fotografie ist die Kunstform, die in der Geschichte der Kunst am meisten unterschätzt wurde», erklärt Silverstein. So habe er sich mit seinen Eltern für ein Studium entschieden, das später mehr Geld einbringen würde als Kunst. «Ich war aber schon als Kind kreativ tätig, habe viel gezeichnet und Skulpturen kreiert. Auch haben wir unsere Ferien meistens mit Museumsbesuchen verbracht, und so habe ich schon als Kind viel über Kunst gelernt, eine Tatsache, die mich für meine spätere Karriere sehr geprägt hat.»
Vom Makler zum Kunstsammler
Als Makler habe er schon jung viel Geld verdient. «Doch das hat mich dem Glück auch nicht näher gebracht», betont Silverstein. Nach einiger Zeit sei ihm langweilig geworden, und seine Tätigkeit habe ihn richtig unglücklich gemacht. So begann er mit 23 Jahren, Fotografien zu sammeln. Von seinem Vater wusste er, dass Fotografie vielmals unterschätzt wurde, und so konnte Silverstein grossartige Kunst für wenig Geld kaufen, was ihm später von Nutzen war. Er erinnert sich: «Nun hatte ich begriffen, was mir wichtig war.» Silverstein entschied sich, seine Firma zu verkaufen und als Kunsthändler zu arbeiten. 2001 hat er in einer kleinen Galerie im Chelsea Art District in New York angefangen und diese jahrelang alleine betrieben. Er habe keine Ahnung gehabt, wie man so etwas anpacke. Heute betreibt er zwei Galerien und handelt auch mit zeitgenössischer Kunst. Die Erfahrungen, die er als Makler gemacht habe, würden ihm im Kunsthandel enorm helfen; bei Kauf und Verkauf von Kunst sind finanzielle Kenntnisse essenziell, aber auch die Kontakte. Zudem habe er gelernt, besser zu kommunizieren. Er sei eher schüchtern und introvertiert, habe aber gelernt, auf Menschen zuzugehen. Manchmal vermisse er die Arbeit an der Wall Street, nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil diese Tätigkeit viel einfacher gewesen sei.
Pure Leidenschaft
Kunsthandel sei oft kompliziert und schwierig, trotzdem denke er nie daran, diese Tätigkeit aufzugeben. «Ich mache meine Arbeit aus purer Leidenschaft, zudem kann ich ständig viel Neues lernen und das ein Leben lang», sagt er bestimmt. «An dieser Stelle möchte ich noch betonen, dass die meisten Makler an der Wall Street mehr Ethik haben, als man allgemein meint.» Ein Handschlag bei einem Geschäft sei eben immer noch Ehrensache, dasselbe gelte für den Kunsthandel, so der Galerist.
«Ich als Sohn eines Künstlers, als Sammler und Galerist, der selbst Kunst schafft, und zudem als Geschäftsmann habe mit etwas Glück den richtigen Weg gefunden», sagt er überzeugt. Um Erfolg zu haben, brauche es Vertrauen und die Kunst, zu überleben. Natürlich sei die Finanzkrise im Kunsthandel immer noch vorhanden. Die Leute würden weniger Geld ausgeben als früher. Trotzdem könne er mit Stolz sagen, dass sein Geschäft ständig wachse. Es gebe immer mehr Sammler, die Fotografien kaufen. Er habe diesen Erfolg nie erwartet. Auch junge Leute kaufen für ihr Heim nebst Möbel auch Kunst, das sei heute selbstverständlich.
Er wird dieses Jahr zum dritten Mal an der Art Basel teilnehmen. «Für mich ist es ein Privileg, von interessanten Galerien umgeben an der Art tätig zu sein, eine echte Herausforderung und sehr stimulierend.» Silverstein betont weiter: «Für mich ist es nebst dem Verkauf von Kunstobjeketen mit Schwerpunkt Fotografie wichtig, den Besuchern Kunst näherzubringen.» Sie sollen etwas über Kunst lernen. In der Art, wie ich die Objekte hänge, kommunizieren die Werke mit dem Betrachter. Und Silverstein kommuniziert mit den Betrachtern: «Ich suche das Gespräch mit den Besuchern und finde es sehr spannend, mich mit ihnen zu unterhalten.»


