Israel als Traumdestination
Hätte man ihn noch vor drei Jahren gefragt, wo er seine Ferien verbringen möchte, hätte der 38-jährige Russe Constantine, Besitzer eines Renovationsunternehmens in St. Petersburg, eine Destination in Europa als bevorzugtes Ziel genannt. Nun aber trafen wir ihn am Mittelmeerstrand von Tel Aviv. Er schaute seiner Frau Irina zu, wie sie mit ihren zwei kleinen Töchtern im Wasser Ball spielte, und war darüber hinaus voll des Lobes über das Klima in Israel. Von Tel Aviv wollte die Familie mit einem Reiseführer ans Tote Meer und nach Jerusalem fahren, um sich die heiligen Stätten anzuschauen.
An Constantines Hals baumelt an einer Kette ein Kreuz, doch gleichzeitig trägt er einen Hut in Tarnfarben, an welchen er ein kleines Abzeichen der israelischen
Armee und ein schwarz-oranges Band angebracht hat. «Das ist das Symbol des heiligen Georgs», sagt er in leidlich gutem Englisch. «Am 9. Mai feiern wir in Russland den Sieg unserer Armee über die Nationalsozialisten, und der heilige Georg ist der Schutzheilige der bewaffneten Truppen.» Die Zeit zwischen dem Tag der Arbeit am 1. Mai und dem Feiertag am 9. Mai nutzen Russen oft für Ferien: «Zwischen diesen Daten liegen zwar ein paar Arbeitstage», meinte Constantine mit einem Lächeln, «doch jeder nimmt sich frei.»
Beliebtes Ferienziel
Constantine und seine Familie gehören zu den Touristen, die seit 2008 nach Israel strömen. Russland ist nach Amerika auf Platz zwei, was die Herkunft ausländischer Touristen in Israel betrifft. Nach Angaben des Tourismusministeriums haben 2006 rund 73 500 Russen Israel besucht. Letztes Jahr war diese Zahl bereits auf 400 000 gestiegen, und in den ersten drei Monaten dieses Jahres zählte man bereits 114 000 russische Feriengäste, doppelt so viele wie in der Vergleichsperiode 2009.
Das russische Interesse an Israel kam nicht aus dem blauen Himmel. 2008 hob die israelische Regierung die Pflicht für russische Touristen auf, vor ihrer Ankunft in Israel ein Visum zu beantragen. Gleichzeitig startete das Tourismusministerium in Russland eine massive Werbekampagne im Internet, in den gedruckten Medien und am Fernsehen. «In erster Linie konzentriert sich unsere Kampagne auf die Gegenden von Moskau und St. Petersburg», sagte Shira Kaveh, Sprecherin des Ministeriums, «doch wenden wir uns auch an andere Regionen in Russland.» Die Werbebemühungen werden dieses Jahr fortgesetzt. «Im April», betonte Kaveh,
«begann das Ministerium eine Frühlings-Sommer-Kampagne in Russland für Israel; sie kostet neun Millionen Schekel.»
Grosse Zufriedenheit
Constantines gutes Gefühl bezüglich seines Aufenthalts in Israel Spiegelt sich auch in statistischen Daten des Tourismusministeriums wider. Diese zeigen, dass in diesem Land die Zufriedenheit russischer Feriengäste im Vergleich zu anderen ausländischen Touristen klar über dem Durchschnitt liegt. «Der russische Tourist», sagte Kaveh, «findet hier ein Produkt, das seine Bedürfnisse abdeckt. Das hat sowohl mit der zahlenmässig starken russisch sprechenden Bevölkerung in Israel zu tun, als auch mit dem guten Wetter, der relativ kurzen Distanz zwischen Russland und Israel und dem Wegfall des Visumszwangs.»
Direkt neben Constantine und Irina liegen am Strand von Tel Aviv Maria und Christina, eine Schwiegermutter mit ihrer Schwiegertochter, in Liegestühlen. Sie sind zwei weitere Beispiele für die Zufriedenheit unter russischen Israelreisenden, von der das Tourismusministerium berichtet. «Ich bin sehr gerne hier», meinte Maria. «Die Leute sind ausgesprochen nett.»
Tourismusminister Stas Misezhnikov kommentiert den Tourismusstrom aus Russland wie folgt: «Die Zunahme des Tourismus aus Russland, durch den viele russische Bürger mit Israel, seiner Kultur, seinen Stätten und Menschen in Berührung gelangt sind, hat sehr viel zur Verbesserung des Images von Israel beigetragen und die diplomatischen Beziehungen zwischen den zwei Ländern aufgewertet.»


