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12. Mai 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 19 Ausgabe: Nr. 19 » May 11, 2010

Blick in die Geschichte

May 11, 2010

 Wie andernorts auch, so ist die frühe Geschichte der Juden in Genf ein Auf und Ab von Duldung und Verfolgung. Gehen die ersten Anzeichen jüdischer Präsenz auf die Jahre 1281 und 1282 zurück, so ist 1396 die erste jüdische Gemeinde urkundlich belegt, wie die Historikerin Laurence Leitenberg in einem Factsheet des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds festhält. 1428 wurde den Juden eine «Juiverie» (ein eigenes Viertel) zugewiesen, 1490 wurden sie aus Genf ausgewiesen. Auch im 18. Jahrhundert waren sie noch unerwünscht; die vor allem aus dem Elsass kommenden Juden konnten sich aber in der Nachbargemeinde Carouge niederlassen, die damals zum Königreich Sardinien gehörte. 1816 wurde Carouge in den neuen Kanton Genf eingegliedert, doch erst 1857 erhielten die Juden die Genfer Staatsangehörigkeit. Dies hinderte sie nicht daran, sich 1835 in der Communauté Israélite du Canton de Genève (CIG) zu organisieren, deren Statuten 1852 vom Grossen Rat anerkannt wurden. 1859 wurde dann die Synagoge (heute Beth Yaacov genannt) eingeweiht, die 1997 renoviert und deren 150-Jahr-Jubiläum 2009 begangen wurde. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts vergrösserte sich die Zahl der Juden durch Zuwanderung aus dem Elsass, aber auch aus Osteuropa und dem Osmanischen Reich, wobei sich Letztere in einer sephardischen Bruderschaft organisierten. Lebten 1850 erst 170 Juden in Genf, so waren es 1920 schon beinahe 3000. Eine letzte grössere Zuwanderungswelle erfolgte vor rund

50 Jahren aus dem arabischen Raum. 1965 fusionierte die sephardische Bruderschaft mit der CIG, bei der die Sepharden inzwischen rund zwei Drittel der Mitglieder ausmachen. Schon 1952 hatten sich zwei orthodoxe Gemeinden der CIG angeschlossen. 1970 wurde die Liberale Jüdische Gemeinde gegründet, der heute gut ein Drittel der Genfer Juden gehören. [pa]







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