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30. April 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 17 Ausgabe: Nr. 17 » April 29, 2010

Qualifizierte Antwort

April 29, 2010
Der Fernsehdirektor antwortet auf eine Petition zur Israel-Berichterstatung auf SF.

2600 Personen in der Schweiz, Deutschland und Israel unterzeichneten während dreier Monate eine Petition des Forums für Israel, mit der die Israel-Berichterstattung des Deutschschweizer Fernsehens und dessen Korrespondent André Marty beanstandet werden (tachles berichtete). Viele Unterzeichnende fügten ihrer Unterschrift Kommentare bei, die oft sehr beleidigend ausfielen, oder behaupteten, die Berichte aus Israel förderten den Antisemitismus. Vor zehn Tagen erhielt Fernsehdirektor Ueli Haldimann die Unterschriftenbogen und eine Anzahl Links zu Berichten von Marty.

Kritische Haltung

Das Forum hofft, so teilt es mit, «dass das Schweizer Fernsehen unsere Besorgnis über die bisherige, einseitig gegen Israel gerichtete Berichterstattung ernst nimmt und in Zukunft seriöser über diesen schwierigen Konflikt berichtet».

Haldimann antwortete diese Woche dem Forum (der Brief liegt tachles vor) höflich, aber klar und qualifiziert. Die Petition trage leider wenig zu einer konstruktiven Diskussion bei, schreibt Haldimann. Vor allem hält er den Antisemitismus-Vorwurf für «völlig inakzeptabel» und weist ihn in aller Form zurück. «Die kritische Würdigung einzelner Entscheide der israelischen Regierung mit Antisemitismus gleichzusetzen, halte ich für sehr gefährlich», schreibt der Fernsehdirektor. Und er fügt bei, die Berichterstattung von André Marty orientiere sich an üblichen journalistischen Kriterien.

Der Korrespondent habe in den vergangenen sechs Jahren «in 574 Beiträgen und Schaltgesprächen über den Nahen Osten berichtet. Diese Berichterstattung zeichnet sich durch eine kritische Haltung gegenüber allen am Konflikt beteiligten Parteien aus. Wir sind also weder das Sprachrohr einer Konfliktpartei noch Interessenvertreter welcher Gruppierungen oder Sympathisanten auch immer.» Da das Forum André Marty «Einseitigkeit und tendenziöse Berichterstattung» vorwerfe, zählt Haldimann Gegenbeispiele auf und zitiert aus der Laudatio der Medienkommission der Schweizer Bischofskonferenz anlässlich der Verleihung des Katholischen Medienpreises an André Marty, explizit für dessen «unparteiische und mutige Berichterstattung».

Fairer Journalismus

Marty, schliesst Haldimann, geniesse sein Vertrauen. «Wir sind uns bewusst, dass die Berichterstattung aus dem Nahen Osten, wie aus jedem anderen Konfliktgebiet, sehr anspruchsvoll ist. Wir werden uns auch in Zukunft um einen unabhängigen, kritischen, aber fairen Journalismus bemühen», heisst es am Ende des Antwortbriefs. Beim Fernsehen ist zu vernehmen, es seien einige E-Mails von jüdischen Zuschauerinnen und Zuschauern eingetroffen, «die uns informiert hatten, dass eine Petition unterwegs sei und wir doch bitte nicht von unserer unabhängigen Berichterstattung abweichen sollen.» Gisela Blau







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