Ein neues Leben schenken
TACHLES: Save a Child’s Heart (SACH) ist eine internationale humanitäre Organisation, welche die Durchführung von Herzoperationen an Kindern, unabhängig von ihrer Religion oder ethnischen Herkunft, ermöglicht. Wie sieht dies in der Praxis aus?
ALFRED DONATH: SACH ist eine in Israel beheimatete humanitäre Organisation, die sich folgende Ziele gesetzt hat: Die Rettung von Kindern, die ausschliesslich aus Entwicklungsländern stammen und mit einem lebensbedrohenden Herzfehler geboren wurden. Sie werden in Israel im Edith-Wolfson-Spital in Holon operiert. Ein weiteres Ziel ist die Ausbildung von medizinischem Personal aus den Ursprungsländern der Kinder. Dies geschieht in Israel und nach dem neuesten Stand der Technik. Ferner möchten wir Kompetenzzentren in Partnerländern schaffen.
Wie vielen Kindern konnte schon geholfen werden?
Über 2200 Kinder aus Afrika, Südamerika, China, Russland, Moldawien und der Ukraine sind seit 1996 operiert und dadurch gerettet worden; mehr als 40 Prozent von ihnen stammten aus den palästinensischen Gebieten und Gaza. Über 200 Kinder werden heute alljährlich operiert, mehr als 1000 sind aber auf der Warteliste.
Wird die Organisation von israelischen und palästinensischen Behörden unterstützt, existiert hier eine Zusammenarbeit?
SACH ist eine von jeglicher Regierung unabhängige Organisation. Der israelische Aussenminister ist allerdings den Aktivitäten von SACH gegenüber sehr offen. So wünschte er beispielsweise ausdrücklich, dass sowohl die israelische Botschaft in Bern wie auch jene am Sitz der Vereinten Nationen in Genf anlässlich der Empfänge zu Jom Haazmaut eine der Organisation gewidmete Ausstellung präsentierten. Was die Regierungen anbelangt, deren Länder von diesen Herzoperationen profitieren – und dazu gehören auch Irak und die Hamas –, so stellen sie jeweils ohne Probleme die nötigen Bewilligungen aus.
Sie haben letztes Jahr den Schweizer Verein der Freunde von Save a Child’s Heart gegründet. Mit welchem Ziel?
Der Staat Israel wird unaufhörlich diskriminiert. Es ist höchste Zeit, in der Schweiz auch einmal die positiven Seiten dessen, was Israel tut, zu präsentieren, vor allem auf humanitärem Gebiet. Es ist wichtig, die Schweizer Bevölkerung für solche israelische Aktivitäten zu sensibilisieren, und SACH ist dafür ein hervorragendes Beispiel.
Sie sind Kinderarzt. Was können Sie persönlich, was kann die Schweiz, abgesehen von einer finanziellen Unterstützung, beitragen?
Als pensionierter Kinderarzt weiss ich sehr genau, was es für eine Mutter bedeutet, ein Kind mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt zu bringen. Es trinkt wenig und legt demgemäss kaum normal an Gewicht zu, es leidet bei der kleinsten Anstrengung unter Sauerstoffmangel und Atemnot, um schliesslich zu sterben. All das ist für eine Mutter ein unendlicher Leidensweg. Ein rechtzeitig erfolgter chirurgischer Eingriff kann dem Kind demgegenüber das Leben retten und ihm eine praktisch normale Lebensqualität verschaffen. Ein Menschenleben zu retten, welches auch immer es sei, ist eine der wichtigsten Aufgaben, die wir haben.
Wie überzeugen Sie in der Schweiz potenzielle Spender, die ja für Projekte, bei welchen es um Koexistenz geht, nicht immer spontan Verständnis aufbringen?
Wir versuchen eben, ihnen nicht nur die Bedeutung der geretteten Leben näher zu bringen, sondern auch die Möglichkeit, das Image von Israel zu verbessern. Israel in allen Entwicklungsländern Gerechtigkeit zukommen zu lassen ist eines der besten Mittel, um bei den Bemühungen und die Schaffung eines nachhaltigen Friedens Fortschritte zu erzielen.
Genf hat bereits seine Unterstützung zugesagt. Welche weiteren Ziele möchten Sie bis zum Ende dieses Jahres erreichen?
Die Stadt Genf beabsichtigt tatsächlich, auf zehn Jahre hinaus jährlich zehn Operationen zu finanzieren, von denen jede 10 000 Franken kostet. Der Schweizer Botschafter in Tel Aviv, Walter Haffner, war von einem Besuch des Spitals in Holon so beeindruckt, dass er unverzüglich einen persönlichen Scheck in Höhe der Kosten für die Operation eines Kindes ausgestellt hat. Dank des Einsatzes von Rosita Haddad-Zubel, welche die Aktivitäten des Vereins in der französischen Schweiz leitet, veranstalten wir Ausstellungen, Konzerte, Konferenzen und Diners. Wir hoffen, damit nicht nur diese israelische humanitäre Aktion bekannt zu machen, sondern in der Schweiz auch jährlich 100 Patenschaften für Operationen zu finden. Die ersten Kontakte und deren Resultate bis zum heutigen Tag sind sehr ermutigend.


