Arbeit in Israel, ein zweischneidiges Schwert
Im Jahr 2008 generierten in Israel arbeitende Palästinenser zehn Prozent des palästinensischen Bruttoinlandprodukts. Für die einzelne palästinensische Familie, deren Einkommen höchst wahrscheinlich wachsen wird, mag das gut sein, doch für das palästinensische Wirtschaftswachstum könnte dies eine schlechte Nachricht sein. In diesem Sinne äussert sich die Bank of Israel in einem Bericht, den sie in den nächsten Wochen auflegen wird.
Ungewollte negative Folgen
Zwischen 2002, als die zweite Intifada allmählich auslief, und 2008, als die Weltwirtschaftskrise ausbrach, wuchs die Zahl der in Israel arbeitenden Palästinenser nach Ansicht der Bank merklich. Gleichzeitig verbesserte sich die palästinensische Wirtschaft im Vergleich zu früheren Jahren wesentlich.
In den ersten neun Monaten des Jahres 2009 arbeiteten 737 00 Palästinenser in Israel und den Siedlungen der Westbank. Das ist geringfügig weniger als in der Vergleichsperiode von 2008. In der Zahl eingeschlossen sind sowohl legale Arbeiter als auch illegale, ohne Bewilligungen in Israel tätige Palästinenser. 43 000 der Arbeitnehmer lebten in der Westbank, der Rest in Ostjerusalem. «Die Arbeiter aus Judäa und Samaria», schreibt die Nationalbank, «machen rund zwei Prozent aller im israelischen Geschäftssektor tätigen Personen.» Die Bank gelangt zum Schluss, es sei nach allen Gesichtspunkten – diplomatischen, sozialen und ökonomischen – besser, «legale» Palästinenser (solche mit Arbeitsbewilligungen) zu beschäftigen als ausländische Arbeitskräfte.
Aus der Perspektive der palästinensischen Wirtschaft wachsen ihre Dienstleistungsexporte und das palästinensische Bruttoinlandprodukt mit der Zahl der in Israel angestellten Arbeitnehmer. Andererseits untergräbt der relativ hohe Lohn, den ungelernte palästinensische Arbeiter in Israel verdienen (verglichen mit dem Lohnniveau in den Palästinensergebieten), den positiven Einfluss auf die Bildung. Die Situation hält junge Leute davon ab, sich im höheren Bildungswesen zu engagieren oder auch nur die Oberschule zu beenden. Die Bank of Israel macht sich deshalb Sorgen, die Beschäftigung in Israel werde langfristig das palästinensische Wirtschaftswachstum nachteilig beeinflussen.
Wichtige Einnahmequelle
Das mag sein, doch die Statistiken zeigen, dass die Arbeit in Israel für die palästinensische Wirtschaft von höchster Wichtigkeit ist. Die in Israel arbeitenden Palästinenser machen 14 Prozent aller Erwerbstätigen aus der Westbank und Ostjerusalem aus. Die Lohnzahlungen israelischer Arbeitgeber an palästinensische Angestellte beliefen sich 2008 insgesamt auf 649 Millionen Dollar, mehr als zehn Prozent des palästinensischen Bruttoinlandprodukts in jenem Jahr. Es entsprach allen palästinensischen Exporten von 2008.
Aufgrund der Analyse der Bank of Israel hat die Zunahme der Zahl der palästinensischen Arbeitnehmer in Israel zwischen 2002 und 2008 – begünstigt durch eine Verbesserung der israelischen Sicherheitslage – mitgeholfen, die Beteiligung der Erwachsenen an der palästinensischen Arbeitskraft zu erhöhen. Im Jahr 2009 betrug die Arbeitslosigkeit unter den Palästinensern 17,7 Prozent der erwachsenen Arbeiter, über das Doppelte der vergleichbaren Rate von 7,6 Prozent in Israel.
Gemäss einem Bericht des palästinensischen Finanzministeriums, der die Ausführungen der Bank of Israel erwähnt, verdienen die in Israel arbeitenden Palästinenser im Durchschnitt rund 60 Prozent mehr als ihre in der Westbank tätigen Altersgenossen.


