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26. März 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 12 Ausgabe: Nr. 12 » March 25, 2010

Kontinuität und Innovation

Valerie Wendenburg, March 25, 2010
Die Welt war in der vergangenen Woche zu Gast in Basel – und in der Israelitischen Gemeinde. Anlässlich der Baselworld kamen Aussteller, Einkäufer und Interessierte, die in den Bereichen Uhren, Schmuck, Edelsteine oder in verwandten Branchen tätig sind.
«Unabhängigkeit ist ein Gemütszustand» Pierre Weil verkörpert in dritter Generation das Motto des Unternehmens Raymond Weil

Die Branche scheint gestärkt aus der Krise hervorzugehen: 1915 ausstellende Firmen und rund 100 000 Fachbesucher aus der ganzen Welt kamen zeitgleich mit dem Frühling nach Basel, um vom 18. bis 25. März der Baselworld, der weltweit bedeutendsten Uhren- und Schmuckmesse beizuwohnen.

Erfolgreiches Traditionsunternehmen

Einer von ihnen war Pierre Bernheim, Area Sales Director von Raymond Weil, der das Familienunternehmen, das 1976 von seinem Grossvater in Genf gegründet wurde, nun in dritter Generation fortführt. Neben seinem Vater, dem Präsidenten und CEO des Unternehmens, Olivier Bernheim, und seinem Bruder Elie, Marketing Director, repräsentiert er die Schweizer Firma, die in 90 Ländern weltweit vertreten ist. So wie verschiedene Generationen der Familie die Marke Raymond Weil verkörpern, so bietet die Kollektion unterschiedliche Modelle für jedes Lebensalter und verschiedene Lebensphasen. Luxuriös bis jugendlich und dynamisch sind die Uhren, und auch die Preisspanne zwischen den einzelnen Modellen ist beträchtlich, da die Details differieren: «Je nach Markt stellen wir uns auf die Bedürfnisse der Kunden ein», so Pierre Bernheim. «So werden in Israel eher grosse Uhren getragen, in anderen Ländern müssen sie unauffälliger daherkommen.» Flexibel zeigte sich das Unternehmen auch während der Krise im vergangenen Jahr: «Wir haben einige unserer Modelle angepasst und weniger luxuriös gestaltet, um unseren Kunden entgegenzukommen», betont Bernheim, der privat gerne fliegt und ein Modell der «Freelancer»-Kollektion trägt.

Gleichzeitig wurden aber auch neue Kollektionen entworfen, die nun an der Baselworld präsentiert wurden – so die «Nabucco Va, Pensioro», die aus Titan gefertigt wird und von Raymond Weil als «Meisterstück» betitelt wird. Benannt wurde die Kollektion nach der Oper von Guiseppe Verdi, «da meine Mutter Pianistin ist und unser Familienunternehmen mitträgt», so Bernheim. Das Unternehmen ist nach dem World Watch Report 2010 einer der Gewinner der Branche: So stieg die weltweite Nachfrage an Uhren gegenüber dem vergangenen Jahr um 24,5 Prozent, wobei das Interesse der Verbraucher in der sogenannten High-Range-Kategorie, zu der Raymond Weil zählt, um 42,4 Prozent anstieg.

Kontinuität und neue Perspektiven

Stärke und Innovation war auch bei der Movado-Gruppe spürbar, die sich wie gehabt an prominenter Stelle in der Halle 1 präsentierte. Efraim Grinberg, CEO, spricht von «neuen Perspektiven und frischem Denken», und er verweist auf aktuelle, kreative Produkte wie auch auf die «Master»-Kollektion, die weiterentwickelt wurde und nun mit schwarzen und braunen Diamanten erhältlich ist. Antonio Calce, Präsident der Schweizer Uhrenmarke Corum und Nachfolger von Severin Wunderman, allerdings glaubt, dass es länger dauern könnte, bis sich die Branche komplett erholen wird. Dennoch hatte er an der Baselworld allen Grund zum Feiern, denn die Kollektion «Golden Bridge» feierte ihren 30. und die Linie «Admiral’s Cup» ihren 50. Geburtstag – Jubiläen, die für Kontinuität stehen.

Stolz und gestärkt

Ali Avidar, CEO des Israel Diamand Institute, gibt sich positiv, er sagt: «Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels», und er betont, dass die «schlimmsten Zeiten» vorüber seien. Mit Stolz verweist Avidar auf die Tatsache, dass die israelische Diamantenindustrie die Krise aus eigener Kraft und ohne staatliche Unterstützung bewältigt habe. Auch wenn die letzten zwei Jahre die schwersten der vergangenen 30 gewesen seien, so habe Israel diese Herausforderung vergleichsweise gut gemeistert und gehe gestärkt aus der Krise hervor. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Yvel, 1986 gegründet und geführt von Oma und Isaac Levy, die umdachten und mit ihrer aktuellen «Regenbogen»-Kollektion erstmals eine Schmucklinie ohne Perlen nach dem Motto «Jung, sexy und modern» auf den Markt brachten.

Deutliches Wachstum

Insgesamt scheint sich die in der Krise angeschlagene Branche schneller zu erholen als erwartet: Die Schweizer Uhrenindustrie büsste bei den Exporten im Jahr 2009 22,3 Prozent ein, in diesem Jahr aber verzeichnete der Verband der Schweizer Aussteller bereits ein deutliches Wachstum. Der Januar-Umsatz lag bereits 2,7 Prozent über dem Vorjahreszeitraum – und die Tendenz zeigt weiter nach oben. Der Aufwärtstrend war auch in Basel zu spüren, nicht nur auf dem Messeareal, sondern auch in der Israelitischen Gemeinde Basel, in der sich die Gäste alljährlich willkommen fühlen. Am Freitagabend war nicht nur die Synagoge gut besucht, auch das Restaurant Topas erlebte einen regelrechten Ansturm von Gästen. Und so wurde auch nach Feierabend deutlich, dass sich die Branche gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten zuversichtlich zeigt und sich weiterhin darauf konzentriert, an der weltweit wichtigsten Uhren- und Schmuckmesse in Basel präsent zu sein.







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