Die erste Reform
Das verstaubte Image der alljährlichen Delegiertenversammlung (DV) des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) soll durch eine neue Programmgestaltung abgeschüttelt werden und gleichzeitig mehr Öffentlichkeit und mehr Attraktion nach innen gewinnen. Ob dieses Vorhaben gelingt oder ob lediglich neuer Wein in alten Schläuchen kredenzt wird, auch ob die neue Version dem meist deutlich bejahrten Publikum gefällt, soll sich am 12. und 13. Mai in Genf zeigen.
Für die Delegierten und Schlachtenbummler, die jeweils darauf verzichten, am Auffahrtswochenende die allseits beliebte «Brücke» zu schlagen, wird bereits der Mittwoch stark aufgewertet. Allerdings müssten dafür Menschen einen halben Arbeitstag opfern, um rechtzeitig in Genf vor Ort zu sein. Die DV findet im Crowne Plaza, einem Business-Hotel in der Nähe des Flughafens statt, weil offenbar keines der sonst gebuchen Stadthotels zu haben war.
Staat und Religion
Um 17 Uhr wartet der SiG mit einem hochkarätig besetzten, den Medien zugänglichen Podium auf, das – auf Französisch – dem Thema «Staat und Religion» gewidmet sein wird. Alle Teilnehmenden der Runde sind allerdings perfekt «bilingue». Unter Leitung der Journalistin Esther Mamarbachi, Leiterin der politischen Sendung «Infrarouge» des Westschweizer Fernsehens, diskutieren Mitglieder des Nationalrats, darunter zwei nationale Parteipräsidenten, nämlich CVP-Präsident Christophe Darbellay aus dem Wallis (der erklären könnte, weshalb er nach Annahme der Minarett-Initiative nicht nur muslimische, sondern auch jüdische Friedhöfe verbieten wollte), und der Genfer Ueli Leuenberger, Chef der Grünen (der Auskunft geben könnte, weshalb Angehörige seiner Partei die Knabenbeschneidung verbieten wollten), dazu Martine Brunschwig Graf, Mitglied der Genfer FDP/Die Liberalen, der Walliser Oskar Freysinger von der SVP und Ada Marra, seit Ende 2007 Vertreterin der SP des Kantons Waadt in Bern. Zu dieser Runde gesellt sich Sabine Simkhovitch-Dreyfus aus Genf, Vizepräsidentin des SIG sowie der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus.
Der Abend bringt «für einmal keine Konzertbestuhlung», wie Herbert Winter erklärt, sondern ein festliches Diner, wie es das elegante Genfer Publikum liebt, und die Israelitische Gemeinde von Genf (CIG) zeichnet ja als Gastgeberin des Vorabends der DV. Der Genfer Glamour soll auch auf das Abendprogramm abfärben, das wie die ganze DV unter dem Motto «Diversite Juive» steht.. Es gibt nicht wie früher ein Grundsatzreferat, sondern nur die üblichen Begrüssungen, und dazu ein Programm, für das die CIG verantwortlich zeichnet.
Neues GL-Mitglied
Der Donnerstagvormittag beginnt nicht gleich mit den trockenen Geschäften, sondern mit verschiedenen – koscheren – Frühstücks-Meetings, die als Workshops konzipiert sind und Themen behandeln, die den SIG und die Gemeinden interessieren sollen. Hier sollen sich die Delegierten aussprechen, sodass die statutarischen Geschäfte, so hofft es jedenfalls die GL, rascher abgearbeitet werden können. Zur Wahl steht eine weitere Vertreterin der Romandie in der GL. Kandidatin ist Francine Brunschwig aus Lausanne, seit Jahren SIG-Delegierte ihrer Gemeinde. Brunschwig ist eine in der Romandie sehr bekannte Journalistin, die im Sommer bei ihrer Zeitung «24 heures» in den Ruhestand tritt, für die sie im Ressort Waadt und im Bereich medizinischer und Gesundheitsthemen tätig ist. Herbert Winter wollte sie schon früher für die GL gewinnen. Francine Brunschwig freut sich, wie sie tachles gegenüber sagte, auf die neue Tätigkeit an der Spitze des SIG. Das Begleitprogramm für die Angehörigen wird voraussichtlich zur nahen Uno führen. Den Abschluss der bisher einzigen Jahresversammlung des jüdischen Dachverbands
bildet wie immer das Mittagessen, diesmal als Buffet- und Stehlunch.


