Skandal um eine Kultfigur
Die Beschuldigung gegen Rabbiner Mordechai Elon, sich an jungen Männern vergangen zu haben, wurde von einem selbst ernannten, mit rabbinischen Autoritäten besetzten Forum namens Takana vorgebracht. Das Forum hat es sich zur Aufgabe gemacht, sexuelle Vergehen zu verhindern. Zuerst wollte die religiöse Gemeinschaft die Affäre fern der öffentlichen Aufmerksamkeit behandeln. Doch da sich der Rabbiner nicht an die ihm von Takana auferlegten Bedingungen hielt, wurde er nun öffentlich blossgestellt. Die Affäre ist auch politisch brisant, da der Rabbiner Aussichten hatte, dereinst Führer der nationalreligiösen Bewegung zu werden. Die Bewegung nimmt als Sprachrohr der Siedler in Cisjordanien eine besonders wichtige Rolle ein. In einer Zeit, da der Baustopp in den besetzten Gebieten und Befehlsverweigerungen in der Armee religiöse Männer vor schwierige Dilemmas stellen, wirkte der Rabbiner für desorientierte junge Leute als moralischer Kompass.
Eine Kultfigur
Elon entstammt einer sehr prominenten Familie. Sein Vater war Mitglied des Obersten Gerichts des Landes, sein Bruder war Abgeordneter in der Knesset und diente zeitweilig als Minister. Ein weiterer Bruder ist Bezirksrichter. Der charismatische Rabbiner selber war für viele religiöse junge Männer eine regelrechte Kultfigur. Eine wöchentliche Fernsehsendung, in der er über Bibel und religiöse Vorschriften referierte, machte ihn auch unter säkularen Israeli weitherum bekannt. Vor drei Jahren verschwand er jedoch plötzlich aus dem Rampenlicht. Es hiess, dass er überlastet gewesen sei und mit seiner Familie einen Wohnsitz in einer abgelegenen Ortschaft im Norden des Landes genommen habe.
Klagen gegen Elon
Nun wurde bekannt, dass der Rabbiner nicht aus freien Stücken ins Exil gegangen war. Offenbar hatte er junge Männer missbraucht, die sich über ihre sexuelle Orientierung nicht im Klaren waren und bei ihm Rat einholen wollten. Takana untersagte es daraufhin Elon, sich mit Schülern alleine in einem Raum aufzuhalten. Doch der Rabbiner hielt sich nicht an die Beschränkung. Unterdessen haben sich angeblich 15 weitere Männer bei Takana gemeldet und Klagen gegen Eilon vorgebracht. Ob sich unter den Missbrauchten Jugendliche befinden, ist nicht bekannt. Somit wird Eilon zurzeit nicht Pädophilie vorgeworfen. Allerdings ist es in Israel Autoritätspersonen verboten, Hilfesuchende sexuell auszunutzen. Inzwischen hat sich auch die israelische Staatsanwaltschaft eingeschaltet.


