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19. Februar 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 07 Ausgabe: Nr. 7 » February 18, 2010

Einfordern oder selber zahlen?

von Gisela Blau, February 18, 2010
Die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz hat stets Privatinitiative gezeigt, wenn es darum ging, eigene Institutionen zu gründen und zu finanzieren. Auch die Muslime stehen vor dieser Herausforderung, wenn sie eigene Institutionen ins Leben rufen möchten.

Die kleinen religiösen Minderheiten in der Schweiz wussten es immer schon: Benötigten sie Institutionen wie eigene Synagogen, Schulen oder Friedhöfe, so mussten sie selber dafür aufkommen. Die jüdischen Gemeinden kämpften dafür und mussten sich zudem abmühen, um die Finanzierungen sicherzustellen.

Privatinitiative zeigen

Wenn CVP-Präsident Christophe Darbellay nach der angenommenen Minarett-
Initiative in einer Privatfernsehsendung sagte, nun dürfe es keine muslimischen und jüdischen Friedhöfe mehr geben, so zeigte dies, wie wenig er über die nicht christlichen Religionen und über ewige Grabesruhe weiss. Bei den jüdischen Friedhöfen, präzisierte er später, dürfe es einfach keine neuen mehr geben.

Die muslimischen Organisationen dagegen sind gut im Bilde, wie die Juden in der Schweiz zu ihren religiösen Institu­tionen gelangt sind, nämlich durch Privatinitiative. Diese Kenntnisse dringen offenbar nicht bis zur Basis vor. Diese Woche kolportierten die Medien die Aussagen des neuen Islamischen Zentralrats der Schweiz mit ihrem jungen Sprecher, der, als er noch jünger war, in Neuhausen die Pro PLO gegründet hatte, die im Wesentlichen aus ihm und seiner Freundin bestand. Nun werden öfters Gebetsräume und Schulen eingefordert, die den Juden ja auch «zugestanden» würden.

Keine Ansprüche stellen

Gebetsräume in würdiger Umgebung sind ein Menschenrecht, und die muslimischen Vereine ecken in Dörfern damit eigentlich nur an, wenn sie darauf bestehen, ein Minarett oder mehrere Kuppeln aufs Dach zu setzen. Die wenigen neuen Synagogen, beispielsweise jene der Jüdischen Liberalen Gemeinde Or Chadasch in Zürich, sind viel nüchternere Gebäude als jene des 19. Jahrhunderts. Der freien Religionsausübung im Rahmen unseres Rechtsstaats solle kein Stein in den Weg gelegt werden, lautet die Überzeugung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG), sagt Vizepräsidentin Sabine Simkhovitch-Dreyfus. Dies war auch eine Kernaussage im Vorfeld der Minarett-Abstimmung.

«Juden erhoben nie einen Anspruch auf ihre Institutionen gegenüber den Behörden», sagt Simkhovitch. Meist musste alles gekauft werden, und selbst dann wurde und wird manchmal die Genehmigung verweigert, weiss die Juristin, die am vergeblichen Kampf der Genfer Juden für einen eigenen Friedhof auf Schweizer Boden beteiligt war. Typisch schweizerisch ist, dass die Kantone gerade die Friedhofsfrage unterschiedlich handhaben. Einzelne Kantone genehmigten den jüdischen Gemeinden Konzessionen und separate Eingänge für christliche Friedhöfe, aber den Unterhalt finanzieren sie nicht. Der SIG, für den das Verhältnis von Staat und Religion ein grosses Thema ist, bereitet Faktenblätter zu solchen Aspekten vor, die auf der Homepage www.swissjews.ch zugänglich sein werden.






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