Mitreden und mitgestalten
Selten wie weisse Raben sind jüdische Bewerbungen für politische Parlamente. Doch vor den Stadt- und Gemeinderatswahlen in der grössten Schweizer Stadt finden sich auf den ersten Blick gleich sieben Leute, eine Frau und sechs Männer, die ins Stadtparlament einziehen wollen. Fünf kandidieren im Kreis 1 und 2, welchen auf der linken Seeseite im Kreis 2 (laut «Woche der Religionen») die «jüdische Meile» zwischen der Weststrasse, der Enge und Wollishofen durchmisst. Die beiden anderen treten in ihren Wohnkreisen 6 und 9 an. Sie werden in den nächsten Wochen von Flyern lachen und an Standaktionen ihrer Parteien auftreten.
Mirjam Teitler und Alain Moshe Kessler kandidieren für die FDP im Wahlkreis 1 und 2. Pawel Silberring-Dym tritt für die SP und Jedidjah Bollag für die SVP im gleichen Wahlkreis an. In diesem Kreis findet sich auch die Kandidatur von Samuel Dubno, der die Grünliberale Partei glp vertritt. Die Grünliberalen stellen zudem im Kreis 6 Ronny Siev und im Kreis 9 Thomas Vesely auf. «Somit sind die Grünliberalen die jüdischste Partei», freut sich Dubno, der vor zwei Jahren Mitgründer seiner Sektion war und ihr Vizepräsident ist, aber auch im Vorstand der Stadtpartei sitzt. Samuel Dubno, Delegierter des Vorstands der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) und dessen Kommunikationsverantwortlicher, sowie Mirjam Teitler und Alain Moshe Kessler sind Mitglieder der ICZ und werden von ihr den Mitgliedern zur Wahl empfohlen.
Jahrzehntelang waren die Sozialdemokraten die einzige Partei, die jüdische Kandidaturen förderte und unterstützte. Später kam die FDP dazu. Rita Marx, Präsidentin der FDP-Kreispartei 1 und 2, gelangte als erste jüdische Frau in den Zürcher Gemeinderat, gefolgt von den Anwälten Caroline Rom-Bernheim und Mischa Morgenbesser aus dem gleichen Kreis. Die drei Ehemaligen freuen sich unisono über das Fähnlein der sieben aufrechten Kandidierenden.


