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5. Februar 2010, 10. Jahrgang, Ausgabe 05 Ausgabe: Nr. 5 » February 4, 2010

Kooperation im Gegenwind

von Peter Forster, February 4, 2010
Jäh kam die Rüstungskooperation zwischen Israel und der Schweiz am 30. Oktober 2009 ins Stocken, als in Bern die Armeeführung das Projekt C4ISTAR aus Geldmangel aufs Eis legte.
DER «ROVER»-TEST Der israelische Fesselballon vor dem Start bei Ersigen

Das Projekt C4ISTAR umfasst die Führung und die Aufklärung und regelt damit die Kommandoführung, den militärischen Nachrichtendienst, die Überwachung, die Zielakquisition und die Exploration. In den Jahren 2007 und 2008 hatten im Bernbiet unter dem Decknamen «Rover» zwei aufschlussreiche Truppenerprobungen stattgefunden. Die Schweizer Armee testete einen modernen Aufklärungsverbund, zu dem auch mehrere israelische Firmen massgeblich beitrugen. Aus dem Grossraum Tel Aviv hatten Rüstungsbetriebe ihre besten Ingenieure ins Alte Zeughaus von Burgdorf entsandt. General David Tzur, der frühere Geheimdienstchef der israelischen Streitkräfte, koordinierte den Effort.

An der Spitze

An der Autobahn A1 bei Ersigen führten die Israeli ihren Fesselballon, ihre Mini-Drohnen, ihren mobilen Aufklärungsmast und die gestochen scharfen Bilder vom Eros-B-Satelliten ins Treffen. Im Knoten von Burgdorf verdichteten Schweizer Offiziere die Nachrichten aus den Sensoren zu einem eindrücklich kompletten Lagebild. Das Unternehmen Rover knüpfte an Erfolge an, die israelische Rüstungsfirmen in der Schweiz erzielt hatten. Das wegweisende Artillerie-Führungssystem INTAFF geht auf eine Entwicklung von Tadiran zurück, einem Unternehmen in Holon bei Tel Aviv. Massgeblichen Anteil am Gelingen von INTAFF hatte als Artillerie-Oberst Jakob Baumann, der heutige Divisionär und Rüstungschef. Bestens funktioniert auch die Aufklärungsdrohne ADS-95, die aus Lod, von Forschern von Malat und den Israel Aircraft Industries (IAI) stammt. In Payerne, Thorny und Bière fand ein Artillerieschiessen auf hohem Niveau statt, das der Schiesskommandant über die israelisch-schweizerische Drohne leitete.

Erfolgreich führt die Schweizer Armee in der Elektronischen Kriegsführung (EKF) jetzt das Integrierte Funkaufklärungs- und Sende-System IFASS ein, das aus Israel stammt. Die Liste liesse sich verlängern – gemeinsam ist den Kooperationsmeldungen eines: Stets erlauben es israelische Entwicklungen der Schweiz, weltweit mitzuhalten, ja an der Spitze zu stehen – siehe INTAFF.

Sand im Getriebe

Eine Niederlage erlitt Israel beim Funkgerät SE-235/435 mit seinem Tadiran-Funk: Der französische Mitbewerber Thales machte das Rennen. Sand ins Getriebe streute in den Jahren 2002 bis 2005 das Aussendepartement, als es die Kooperation diplomatisch untermauert ausbremste. Aber ganz brach der Draht von Bern nach Tel Aviv nie ab. Auch im persönlichen Bereich hielten die Freundschaften zwischen israelischen und Schweizer Offizieren der politischen Belastung stand. Ein erklärter Freund Israels war Bundesrat Samuel Schmid. Nach dem Ende der zweiten Intifada nahmen die traditionell guten Beziehungen zwischen der Schweizer Armee und der israelischen Rüstung wieder Fahrt auf – bis sie im Herbst 2009, diesmal aus finanziellen Gründen, heftig aufliefen. Wie es in der amtlichen Verlautbarung vom 30. Oktober 2009 heisst, gab «die kritische finanzielle Situation der Armee» den Ausschlag für den Investitionsstopp.

Seit 6. November 2006 arbeitet in Worblaufen ein kleines Labor unter dem Namen Taris (ein Wortspiel, abgeleitet von Istar). Hinter Taris steht die israelische Armaz Group, die der Schweiz immer wieder wertvolles militärisches Wissen vermittelt. Am 30. September dieses Jahres läuft der
Taris-Kooperationsvertrag mit Armasuisse aus – jener Institution, die für die Schweizer Armee die Rüstung beschafft.


Der Autor Peter Foster ist Oberst der Schweizer Armee. Er führte von 1996 bis 2003 das Informationsregiment 1 und ist Chefredaktor der Militärzeitschrift «Schweizer Soldat».







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