Jugendleiter aus dem Amt geschieden
Seit Anfang Januar ist der Jugendleiter der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) nicht mehr im Amt. Wie einem Rundschreiben an die Mitglieder der IGB zu entnehmen ist, erfolgte die Trennung in gegenseitigem Einvernehmen. Guy Rueff, Präsident der IGB, betont gegenüber tachles, dass sich Nezer einfach nicht richtig in die Umgebung und das Umfeld der IGB einpassen konnte. Nezer, welcher zuvor als Jugendleiter in der Israelitischen Kultusgemeinde München tätig war, sei einen anderen Arbeitsstil gewöhnt gewesen, da sich die Jugendarbeit in Deutschland erheblich von jener in der Schweiz unterscheide.
So seien in Deutschland etwa die finanziellen Mittel weniger limitiert. Nezer wurde bereits vor Jahresende auf eigenen Wunsch beurlaubt, da er seine Situation neu überdenken wollte (vgl. tachles 51/09). Er arbeitete seit dem 1. September 2008 als Jugendleiter (80 Prozent) und Eventmanager (20 Prozent). Seine begonnenen Projekte wird er noch zu Ende führen, und er erhält sein Gehalt noch bis zum März dieses Jahres. Rueff betont, dass es Nezer nach Beendigung seiner Projekte freisteht, zu gehen, da es keinen Sinn mache, «noch drei Monate Leute verrückt zu machen». Nezer war offensichtlich nicht bei allen Mitgliedern der IGB beliebt, und es kursieren verschiedene, nicht bestätigte Gerüchte im Zusammenhang mit seiner Person und seiner Arbeitsweise. So habe er mit einer Jugendgruppe etwa den Rückflug von einer Reise nach London verpasst, weil er betrunken gewesen sei, oder das ihm zur Verfügung stehende Budget stark überzogen. Zudem sei er schlecht erreichbar gewesen, oder manchmal einfach ohne Rückmeldung für mehrere Tage verschwunden. Rueff bestätigt zwar den verpassten Rückflug von der besagten Londonreise, zu der Aussage, dass Alkohol im Spiel gewesen sei, äussert er sich jedoch nicht. Die anderen Punkte bleiben reine Spekulation, und auch Iris Sobol, die der Komission Jugend/Event/Internet der IGB vorsteht, schliesst sich den Aussagen Rueffs an. Lorin Nezer, der diplomierter Informatiker ist, war für eine Stellungnahme bis zum Redaktionsschluss nicht erreichbar. Wie die IGB am Mittwoch mitteilte, hat der Vorstand bereits eine interimistische Lösung gefunden. Schmuel Kahn und Estelle Dolfi teilen sich das Amt des Jugendleiters, wobei Schmuel Kahn 90 Prozent vom Pensum übernimmt und Estelle Dolfi zehn Prozent. Sie haben einen befristeten Vertrag bis Juli 2010. Die beiden haben, so die IGB, «sehr viel Erfahrung mit den Jugendlichen und waren beide in ihren jeweiligen Jugendbünden Bne Akiwa respektive Emuna sehr aktiv». Mit dieser Besetzung sei «sichergestellt, dass ein grosser Teil der bereits geplanten Aktivitäten auch durchgeführt werden kann». Ein neuer Jugendleiter wird für August 2010 per Inserat mit einem Pensum von 80 bis 100 Prozent gesucht.


