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11. Dezember 2009, 9. Jahrgang, Ausgabe 50 Ausgabe: Nr. 50 » December 10, 2009

100 Jahre kleine Synagoge

Daniel Zuber, December 10, 2009
Am kommenden Sonntag, 13. Dezember, begeht die Israelitische Gemeinde Basel das Jubiläum ihrer kleinen Synagoge. Sie ist auch heute noch – neben der grossen Synagoge – ein zentrales Element der Gemeinde. Ein Rückblick.
DIE KLEINE SYNAGOGE Die IGB feiert das 100-Jahr-Jubiläum

Die Israelitische Gemeinde Basel (IGB) verfügt über zwei Synagogen: Die sogenannte grosse mit ihren zwei Kuppeln, gelegen an der Ecke Leimenstrasse/Eulerstrasse, und die «kleine», die sich auf dem IGB-Areal unterhalb des heutigen Israelitischen Kindergartens Marcus Cohn befindet. Erst entstand die «grosse» Synagoge, nachdem die Gemeinde im Jahr 1865 den Bau einer eigenen Synagoge beschlossen hatte. Im Laufe des Jahres 1866 konnte bereits das Grundstück erworben werden, wo nach den Plänen von Architeckt Hermann Rudolf Gauss aus Heilbronn (1835-1868) eine Synagoge im maurisch-byzantinischen Stil errichtet wurde. Am 25. Mai 1867 war Grundsteinlegung, und schon am 9. September 1868 wurde die heutige «grosse» Synagoge durch die Rabbiner Meyer Kayserling und Moise Nordmann feierlich eingeweiht. Da die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder in Basel zu jener Zeit stetig weiterwuchs, war die Synagoge mit ihren 150 Männer- und Frauenplätzen bald zu klein, und so wurde im Dezember 1889 ein Anbau und die Vergrösserung der Anzahl Plätze beschlossen. Auch die Diskussion über den Einbau einer Orgel, welche in der Gemeinde noch länger für Zündstoff sorgen sollte, entflammte damals. Die geplante Erweiterung wurde 1890 von dem Basler Architekten Paul Reber in Angriff genommen, sodass die auf 600 Plätze vergrösserte und nun mit zwei Kuppeln ausgestattete Synagoge am 15. September 1892 mit einer Festrede von Rabbiner Arthur Cohn eingeweiht werden konnte.

Platznot und hohe Stromkosten

Auch diese vergrösserte Synagoge genügte allerdings den Anforderungen der IGB bald nicht mehr, sodass der damalige Gemeindepräsident Jules Dreyfus-Brodsky in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts vorschlug, es sei «ein grosser Saal zu erstellen, in welchem während des Winters Gottesdienst abgehalten werden könne, um so Heizung und Beleuchtung einzusparen. In diesem Saale könnten auch das Chevrohlernen sowie Proben für den Chor abgehalten werden. Dann soll ein Sitzungssaal nebst dazu gehörigen Räumlichkeiten für das Archiv, das Sekretariat, die Kasse und anderes mehr geschaffen werden.» Dank einer grosszügigen Spende von Jules Dreyfus-Brodsky und seiner Gattin Marie konnte die Gemeinde im Jahr 1906 die neben der Synagoge gelegene Haas’sche Liegenschaft erwerben. Architekt Fritz Stehlin (1861–1923), welcher auch die Villa Dreyfus-Brodsky an der St.-Jakobs-Strasse 44 entworfen hatte, machte sich daran, den Bau der kleinen Synagoge (Betsaal) zu realisieren. Stehlin hat sich besonders durch die Restaurierung alter Baudenkmäler einen Namen gemacht. Die geringe Tiefe der zusätzlich erworbenen Parzelle hinter der grossen Synagoge stellte den Architekten vor eine schwierige Ausgangssituation. Nach verschiedenen Projektentwürfen gelangte er schliesslich zu der heute bestehenden Lösung. Das Gebäude besteht aus einem rechteckigen, zweigeschossigen Hauptbau mit einem etwas niedrigeren Treppenhaus an dessen Westseite. Im Erdgeschoss befindet sich die Tagessynagoge mit einer kleinen Frauenempore und im Obergeschoss liegen zwei Büros, die zu einem Gemeindesaal für 150 Personen zusammengefasst werden können. Die Fassaden der kleinen Synagoge gestaltete Stehelin nach der bereits bestehenden Streifung der Hauptsynagoge. Er vermied den Gebrauch orientalischer Stilelemente. Die schlichte Bemalung der Decken und Wände wich im Zuge mehrerer Renovierungen einer nüchterneren, hellen Wandbemalung. Stehlin war es auch, der die baulichen Veränderungen an der grossen Synagoge vom Jahre 1910 durchführte. Nach dreijähriger Bauzeit und einem Kostenaufwand von rund 185 000 Franken konnte die kleine Synagoge vor nun schon bald 100 Jahren am 19. Dezember 1909 ihrer Bestimmung übergeben werden. Auf eine eigentliche Einweihungsfeier wurde verzichtet.

Mittelpunkt der Gemeinde

Nach Schluss der ordentlichen Generalversammlung der Gemeinde wurde der erste Gottesdienst in diesem neuen Betsaal abgehalten. Während der Umbauten der grossen Synagoge in den Jahren 1910 und 1947, hat man diese geschlossen und sämtliche Gottesdienste in der neuen kleinen Synagoge abgehalten. Bis heute sind die beiden Synagogen Mittelpunkt der Israelitischen Gemeinde Basel. In der kleinen Synagoge werden tägliche Gottesdienste abgehalten, während die grosse Synagoge für Schabbat- und Feiertagsgottesdienste reserviert ist. Am Sonntag, dem 13. Dezember, findet um 16.00 Uhr die Jubiläumsfeier «100 Jahre kleine Synagoge» statt. Das Schweizer Fernsehen wird anwesend sein und für die Sendung «Bilder zum Feiertag» während der Feier und des Abendgottesdienstes Filmaufnahmen machen. 






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