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13. November 2009,Finanzen Beilage 46 Ausgabe: Nr. 46 » November 12, 2009

«Der Finanzplatz Schweiz wird langfristig gestärkt»

Interview Yves Kugelmann, November 12, 2009
Die Zürcher Kantonalbank positioniert sich als erfolgreiche Universalbank. Im Interview sprechen Christoph Weber, Leiter Private Banking, und Elio Keller, Leiter Privatkunden Marktgebiet Zürich-West, über die Wirtschaftskrise, erfolgreiche Strategien und Zukunftsperspektiven.
CHRISTOPH KELLER (R.) UND ELIO KELLER «Die ZKB ist überschaubar und unsere Kunden verstehen, was wir machen»

TACHLES: Wie ist die Zürcher Kantonalbank (ZKB) bislang durch die Krise gekommen, wie ist sie derzeit als Bank positioniert?

CHRISTOPH WEBER: Wir waren in puncto Geschäftsfelder sehr breit auf-
gestellt, unsere Risiken waren sehr kontrolliert und unser Auslandsengagement war gering. So gehören wir wohl zu jenen Banken, die die Krise am besten überstanden haben. Dies belegt auch der «Global Finance Report», in dem wir als sicherste Universalbank geführt werden.

Beruht das auf einer Portion Glück, oder was gibt es sonst für Gründe dafür?

CHRISTOPH WEBER: Unser Geschäftsmodell verpflichtet uns zu nachhaltigem Wachstum und beinhaltet keine Renditemaximierung. Letzteres hat uns davor bewahrt, in toxische Produkte einzusteigen, was schlussendlich anderen Banken zum Verhängnis geworden ist. Wir konzentrieren uns gemäss Geschäftsmodell auf langfristiges, stabiles Wachstum in jenen Geschäftsfeldern, die wir kennen und verstehen.

Wie stark ist die ZKB daran interessiert, auf dem internationalen Parkett aufzutreten und wie lautet die diesbezügliche Strategie für die Zukunft?

CHRISTOPH WEBER: Unsere Verankerung ist und bleibt im Wirtschaftsraum Zürich, hier wollen wir die Nummer eins sein. Innerhalb der Schweiz verfolgen wir eine Spitzenposition und global wollen wir erfolgreich agieren. Aufgrund unseres exzellenten Ratings haben wir durch die Krise allerdings weltweit Aufmerksamkeit erlangt und erscheinen auf internationalen Ranglisten weit vorne. Es ist aber ganz klar, dass wir als Zürcher Universalbank nicht als weltweit in allen Geschäftsfeldern tätiger Player auftreten werden. Im Ausland arbeiten wir nur sehr selektiv in klar definierten Geschäftsbereichen. Als Gegenpartei im Business-to-Business-Kontakt werden wir aber aufgrund unserer Sicherheit – Thema strukturierte Produkte – natürlich nun hoch interessant.

Die Diskussion um Steuerthematik und Bankgeheimnis hat sich in den letzten Monaten stark verändert. Wie treten Sie diesbezüglich gegenüber ausländischen Kunden auf?

CHRISTOPH WEBER: Das rein fiskalische Bankgeheimnis war als Geschäftsmodell nie nachhaltig und ist mittlerweile mit Sicherheit zu einem Auslaufmodell geworden. Wir müssen mit unserer Kompetenz als schweizerische Bank überzeugen und Kunden gewinnen. Wir suchen steuertransparente Vermögen, und unsere Kundenbetreuer werden derzeit darauf geschult, diese Strategie umzusetzen. Wer offensichtlich nicht deklarierte Vermögenswerte deponieren will und diese auch nicht in absehbarer Zeit zu deklarieren gedenkt, kann mit uns keine nachhaltige Geschäftsbeziehung aufbauen.

Geht man erst in jüngerer Zeit mit diesem Thema so sensibel um?

CHRISTOPH WEBER: Grundsätzlich lag und liegt die Verantwortung für die Steuerdeklaration bei jedem selbst. Es war nicht Aufgabe der Bank, als verlängerter Arm der Steuerbehörden zu wirken. Wir haben hier also einen gewissen Paradigmenwechsel.

In Sachen Bankgeheimnis ging wohl in letzter Zeit viel Vertrauen bei der ausländischen Kundschaft verloren. Wie gehen Sie damit um?

CHRISTOPH WEBER: In meinen Gesprächen mit Menschen aus dem Ausland erfahre ich dieses Misstrauen nicht so, wie wir es hier zeitweilig aus den Medien aufnehmen. Der Schweizer Bankenplatz geniesst nach wie vor hohes Vertrauen. Die negativen Vorfälle haben einen ganz klaren Bezug zu einem Fehlverhalten in einem bestimmten Markt und haben nicht allzu viel mit dem Schweizer Bankgeheimnis zu tun. Der gute Ruf der Schweiz als vertrauenswürdiger Finanzplatz, der zu seinen Kunden und ihren Daten Sorge trägt, ist nach meiner Wahrnehmung bei den ausländischen Kunden nach wie vor gegeben. Die Frage ist ja auch, was die Alternativen wären. Wo sonst auf der Welt findet man in dieser Konzentration Banken mit dieser Kompetenz und dieser Breite? Dies wird auch nach Abschluss der Diskussionen um das fiskalische Bankgeheimnis noch so sein.

Der Finanzplatz Schweiz wird also aus diesen Diskussionen nicht allzu geschwächt herausgehen?

CHRISTOPH WEBER: Formulieren wir es doch positiv. Ich glaube, das Fazit wird sein, dass uns die Sache kurzfristig etwas kosten, langfristig aber stärken wird.

ELIO KELLER: Derzeit wird beim Thema Bankgeheimnis die Steuerdiskussion ins Zentrum gestellt. Aber das Bankkundengeheimnis soll ja dem Kunden einen umfassenden Schutz seiner Privatsphäre bieten. Ein absolut legitimes Interesse und eine Erwartung unserer Kunden ist doch, dass wir mit all den Informationen, die wir aus dem Geschäft mit ihnen zwangsläufig erhalten, wirklich höchst sorgfältig umgehen und sie uns vertrauen können. Und hier gibt es gar keine Abstriche, das wollen wir unseren Kunden unverändert bieten. Das macht die Reputation des Bankenplatzes Schweiz nach wie vor aus.

Inwieweit tangieren denn die zu erwartenden Beschlüsse der G-20 die ZKB?

CHRISTOPH WEBER: Auch wenn unser Zielmarkt der Heimmarkt ist, müssen uns die Fragen, die jetzt in diesem Gremium diskutiert werden, im Gesamtkontext der global agierenden Finanzindustrie stark interessieren. Die Doppelbesteuerungsabkommen etwa sind auf sehr gutem Weg. Etwas mehr Sorgen dürfte der aus OECD und G-20 herausgehende Druck bezüglich des automatischen Datenaustausches verursachen. Dieser kratzt genau an dem, was wir als Schutz der Privatsphäre des Kunden betrachten. Hier muss unser Ziel sein – gemeinsam mit anderen Finanzplätzen, die diesen Schutz ebenfalls gesetzlich verankert haben – gut zu verhandeln. Diesen Punkt müssen wir durchsetzen, unter gleichzeitiger Handbietung bezüglich der berechtigten Ansprüche der Zielländer auf ihr Steuersubstrat. Sei es in Form von Abgeltungs- oder von Quellensteuern. Es liegen dazu ja verschiedene Modelle vor.

Wenden wir uns dem inländischen Markt zu, der mittlerweile multiethnisch und multikulturell ist. Berücksichtigen Sie diese Elemente in Ihren heimischen Akquisitionsbemühungen?

CHRISTOPH WEBER: Als Bank sind wir auf Bundes- wie auf kantonaler Ebene sehr stark reglementiert. Das bildet für uns die Grundlage unseres Handelns gegenüber dem Kunden. Darüber hinaus setzen wir bei der Segmentierung unseren Schwerpunkt beim Wirtschaftsraum Zürich und der Schweiz. Bei der Subsegmentierung gibt es regionale Schwerpunkte. Ferner gibt es die Aufteilung in Firmen-, Privat- und Private-Banking-Kunden. Innerhalb dieser gibt es dann noch verschiedene Bedürfnisgruppen, für die wir Cluster-Angebote schaffen, mit denen wir sie bestmöglich bedienen können. Auf dieser Ebene können durchaus auch kulturelle oder religiöse Aspekte eine Rolle spielen. Unsere Sicht ist aber mehr darauf ausgerichtet, was eine Kundengruppe spezifisch für Bedürfnisse hat und welches Leistungsangebot wir für sie haben.

Gibt es bei der jüdischen Kundschaft spezifische Bedürfnisse?

ELIO KELLER: Nein, ich glaube nicht, dass dies auf die jüdische Kundschaft
zutrifft. Wichtig ist in jedem Fall, die Kunden und ihre Bedürfnisse zu kennen, und dazu dient uns das persönliche Gespräch. Auch bei internationalen Kunden verhält es sich so. Natürlich ist es wichtig zu wissen, welchen Pass oder welche Religion jemand hat, aber viel wichtiger für uns ist zu erfahren, welche internationalen Beziehungen der Kunde hat und welche Bankbedürfnisse sich daraus ergeben. Viele unserer jüdischen Kunden sind Schweizer, und bei ihnen ist kein Unterschied zu anderen Kunden festzustellen.

Die ZKB hat allerdings neu einen Bereich geschaffen, der speziell Israelkunden betreut. Das ist eher ungewöhnlich für eine Kantonalbank.

CHRISTOPH WEBER: Es geht dabei nicht spezifisch um Israel, sondern vielmehr darum, zu verstehen, was die jüdische Kundschaft – die wir übrigens schon seit jeher zu unseren geschätzten Kunden zählen dürfen und die primär in der Schweiz lebt – durch ihre stärkere globale Vernetzung für zusätzliche Bedürfnisse haben könnte. Sie ist tendenziell oft mit mehr Liquidität versorgt und benötigt grenzüberschreitenden Geldverkehr. Das müssen wir verstehen und auch die dafür nötige Sensibilität haben. Überdies haben wir ja selbst Mitarbeitende aus dieser Community, und es liegt uns daran, diese Bedürfnisse mit dem Know-how unserer eigenen Leute besser abzudecken. Es geht hier also nicht um ein «Desk». Dies käme nur zur Anwendung, wenn wir einen strategischen Länder-Fokus auf Israel machen wollten, unter dem wir Israel als strategischen Zielmarkt offshore bearbeiten würden. Dies ist nicht der Fall.

Sie wollen also vielmehr jene israelischen Kunden, die in der Schweiz geschäftstätig sind, besser bedienen?

CHRISTOPH WEBER: Ja, das ist die Hauptstossrichtung. Natürlich kommt aus diesem Netzwerk heraus ab und an auch ein Kunde, der in Israel ansässig ist und sich für unser Leistungsangebot interessiert. Aber wir akquirieren nicht
aktiv Kunden in Israel, denn es ist kein strategisches Fokus-Land. Solche Länder sind Deutschland und die zentral-osteuropäischen Länder.

Was können Sie jüdischen Privatkunden oder Unternehmern bieten, was andere nicht bieten können?

ELIO KELLER: Was wir als Universalbank speziell einem Unternehmer bieten können, ist die ganze Spanne an Dienstleistungen, die er braucht. Wir decken dabei sowohl seine Bedürfnisse als Unternehmer wie als Privatkunde ab. Was uns wirklich auszeichnet ist, dass wir für sämtliche Themen «inhouse» über die entsprechenden Spezialisten und das entsprechende Know-how verfügen. Das macht es für den Kunden einfach: Er hat eine Anlaufstelle. Ob es nun um Nachfolgeregelung, Erbschaft oder Vermögensberatung geht. Sein Kundenberater kann die Bedürfnisse entweder selbst abdecken oder er zieht intern Spezialisten bei.

CHRISTOPH WEBER: Für viele ist, wie bei einem Family Office, der Kapitalerhalt über Generationen ein wichtiges Ziel. Die ZKB wählen sie, da die Bank auch von der Stabilität und Sicherheit her das Notwendige für diesen Zweck mitbringt.

ELIO KELLER: Wir legen zudem Wert darauf, dass unseren Kunden diese Stabilität auch in der Beziehung zum Ansprechpartner geboten wird, indem der persönliche Kundenbetreuer über Jahre hinweg für ihn da ist und ihn durch die verschiedenen Lebensabschnittsphasen begleitet und die ihn bewegenden Themen aufnimmt.

Haben sich diese Werte, die Sie bieten, mit dem Lauf der Zeit verändert?

CHRISTOPH WEBER: Ja, sie passen sich beispielsweise der multikulturellen Situation, die wir heute haben, an. Wir können mittlerweile nicht mehr wie früher davon ausgehen, dass ganze Familien einfach in der Schweiz leben. Die Situation ist vielfältiger geworden. Für uns heisst das, dass wir Kompetenzen haben müssen, die über das hinausgehen, was den rein lokalen Markt abdecken würde. Das Finanzgeschäft ist letztendlich eben ein sehr globales Geschäft. Es ist derzeit ein grosser Vorteil, dass wir als ZKB lokal gut verankert und global gut vernetzt sind. Das mögen die Kunden an unserer Bank. Die ZKB ist überschaubar, und sie verstehen, was wir machen.





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