Wer ist der wirkliche Besetzer?
Von Gideon Levy («Haaretz») bis Barack Obama, von Yariv Oppenheimer («Frieden jetzt») bis Ismail Haniyeh, von Zahava Gal-On (Meretz) bis Tzippi Livni sagen sie alle dasselbe: Es ist an der Zeit, die «Besetzung» zu beenden. Ist die «Besetzung» erst einmal beendet, wird der Frieden besiegelt werden. Sobald die Juden aus dem Herzen ihres Landes vertrieben sein werden, wird die Erlösung über Zion kommen. So entsteht «die Lösung» – zwei Staaten auf dem winzigen Stückchen Land.
Es wäre gut, sich daran zu erinnern, dass die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO im Jahre 1964 gegründet wurde, bevor es eine «Besetzung» gab. Es entstanden die «Westbank», die «Gebiete» und all die anderen politischen Begriffe, die darauf abzielten, das jüdische Volk aus dem Herzen seines Landes zu vertreiben, von jenem Boden, der 1948 von der jordanischen Armee besetzt worden war (ohne Anführungszeichen). Diese Besetzung dauerte 19 Jahre. Das Ziel der PLO war nicht die Befreiung dieser Gebiete aus jordanischer Hand, befand sich das Land doch unter arabischer Kontrolle. Viel eher war die Organisation bestrebt, die innerhalb der «grünen Linie» liegenden «besetzten» Gebiete des Staates Israel zu
befreien.
Wir sollten uns auch daran erinnern, dass die PLO ihre Meinung nie geändert hat. Sie tat es nicht, als sie mit dem naiven Itzhak Rabin den «Frieden» unterzeichnete. Rabin war in die für ihn in Oslo vorbereitete Falle getreten. Und die PLO änderte sich auch nicht, als sie angeblich ihre Verfassung ausser Kraft setzte. Sogar die jüngste Fatah-Konferenz und die Statements des «gemässigten» Holocaust-Leugners Mahmoud Abbas bezeugen das. Das Ziel ist und bleibt bis heute: die Befreiung der «besetzten» Gebiete aus den Händen Israels, konkret aus den Händen des Staates Israel innerhalb der Grenzen der «grünen Linie».
Als andererseits die Verhandler in Oslo Yasser Arafat und seine Scharfschützen mit seiner Armee von Terroristen ins Herz des Landes hereinliessen, brachten sie ihre eigene Besatzungsarmee mit. Und weil sie den Schock nach der Ermordung Rabins ausnützten, übergaben die Oslo-Leute die Städte von Judäa und Samaria rasch den Besetzern, ein Fehler, den der ermordete Premierminister offenbar nicht zu begehen beabsichtigt hatte. So wurden befreite Gebiete zu besetzten Gebieten, ohne Anführungszeichen. In der Operation «Schutzschild» war die israelische Armee gezwungen, einen hohen Blutpreis zu zahlen, um das Herz des Landes von arabischen Besetzern zu befreien.
Die meisten Araber in Israel wanderten nach unseren Alija-Wellen ins Land ein. Mit anderen Worten: Der Zionismus und der Wohlstand, den er erzeugte, führten zur Enstehung des sogenannten «palästinensischen Volkes». Seit der arabischen Besetzung des Landes Israel im siebten Jahrhundert und während all der Jahrhunderte der muslimischen Besetzung war dieses Land für alle Besetzer nichts anderes als ein abgelegener imperialistischer Aussenposten.
Die Forderung, den arabischen Immigranten und ihrer Armee – diese ist hier stationiert dank der Blindheit gewisser Juden und der Nationen der Welt – einen Staat zu gewähren, ist unbegründet. Sie bedeutet so viel wie die Legitimierung einer Realität, die nach dem kriminellen Akt geschaffen wurde, der einer Besatzungsarmee gestattete, ins Land einzudringen.
Die Antworten der Kritiker sind vorhersehbar: Was schlagen Sie vor? Sollen sich die Araber einfach in Luft auflösen? Im Gegensatz zu den Kritikern, die einen rassistischen Transfer von Juden aus Judäa und Samaria gutheissen, lehne ich jeden erzwungenen Transfer irgendeiner Bevölkerungsgruppe ab. Vielleicht gibt es keine Lösung für das Problem. Sicher gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine Lösung. Das ist aber noch kein Grund, Selbstmord zu begehen oder die zionistische Vision auf dem Altar des «Friedens» zu opfern.
Ich möchte keine binationale Staaten-Lösung. Wenn es eine Lösung gibt, kann sie nicht nur im westlichen Teil des Landes Israel gefunden werden. Langfristig wird die Lösung eine regionale sein. Die Araber des Landes Israel werden weiterhin in ihrem heutigen Zuhause leben, werden die jordanische beziehungsweise Leute aus Gaza die ägyptische Staatsbürgerschaft haben und ihre respektiven Parlamente wählen. Langfristig werden Bürger von Jordanien, die im östlichen Transjordanien eine überwältigende Mehrheit bilden, die Macht in Amman übernehmen. Dort wird sich dann eine Lösung für ihre westlich des Jordanflusses lebenden Brüder finden.
Bis dahin aber müssen wir die Besetzung beenden. Die arabische Besetzung im Lande Israel.
Ron Breiman war von 2001 bis 2005 Vorsitzender der rechtsnationalen Organisation «Professoren für ein starkes Israel».


