Meisterhafte Finanzmanöver
Auf dem Höhepunkt des Kampfes, der sich zwischen Besitzern von Obligationen und den Gesellschaften abspielt, die ihnen Geld schulden, haben die Unternehmer Sami und Idan Ofer einen grossen Schritt in Richtung Beschwichtigung ihrer Kreditoren unternommen. Sie erklärten sich damit einverstanden, dass die 150 Millionen Dollar, welche ihre Schifffahrtgesellschaft Zim Integrated Shipping Services ihren sich in privater Hand befindlichen Firmen schuldet, nicht in sieben Jahren in Aktien von Zim umgewandelt würden.
Darüber hinaus willigten die Ofers ein, dass die Schulden ihnen gegenüber den Schulden von Zim an die Obligationäre untergeordnet sein würde. In anderen Worten heisst das, dass die Schulden, die gegenüber den Besitzern von Obligationen bestehen, zuerst beglichen werden müssen. Diese Schuld beläuft sich auf 350 Millionen Dollar.
Der Schritt zielt darauf ab, die Aktionäre der Israel Corporation zu besänftigen und sie dazu zu bringen, einer Schuldenvereinbarung zwischen der Israel Corporation und Zim zuzustimmen. Ein früherer Versuch, eine Schuldenvereinbarung zustande zu bringen, misslang.
Krise in der Schifffahrtindustrie
Die Israel Corporation schlägt vor, Zim
eine weitere Geldspritze von 350 Millionen Dollar zu verabreichen. Die Besitzer der Obligationen, denen Zim 350 Millionen Dollar schuldet, wären laut ihren Vorstellungen einverstanden, vier weitere Jahre auf ihr Guthaben zu warten, das heisst, sie würden ihr Geld statt 2012 erst 2016 bekommen. Im Austausch für dieses Entgegenkommen würden sie einen höheren Zinssatz erhalten, und ihnen würde das Recht zustehen, sich an den Profiten von Zim zu beteiligen. Die Schifffahrtgesellschaft leidet arg unter den Krise in der globalen Schifffahrtindustrie.
Die Familie Ofer besitzt 50 Prozent der Israel Corporation, der zum jetzigen Zeitpunkt Zim vollumfänglich gehört. Das hätte sich dieser Tage ändern können. Im August 2009 stimmten die sich in Privatbesitz befindlichen Ofer-Firmen zu, im Austausch gegen sogenannte«capital notes» auf 150 Millionen Dollar, die ihnen geschuldet werden, zu verzichten. Das sind 24 Prozent der Zahlungen, die sie von Zim als Leasinggebühren für 16 Schiffe erwarten. Die «capital notes» hätten in Zim-Aktien umwandelbar sein sollen. Wenn die privaten Ofer-Firmen die Schulden in Aktien umgewandelt hätten, hätten sie theoretisch von der Israel Corporation die Kontrolle über Zim übernehmen können. Das erboste die institutionellen Investoren in Israel.
Weg geebnet
Die Einladung zu einer auf den 14. Oktober anberaumt gewesenen Aktionärsversammlung der Israel Corporation, an der die Kapitalspritze hätte abgesegnet werden sollen, lässt allerdings vermuten, dass Ofers private Firmen sich einverstanden erklärt haben, auf das Recht zu verzichten, im Jahr 2016 die Schuld in Zim-Aktien zu konvertieren.
Eine Umwandlung der Schuld in Aktien hätte in erster Linie die Israel Corporation selber angegriffen. Zudem wäre dieser Schritt auch für die Familie Ofer schlecht gewesen. Für Zim dagegen, die nun mit ihren Schulden sitzen bleibt, wäre der Schritt eine Erleichterung gewesen, obwohl das Unternehmen den Ofers frühestens im Jahre 2016 zahlen muss.
Warum sollten die Ofers auf die Umwandlung der ihnen geschuldeten Gelder in Zim-Aktien verzichten? Vor allem, um die institutionellen Anleger zu beschwichtigen, die behauptet haben, das Schuldenarrangement würde in erster Linie den Ofers zugute kommen, weil die privaten Gesellschaften der Familie auf diese Weise die Kontrolle von Zim von der Israel Corporation übernehmen könnten.
Zusammenfassend: Die Ofers haben den Weg für die Aktionäre der Israel Corporation geebnet, einer finanziellen Unterstützung für Zim zuzustimmen. Und die Schifffahrtgesellschaft ihrerseits wird fortfahren können, für die Schiffe zu zahlen, die sie von den Ofers und anderen Investoren geleast hat.


