Jubiläum und Feierlichkeiten
Offiziell gegründet wurde der heutige Israelitische Frauenverein Basel im Jahr 1834 unter dem Namen Wohltätigkeitsverein der Frauen der Israelitischen Gemeinde. Auch wenn heute keine historische Urkunde aus dieser Zeit mehr existiert, so ist es doch erwiesen, dass der Frauenverein nicht nur der älteste Frauenverein der Stadt Basel ist, sondern der gesamten Schweiz. Die ersten archivierten Urkunden des Frauenvereins stammen aus dem Jahr 1879. In den damaligen Vereinsstatuten sind die Ziele der Institution sowie die Aufgaben und Pflichten der Mitglieder aufgeführt. Die Fürsorge stand von Beginn an klar im Vordergrund, und so ist zu lesen, dass es sich der Verein zur Aufgabe machte, «seinen Mitgliedern in Krankheits- oder Todesfällen, in Armut und Unglück mit Rat und Tat hilfreich beizustehen». Es kann davon ausgegangen werden, dass zur damaligen Zeit alle Frauen in der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) auch Mitglied im Frauenverein waren, da sie damals nur wenige Kontakte ausserhalb der Gemeinde und ihrer Familien pflegten. Die Mitgliederzahl im Jahr 1889 betrug 227, und der Institution kam weitaus mehr als nur eine karitative Bedeutung zu: So war der Israelitische Frauenverein im Jahr 1916 ein Gründungsmitglied der Frauenzentrale, einer Dachorganisation für Frauenvereine. Wenig später, 1922, wurde der Verein in den Bund Schweizerischer Frauenvereine aufgenommen und hat später den Bund der Israelitischen Frauenvereine der Schweiz mitbegründet.
Von Frauen für Frauen
Heute – 175 Jahre nach der Gründung – ist der Israelitische Frauenverein mit seinen Co-Präsidentinnen Nicole Goldstein und Esther Rothschild nach wie vor sehr aktiv und zählt rund 400 Mitglieder. Alle Frauen im Vorstand engagieren sich ehrenamtlich für die Angelegenheiten des Vereins, der nach wie vor karitativ und
sozial, nicht aber politisch ausgerichtet ist. Das Angebot des Frauenvereins umfasst zahlreiche Bereiche des alltäglichen Lebens: So gewährt der Verein seinen Mitgliedern Unterstützung in finanziellen Notlagen. Ein Besucherdienst betreut regelmässig Kranke und alleinstehende Frauen im Spital oder zu Hause. Bei Bedarf werden koschere Mahlzeiten nach Hause liefert. In der vergangenen Woche wurden gemäss Esther Rothschild rund 20 Mahlzeiten verteilt. Eine wichtige Rolle nehmen auch die Frauen der Chewra Kadischa wahr, die ihre Aufgabe bei einem Todesfall pietätvoll erfüllen.
Ausserdem finden gemeinsame Unternehmungen, die teilweise wöchentlich angeboten werden, statt. So wird jeden Montagnachmittag eine interessante Wanderung für Männer und Frauen unter fachkundiger Leitung angeboten. Da die Organisatorin der wöchentlichen Wanderungen in den Ruhestand tritt, wird für diese Aufgabe eine Nachfolgerin gesucht. «Wir hoffen sehr, jemanden aus unserer Mitte für diese interessante Aktivität gewinnen zu können», betont Rothschild. Der Dienstagclub bietet zudem ein abwechslungsreiches kulturelles Programm, und am Mittwoch wird mit
einer ausgebildeten qualifizierten Turnlehrerin trainiert. Mit diesen Einrich-
tungen und Aktivitäten stellt der Israelitische Frauenverein heute – wie auch schon früher – eine wichtige Stütze der IGB dar.
Gemeinsam in die Zukunft
Wie in anderen Vereinen und Organisationen sorgt sich der Israelitische Frauenverein sowohl um den Beitritt neuer Mitarbeiterinnen in den Vorstand, die ihre Zeit und ihr Know-how in die Arbeit des Frauenvereins einbringen könnten, wie auch um Neumitglieder. Immer weniger Frauen zeigen heute offenbar die Bereitschaft, sich ehrenamtlich für einen Verein zu engagieren. Esther Rothschild, die seit zehn Jahren als eine der Co-Präsidentinnen fungiert und sich mit grossem Elan einsetzt, und Nicole Goldstein, die sie seit ein paar Jahren tatkräftig unterstützt, hoffen sehr, dass sich interessierte Frauen melden werden, die im Frauenverein Freiwilligenarbeit leisten möchten. Im Gespräch mit beiden Co-Präsidentinnen kommt immer wieder zum Ausdruck, was auch im aktuellen Prospekt des Frauenvereins geschrieben steht: «Die Arbeit in der Gemeinschaft und für die Gemeinschaft bringt für beide Seiten eine tiefe Zufriedenheit, für die, die diese Arbeit ehrenamtlich tun, und für diejenigen, denen sie zugutekommt.» Der Verein finanziert sich und seine Aktivitäten ausschliesslich aus Spenden und Mitgliederbeiträgen.
Grosse Jubiläumsfeier
Zum Jubiläum organisiert ein vierköpfiger Ausschuss aus dem Vorstand am Sonntag, 1. November, einen grossen Anlass im L’Entrée in Basel, zu dem alle Interessierten eingeladen sind, die mit ihrer Teilnahme ihre Sympathie für die sozialen Tätigkeiten des Israelitischen Frauenvereins bekunden möchten. Neben dem Diner, das durch das Restaurant Topas ausgerichtet wird, und musikalischer Unterhaltung durch Michael Heitzler und Christian Gutfleisch wird Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Festansprache halten. Des Weiteren werden Grussworte von Christoph Eymann, Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt, Urs Wüthrich-Pelloli, Regierungspräsident des Kantons Basel-Landschaft, Guy Rueff, Präsident der IGB, und Vera Kronenberg, Ehrenmitglied im Bund Schweizerischer Jüdischer Frauenorganisationen, an die Festgemeinde gerichtet werden. «Wir freuen uns schon jetzt sehr auf den Anlass», sagen Rothschild und Goldstein, die beide nicht nur voller Stolz in die Vergangenheit, sondern auch mit viel Zuversicht in die Zukunft des Israelitischen Frauenvereins Basel blicken.
Sonntag, 1. November, 18.00 Uhr, L’Entrée, Halle 5, Riehenring 118, Basel. Preis pro Person 48 Franken. Anmeldung bis 15. Oktober an Hanny Sobol, Birmannsgasse 14, 4055 Basel.


