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11. September 2009, 9. Jahrgang, Ausgabe 37 Ausgabe: Nr. 37 » September 10, 2009

Träumt Rangoon von der Atombombe?

von Yossi Melman, September 10, 2009
Gemäss einem neuen Bericht versucht die Militärjunta von Burma, mit der Hilfe Nordkoreas in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen.
ARBEITERINNEN AUF EINEM BURMESISCHEN REISFELD Strebt die Junta nach einer Atombombe?

Die Militärjunta, die Burma seit 1988 mit eiserner Faust regiert – vorher hatte der autokratische General Ne Win seit 1962 die Kontrolle ausgeübt –, hat in jüngster Zeit international wieder vermehrt für Schlagzeilen gesorgt. Die Grausamkeit des Regimes wurde im Mai 2008 besonders deutlich sichtbar, als sich die Generäle weigerten, internationale humanitäre Hilfe für die Überlebenden des Zyklons Nargis zuzulassen. Bei dem Unwetter kamen 50 000 Menschen ums Leben, 80 000 wurden verletzt und weitere Zehntausende obdachlos.
Die Aufmerksamkeit der westlichen Medien, aber auch der südostasiatischen Nachbarn von Burma, gelten aber auch dem Kampf um die Freilassung von Aung San Suu Kyi, der Führerin der Nationaldemokratischen Liga und Trägerin des Friedensnobelpreises. Erst kürzlich ist sie von einem Gericht erneut zu drei Jahren Hausarrest verurteilt worden, allerdings wurde das Urteil schliesslich auf anderthalb Jahre reduziert.
In den letzten Wochen haben sich die Medien aber aus einem anderen Grund um Burma gekümmert: Es besteht der Verdacht, dass das Land insgeheim daran arbeitet, mit Hilfe Nordkoreas Atomwaffen zu entwickeln. US-Aussenministerin Hillary Clinton zeigte sich bei einem Besuch in Thailand besorgt angesichts der Stärkung der Kontakte zwischen den beiden Nationen. «Wir machen uns Sorgen über den Transfer von Nukleartechnologie und anderer gefährlicher Waffen», sagte Clinton in Anspielung auf die mögliche Lieferung nordkoreanischer Raketen an Burma. Diese Erklärung steht auch im Zusammenhang mit der Überwachung eines nordkoreanischen Frachtschiffs, das gemäss Vermutungen von Geheimdiensten mit Bestandteilen für nukleare Anlagen beladen in Richtung Burma unterwegs war. Tatsächlich kam das Schiff aber nie in Burma an, und die Junta betonte, es habe gar nicht dort anlegen sollen.

Geheime Arbeiten 
an einem Atomreaktor?

Ein gross aufgemachter Bericht, der in Australien publiziert wurde, sprach schon vorher von Hinweisen, dass die beiden international geächteten Staaten im Nuklearbereich zusammenspannen würden. Burma baue mit der Unterstützung nordkoreanischer Experten und entsprechender Ausrüstung insgeheim an einem Atomreaktor und einer Einrichtung zur Spaltung von Plutonium, was die Produktion von Atomwaffen ermöglichen würde.
Die Autoren des Berichts sind Desmond Ball von der National University of Australia und der in Thailand domizilierte irisch-australische Journalist Phil Thornton. Die Autoren stützen ihre Behauptungen auf Aussagen von zwei burmesischen Deserteuren. Einer der beiden hatte als Offizier in einem geheimen Regiment gedient, das aus in Russland ausgebildeten Nukleartechnikern und Ingenieuren bestand. 2007 unterzeichneten Moskau und Burma ein nukleares Kooperationsabkommen, dem zufolge Russland der Junta einen kleinen Reaktor zu Forschungszwecken liefern würde, der mit leichtem Wasser arbeitet. Nach Aussagen des Deserteurs plante Burma die Entsendung von rund 1000 Experten zu weiteren Studien und zu Ausbildungszwecken in russische Atomeinrichtungen. Im Westen fürchtet man, dass das Regime unter dem Deckmantel dieser für zivile Zwecke gedachten Kooperation, die den internationalen Abkommen entspricht, versuchen wird, sich das Knowhow für die Entwicklung eines für militärische Zwecke ausgerichteten geheimen Atomprogramms anzueignen. Das wäre eine burmesische Version dessen, was andere Staaten wie Nordkorea, Iran und Syrien vor noch nicht allzu langer Zeit, und Indien sowie Pakistan und laut ausländischen Quellen auch Israel schon vor längerer Zeit getan haben.
Gemäss dem Bericht behauptet der Deserteur, dass nordkoreanische Experten in der Anlage zur Anreicherung von Uran bei Thabeik Kyin arbeiteten, während Burma im Gegenzug Nordkorea und Iran chemisch behandeltes Uran verkaufe.
Bei der zweiten Quelle handelt es sich um einen ehemaligen hohen Beamter in der Htoo-Trading-Gesellschaft. Diese Firma gilt als Arm der Regierung in Rangoon für die Kooperation mit Russland und Nordkorea. Gemäss dem Bericht lieferte dieser Deserteur vor seinem Tod 2008 detaillierte Informationen über die Aktivitäten der Firma. Laut Zitaten im «Sydney Morning Herald» und in anderen Medien bezeichnete der Informant die Erklärung der burmesischen Regierung von Burma, sie arbeite lediglich an einem zivilen Nuklearprogramm, als «Unsinn». Die Aussage der Generäle, das Atomprogramm ziele darauf ab, medizinische Isotope für das staatliche Gesundheitswesen herzustellen, wird allgemein angezweifelt. In einem Land, in dem oft der Strom für die Krankenhäuser fehlt, bestehe kein Bedarf für derartige Verfahren.

Ist Syrien involviert?

Auch David Albright, der Leiter des Instituts für Wissenschaft und Internationale Sicherheit in Washington, das auf Beobachtung der weltweiten Verbreitung von Nukleartechnologie spezialisiert ist, lieferte kürzlich Hinweise, dass das burmesische Regime offenbar daran ist, sich militärisch-nukleare Technologie anzueignen. Gemäss Informationen, die Albright auf der Website seines Instituts veröffentlicht hat, haben hohe Offizielle der nordkoreanischen Handelsgesellschaft Namchongang Handels-Kooperation unlängst Burma besucht. Westliche Staaten haben Sanktionen gegen diese nordkoreanische Firma verhängt und den Handel mit ihr untersagt. Die Tatsache, dass die Firma eine Filiale in Damaskus unterhält, nährt den Verdacht, dass die syrische Regierung ebenfalls an der Entwicklung nuklearer Waffen interessiert ist und dass die angeblich im September 2007 von israelischen Flugzeugen bombardierte Atominstallation mit nordkoreanischer Hilfe errichtet wurde.
Auch israelische Experten verfolgen die Berichte über das Atomprogramm von Burma mit Interesse, aber auch mit Misstrauen. Vor allem äussert man in Jerusalem Vorbehalte an der Zuverlässigkeit der beiden Deserteure, da es ausser deren Aussagen keine klaren Indizien gibt.  





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