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11. September 2009, 9. Jahrgang, Ausgabe 37 Ausgabe: Nr. 37 » September 10, 2009

Mit Power gegen «Gamma»

von Gisela Blau, September 10, 2009
Samuel Dubno engagiert sich in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich und als Grünliberaler auch in der Stadtzürcher Politik.

Mit jüdischen Themen befasst sich Samuel Dubno als Delegierter des Vorstands der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) und dessen Beauftragter für Kommunikation. Ganz andere Öffentlichkeitsarbeit leistet der Betriebsökonom als Vizepräsident der Grünliberalen Partei (glp) der Zürcher Stadtkreise 1 und 2. Möglicherweise wird es dank ihm nächstes Jahr wieder einmal ein jüdisches Mitglied des Gemeinderats aus diesem Wahlbezirk geben.

Erinnerung an die Fichenaffäre

So kurz vor dem Abstimmungstermin vom 27. September ist «Gamma» für Dubno das Alpha und Omega des ausserjüdischen Engagements. «Gamma» ist umstritten, denn diesen Namen soll eine Datenbank tragen, in der, wenn sie von den Stimmbürgern angenommen werden sollte, durch die Stadtpolizei Leute fichiert werden sollen, die vielleicht einmal im Fussballstadion Gewalt anwenden könnten. «Das heisst nichts anderes als die Registrierung unschuldiger Menschen, die noch nie eine Gewalttat begangen haben», erklärt Samuel Dubno. «Für die echten Schläger gibt es glücklicherweise die nationale Hooligan-Datenbank. Dafür bin ich dankbar, denn es ist unbestritten, dass es im Stadion Gewalt gibt. Auch Bilder von Überwachungskameras, die Schläger zeigen, sollen zur Identifizierung unbedingt publik gemacht werden. Aber unsere Polizei will präventiv Leute registrieren, die sich noch nie etwas zuschulden kommen liessen.»
Samuel Dubno ist jung, aber er kann sich gut an die berühmt-berüchtigte Fichenaffäre erinnern: Ende der achtziger Jahre wurde bekannt, dass die Bundesanwaltschaft heimlich Karteien über mehr als 900 000 in der Schweiz lebende Menschen führte, sogar über den damaligen Justizminister Arnold Koller. Sein Eintrag war so läppisch wie viele andere auch, die über völlig Unschuldige zusammengeschustert worden waren: Er bestand aus einem Zeitungsartikel im «Bund», in dem mitgeteilt wurde, dass Koller als Nachfolger der glücklosen Elisabeth Kopp ins Justiz- und Polizeidepartement wechsle. Er nahm es damals nicht tragisch, obwohl dieser unerhörte Vorgang die provinziell-paranoide Mentalität der Fahnder prächtig illustrierte. Wichtige Zuträger sollen die Mannen des Stadtzürcher Kriminalkommissariats 3 gewesen sein. Ihnen war es wohl zu verdanken, dass der legendäre Zürcher Buchhändler Theo Pinkus die dickste Fiche von allen hatte. Die Aufklärung der Affäre ebnete Moritz Leuenberger später den Weg in den Bundesrat.

Sicherheit ist Priorität

«So weit darf es nie mehr kommen», erklärt Samuel Dubno mit grosser Überzeugung seine Hauptmotivation. Eine präventive Datenbank der Polizei soll es insgeheim schon lange geben, aber Dubno und ein grosses Nein-Komitee bekämpfen die Legitimation durch die Stimmbürger für einen Generalverdacht gegen Unbeteiligte. Die Aktivitäten der Behörden gegen die wirklichen Hooligans sind ihm dagegen ein Anliegen: Er löst jeweils eine Saisonkarte für die Spiele des FC Zürich, und seine beiden Söhne (heute elf und sieben Jahre alt) begleiten ihn oft ins Stadion. «Ihre Sicherheit ist mir sehr wichtig. Aber die erreichen wir mit ‹Gamma› nicht.»   






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