«Der Westen muss Druck ausüben»
Wenn Mordechai Kedar am kommenden Donnerstag zum Thema «Iran: Tödliche Bedrohung oder viel Lärm um nichts?» referiert, so ist seine Antwort auf diese Frage schon nach kurzer Zeit klar: Die tödliche Bedrohung ist vorhanden – und zwar nicht nur für Israel, sondern für die gesamte Welt. Sie ist aber nicht unausweichlich, da es für Kedar einen Weg gibt, den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad zur Vernunft zu bringen – sollte dieser Weg aber nicht eingeschlagen werden, so müsse man sich künftig, so der Professor gegenüber tachles, an eine ganz neue Realität gewöhnen: «Iran hat die Atombombe und diese kann jedes Ziel auf dieser Erde treffen.»
Ein einschätzbarer Diktator
Auf die Frage, wie lange es dauern werde, bis diese «neue Realität» eintreffe, sagt Kedar: «Ich habe auch keine Hinweise darauf, wann die Iraner ihre Mission erfüllt haben werden. Die Medien bringen Informationen, die wahr, falsch oder sogar bewusste Täuschungen sein können.» Glasklar sei für ihn aber die Tatsache, «dass die Iraner Tag und Nacht daran arbeiten, die Atombombe zu produzieren, und diese Bombe auch so installieren werden, dass sie jeden Punkt auf dem Globus treffen kann.» Seiner Ansicht nach sei das Ziel der Iraner, die Bombe von einem U-Boot aus zu starten, das bereits erfolgreich entwickelt worden sei.
Die Menschen – und eben nicht nur die Juden in aller Welt – müssten Ahmadinejad demnach «sehr, sehr ernst» nehmen, wobei der Vorteil sei, dass er – im Gegensatz zu anderen Diktatoren – durchaus einschätzbar sei. Kedar betont: «Die schlechte Seite an Ahmadinejad ist, dass er wirklich denkt, was er sagt – die gute Seite wiederum ist, dass er sagt, was er denkt.» Auf diese Weise sei sich die ganze Welt – «abgesehen vom amerikanischen Präsidenten Barack Obama» – der Gefahr bewusst, so der renommierte Publizist.
Die einzige Chance
Wenn die Welt weiterhin «schlafwandle», fährt Kedar fort, dann werde sie eines Morgens aufwachen und mit der Situa-
tion konfrontiert sein, dass Iran sowohl London als auch Washington, Sydney und Tokio mit einem U-Boot mit Nuklearwaffen an Bord bedrohe. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer solchen Szenerie extrem unwahrscheinlich sei, so sei es doch unverantwortlich von der aufgeklärten Welt, eine solche überhaupt zuzulassen. «Die einzige Chance», so Kedar, «besteht darin, das eine vereinigte Front westlicher Staaten das iranische Regime zwingt, sich zwischen dem Atomprogramm und dem Überleben zu entscheiden.» Sollte es der westlichen Welt gelingen, Ajatollah Ali Khamenei davon zu überzeugen, dass dieses Ultimatum ernst gemeint sei und definitiv ausgeführt würde, so würde dieser das Überleben wählen und seine Nuklearpläne begraben: «Khamenei ist nicht verrückt und versteht das Wesen der Bedrohung sehr wohl», so Kedar.
An den Erfolg eines möglichen Boykotts seitens der EU glaubt der Islam-Kenner nicht, da Deutschland, Frankreich, Italien und andere EU-Staaten bereits grosse Investitionen in Iran getätigt hätten und diese Investitionen ihnen vom iranischen Regime genommen werden könnten, sollte es
einen europäischen Boykott gegen Iran geben. Abgesehen davon würden weder China noch Russland irgendetwas gegen Iran unternehmen.
Auch die Macht innerer Kräfte im Land sieht Kedar eher kritisch: «Ein Regime, das unter öffentlicher Sanktionierung steht, kann seinen Diktator kaum stürzen. Die iranische Regierung wird sich opfern und weitermachen, egal wie gross die Zahl der Hungernden und Kranken innerhalb der Bevölkerung ist – nur um sich aufrechtzuerhalten.» Ein möglicher Sturz des iranischen Regimes von innen würde noch sehr viel «Zeit, Schweiss, Blut und Tränen» kosten, da die Regierung bereits ihren Beschluss unter Beweis gestellt habe, die Menschenrechtsbewegung zu unterdrücken und dabei ein hohes Mass an Gewalt anzuwenden. Daher scheint es für Kedar nur möglich, das Regime durch ein gemeinsames Ultimatum der westlichen Staaten zu stürzen und die Welt so vor der immensen Bedrohung der iranischen Atombombe zu schützen.
Ein Dritter Weltkrieg?
Auf die Frage nach der Konsequenz eines möglichen Präventionsangriffs Israels gegen Iran zeigt sich Kedar äussert kritisch, da dies aus seiner Sicht «verheerend für alle Parteien» wäre. Ein solches Vorgehen Israels würde den Golf, Iran, wahrscheinlich auch Europa und natürlich Israel selbst zutiefst treffen, und die Folgen wäre fatal: «Ein Präventionsangriff könnte in den Dritten Weltkrieg abgleiten», so Kedars pessimistische und – wie er selbst überzeugt ist – realistische Ansicht.
Donnerstag, 10. September, 20.00 Uhr, Israelitische Gemeinde, Leimenstrasse 24, Basel.


