Weisser Rauch lässt auf sich warten
Diese Woche wurde Gilad Shalit 23 Jahre alt, es war der vierte Geburtstag, den er im Gazastreifen «feiern» musste. Auch wenn der weisse Rauch noch aus keinem der Verhandlungszimmer in London, Berlin oder Jerusalem
aufsteigt, deutet vieles darauf hin, dass in die Fragen des Baustopps in den Gebieten und der Heimkehr Gilad Shalits Bewegung kommt.Am Mittwoch stand ein Treffen in London zwischen Premier Binyamin Netanyahu und dem amerikanischen Sonderbotschafter George Mitchell auf dem Programm. Bei dieser Unterredung dürfte die Frage des zumindest zeitweisen israelischen Baustopps in den Siedlungen im Zentrum gestanden haben, wobei israelische Medien im Vorfeld des Gesprächs von einem vorsichtigen Optimismus der Amerikaner berichteten. Die israelische Seite versucht demgegenüber, möglichst viele der Felle zu retten, die mit zunehmendem Tempo drohen davonzuschwimmen. So rückte Netanyahu in London einmal mehr die Forderung an die Palästinenser in den Vordergrund, Israel als den «Nationalstaat der Juden» anzuerkennen. Diese Forderung, welche die Palästinenser, wie sie selber immer wieder sagen, nichts angeht, wird von Kritikern des israelischen Vorgehens als das nur notdürftig vertuschte Bemühen Netanyahus gesehen, jeden wirklichen Fortschritt in den Verhandlungen im Keime zu ersticken.
Während Israels Entscheidungsträger den Übergang von vagen Zusagen in der Siedlungsfrage zu konkreten Massnahmen – in erster Linie denkt man hier an die längst schon versprochene Räumung unbewilligter Aussenposten – nach Möglichkeit hinauszuzögern trachten, geriet dieser Tage der von Präsident Shimon Peres vorgelegte Plan für die baldige Errichtung eines Palästinenserstaates mit provisorischen Grenzen erneut ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Jetzt sollen die Amerikaner den Plan, der mit Garantien und einem konkreten Terminplan versehen werden soll, unter die Lupe nehmen. Die Palästinenser sind skeptisch, fürchten sie doch, dass das Provisorium nur allzu leicht zur Dauerlösung werden könnte. Was Gilad Shalit betrifft, sei angemerkt, dass am Mittwoch Hadas, die 19-jährige Schwester des Entführten, ihren Militärdienst angetreten hat. Darüber hinaus findet der vorsichtige Optimismus bezüglich einer Heimkehr des Soldaten vor allem in der Tatsache Nahrung, dass Deutschland sein Engagement in den Verhandlungen sichtlich intensiviert. So hat der Geheimdienstler Ernst Urlau dieser Tage Gespräche in Israel und Ägypten geführt, und am Rande werden auch die engen Beziehungen zwischen Berlin und Teheran
erwähnt, die der Suche nach einer Lösung
förderlich sein könnten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprach Netanyahu am Mittwoch in Berlin das Thema Shalit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. [Ju]


