Subway führt die Liste an
Welches ist die grösste koschere Restaurantkette der USA? Mendy’s? Sechs Filialen, sieben, wenn die milchigen und fleischigen Verkaufstände am New Yorker Grand Central Bahnhof mitgezählt werden. Oder Dougie’s? Fünf Filialen in New York und New Jersey; von Nathan’s Famous kann man kaum noch sprechen, denn die Kette hat längst aufgehört, koschere Hot Dogs auf den Markt zu bringen. Der Gewinner ist der Sandwich-Gigant Subway, dessen neunte koschere Filiale soeben im Jüdischen Gemeindezentrum Michael-Ann Russell in North Miami Beach ihren Betrieb aufgenommen hat. Bis Ende des Jahres kommen zwei weitere Koscher-Verpflegungsstätten in Indianapolis und Skokie, Illinois, hinzu, und für 2010 sind fünf weitere Filialen geplant.
Ein «überwältigender Erfolg»
Subway ist nicht die einzige Schnellimbiss-Kette mit koscheren Filialen. Laut Firmensprecher Andrew Mastrangelo hat Dunkin’ Donuts, die weltweit grösste Kette für Kaffee und Backwaren, 33 Koscher-Filialen, vorwiegend in New York. Dort erhält der Gast vegetarische Frühstücks-Sandwiches, aber keine vollen Mahlzeiten. Subway, die weltweit zweitgrösste Fast-Food-Kette, hat sich nicht das Ziel gesetzt, Nummer eins auf dem KoscherMarkt zu werden. Im Hauptquartier in Milford, Connecticut, scheint man sich eher über die Nachricht zu amüsieren. Elf koschere Filialen verblassen natürlich angesichts der rund 22 000 nicht koscheren Subway-Geschäfte in den USA oder den Hunderten von Halal-Subways in England und der arabischen Welt. Dennoch ist es mehr als irgend jemand anderer offeriert. Zudem ist es eine kreative Lösung für jüdische Gemeindezentren, die koscheres Essen anbieten wollen, ohne selber das finanzielle Risiko tragen zu müssen. Einige Zentren ziehen es vor, kein Essen anzubieten, statt die Kaschrutgesetze zu verletzen. «Es gibt nur wenige Gemeindezentren mit erfolgreichen Verpflegungsmöglichkeiten», sagt Eric Koehler, Leiter des
Jewish Community Center (JCC) in Nordvirginia, in dessen Gebäude noch nie Mahlzeiten abgegeben worden sind. «Bei der heutigen Wirtschaftslage macht es keinen Sinn, eine Institution zu führen, die jährlich 20 000–30 000 Dollar Verlust einfährt.» Aus diesem Grund hat das Gemeindezentrum Mandel in Cleveland im Mai 2006 Räumlichkeiten für das erste koschere Subway in den USA vermietet. Als das Zentrum 1986 seine Tore öffnete, bot es koschere Essmöglichkeiten an, doch keine hielt lange durch. Als Michael Hyman 2004 neuer Leiter des Zentrums wurde, schloss er dessen letztes Café, ohne zu wissen, ob er es würde ersetzen können. Da erschien Ghazi Faddoul auf der Szene, ein christlicher Libanese, der in Cleveland schon 100 Subways eröffnet hatte. Mit der Sicherheit einer globalen Restaurant-Kette im Rücken erklärte er sich bereit, es mit koscheren Speisen zu versuchen.
Schinken und Speck wurden von der Menukarte gestrichen, der Käse ist aus Soja, und das Meeresfrüchte-Sandwich ist heute mit einer Krabben-Imitation gefüllt. Zwei Mikrowellen- und Toasteröfen stellen sicher, dass Fisch und Fleisch getrennt bleiben – ein Entgegenkommen an Gäste mit strikten Kaschrut-Anforderungen. Das Restaurant beschäftigt einen Maschgiach (Koscher-Inspektor), und an Samstagen bleiben die Türen geschlossen. «Der Erfolg ist überwältigend», sagt Hyman. Im Juni folgte das JCC von Greater Washington in Rockville diesem Beispiel und eröffnete eine Koscher-Subway-Filiale an der Stelle, an der bisher ein ebenfalls koscherer Dunkin’ Donuts gewirkt hatte. Seither zählt das Zentrum nach den Worten von Direktor Michael Feinstein vielmehr Laufkundschaft als früher, vor allem aus orthodoxen Kreisen. «In der Region Washington gibt es nicht viele koschere Restaurants, weshalb diese Option für die Gemeinde von Vorteil ist», sagt Feinstein. «Für uns ist es zudem positiv, kommen so doch Leute ins Zentrum, die sich sonst hier nie zeigen würden.» Auch das JCC von Miami Beach liess sich von Cleveland inspirieren. Laut Direktor Gary Bomzer verfügt das Zentrum wohl über einen koscheren Caterer, doch nicht über ein eigentliches Restaurant. «Bestandteil einer landesweite Kette zu sein verleiht uns wirkliche Glaubwürdigkeit. Ein Markenname wie Subway steht für viel mehr als nur für eine Tasse Kaffee.»
Ein koschere Herausforderung
Bei den restlichen koscheren Subways handelt es sich um freistehende Läden. Zwei in New York (in Brooklyn und Queens), und einer in Cedarhurst in den Vororten von Long Island sowie je eine Filiale in Los Angeles, Baltimore und Kansas City. Die Filialen in den USA sind die einzigen koscheren Subways. Zwar ging 1992 der erste koschere Subway in Israel auf, doch der Tod des ersten Ma- nagers 2004 bedeutete gleichzeitig auch das Ende der Firma in Israel, die dort zu den besten Zeiten über 23 Filialen verfügte. Subway stützte sich bei der koscheren Herausforderung, wie Firmensprecher Les Winograd erklärt, auf die Erfahrungen mit Halal, dem Angebot für die Muslime. Das erste Halal-Subway-Geschäft nahm seinen Betrieb 1984 in Bahrain auf. Es folgten Filialen in Saudi-Arabien, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Tansania, Sambia und anderen Staaten mit grosser muslimischer Bevölkerung. Alleine in England zählt man fast 60 Halal-Filialen. Koschere Subways sind gemäss Winograd schwieriger zu betreiben. Einige eröffnen und schliessen wieder wie beispielsweise die Filiale von Livingstone, New Jersey, die rund ein Jahr offen blieb, oder die Filiale an der New Yorker Wall Street, die im letzten Winter infolge der Wirtschaftskrise geschlossen wurde. Von den vielen Anfragen potenzieller Pächter, die Winograd nach eigenen Angaben aus anderen Ländern erhält, hat sich bis jetzt keine weiter entwickelt.


