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30. Oktober 2009, kueche Beilage 34 Ausgabe: Nr. 34 » August 20, 2009

Wenn die Zeit still steht

von Hella Elbaum, August 20, 2009
Ein junger Israeli wagte den Schritt in ein in seinem Land relativ unerforschtes Terrain und feiert damit grosse Erfolge. Mit Schweizer Innenleben und hochwertigen Materialien verkaufen sich die Uhren von Itay Noy weltweit.
HANDGEMACHTE KUNSTWERKE Uhrzeit, Datum und der Stadtplan vom Petersplatz in Rom

Der Israeli Itay Noy hat in den vergangenen Jahren grosse Erfolge gefeiert. Der Uhrmacher studierte zunächst an der Bezalel-Kunstakademie in Jerusalem Schmuckdesign und absolvierte danach einen Master-Studiengang in Industriedesign an der Design-Akademie Eindhoven in Holland. Heute entwirft der Designer seine Uhren in einem Dach-Studio am Rothschild-Boulevard in Tel Aviv. Seine Kollektionen verkaufen sich auf der ganzen Welt, demnächst wird eine davon, «fractal», in Deutschland erhältlich sein. Seit 1997 stellt der Künstler ausserdem in diversen Galerien und Museen weltweit aus. Seine bisher bekannteste Ausstellung war «A Second Second», wo sich Noy mit dem Konzept der Zeit in der modernen Welt auseinandersetzte und verschiedene Aspekte unseres Lebens aufzeigte, die er für besonders wichtig hält. Die Ausstellung befasste sich ausserdem mit den Ideen der physischen Zeit sowie der Zeit als komplexes, philosophisches Konzept und Zeit als Erinnerung. Ein Teil der Ausstellung zeigt ein interessantes Projekt: Der Künstler bat Freunde und Verwandte um alte und kaputte Uhren. Er nahm die Uhren auseinander, reparierte sie und ersetze deren Oberflächen mit Bildern der unreparierten Originalmodelle. Das Resultat war eine neue, funktionierende Uhr mit dem äusseren Anschein des Originals. «Es war sehr aufregend für die Besitzer der Uhren», erzählte Noy einem israelischen Fernsehsender an der Eröffnung der Ausstellung. «Beispielsweise war eine der Uhren die Uhr meines Grossvaters. Das gab dem Ganzen noch etwas mehr Bedeutung. Einige der Stücke hatten grossen Wert für die Leute, die sie mir gegeben haben.»

Innovatives Design, beste Qualität

Die fertigen Kollektionen werden nicht nur in Museen und Galerien, sondern auch im Showroom an der Ben-Yehuda-Strasse 231 präsentiert. Dem Betrachter springt sofort ein besonderes Detail ins Auge: Die auf halb vier Uhr versetzte Krone und das dementsprechend nach unten verschobene Datumsfenster sind ein Markenzeichen des Uhrmachers. Jede der 
sieben Kollektionen besteht aus eigens handgefertigten Uhren. In seinem Studio kombiniert der Designer Handarbeit und Mikrotechnologie. Nach der Bearbeitung der verschiedenen Teile wird ein spezieller Lack ins Zifferblatt gegossen und die Einzelteile um ein Schweizer ETA-Kaliber zusammengesetzt. Das Zifferblatt wird von hartem Saphirglas mit hoher Lichtbrechung geschützt, das üblicherweise bei der Herstellung von hochwertigen Uhren verwendet wird. Das Uhrband ist ein speziell angefertigtes, von Hand genähtes, oft gerilltes Rindlederband. Noy legt nicht nur Wert auf die hohe Qualität seiner Uhren, sondern richtet auch ein Augenmerk auf das Design. Auffallend sind geometrische Muster auf dem Zifferblatt. Für die Kollektion City Squares verwendete der Designer Landkarten als Vorlage für das Design der Zifferblätter. Die wohl bekannteste Kollektion des Uhrmachers enthält unter anderem das Modell San Pietro mit den Umrissen des Vatikans auf dem Zifferblatt. Andere Modelle der Kollektion sind mit Ansichten des Hamedina-Platzes in Tel Aviv und der Place d’Etoile in Paris verziert. Alle Modelle sind über die Website von Itay Noy zu bestellen und werden innert zwei bis vier Wochen fertiggestellt. Die Preise der Uhren variieren zwischen 1800 bis 8000 Dollar pro Stück.

Der Lauf des Lebens

In seiner Jugend dachte der junge Noy nicht im Traum daran, mit Uhren einmal so viel Geld zu verdienen. Seine Begeisterung für Design hegte er schon in jungen Jahren, aber die Faszination für Uhren kam erst nach dem Militärdienst mit einem Job als Uhrenverkäufer. «Jeden Tag sah ich so viele Uhren und ich fing an, mich dafür zu interessieren. Mich interessierten sowohl die psychologischen Aspekte als auch das physiologische Funktionieren der Uhr», beschreibt der Uhrmacher den Anfang seiner Leidenschaft. 1996, als Noy an der Bezalel-Akademie zu studieren begann, existierte noch kein Kurs für Uhrdesign, und so musste der junge Noy dieses Feld alleine erforschen. Heute leitet er den Kurs für Uhrdesign am Departement für Schmuck- und Objektdesign der Akademie. Seinen endgültigen Durchbruch nach einer Tätigkeit für die holländische Firma Droog Design verdankt der Uhrmacher jedoch teilweise auch dem amerikanischen Philanthropen Charles Bronfman. Im Jahr 2000 besuchte dieser mit seiner Gattin Andrea eine Ausstellung der Bezalel-Akademie und verliebte sich in eine Uhr. «Sie war anders, innovativ, aber doch simpel», beschreibt Bronfman das Stück. Sofort kaufte er die Uhr, nicht ahnend, dass er sieben Jahre später den Designer mit dem Andrea-M.-Bronfman-Preis für Künste ehren würde, einem nach seiner Frau benannten Kunstpreis. Zufälligerweise wählte ein Komitee aus drei Juroren Noy als Preisträger aus. Die begehrte Auszeichnung verhalf dem Designer zu noch grösserem Erfolg und öffnete ihm das Tor nach Amerika. Noy liebt die Herstellung von Uhren. «Ich mag Uhren, weil sie Takt, Rhythmus und Herz haben», erklärt er. «Wenn sie kaputt sind, muss man ihnen wieder Leben einhauchen. Sie sind mehr als bloss eine Statue oder eine Philosophie, sie enthalten Bewegung. Die Uhr hat ihr eigenes Leben.» 



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