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30. Oktober 2009, kueche Beilage 34 Ausgabe: Nr. 34 » August 20, 2009

Steigende Immobilienpreise im Negev

Arik Mirovsky und Ranit Nahum-Halevy, October 29, 2009
In Israels Süden sind die Immobilienpreise in den vergangenen Monaten massiv gestiegen. Sogar die Stadt Sderot verzeichnet auf einmal Preisanstiege bei Wohnungen und Häusern.
ISRAELS NEGEV-WÜSTE Auch im Süden steigen die Immobilienpreise

Martin Siorno von der Liegenschaftsagentur Meshakim Banegev ist überzeugt: «Der Immobilienmarkt in der Negev-Wüste beginnt aufzublühen. In den meisten Ortschaften des nördlichen Negev hat sich in den letzten Jahren die Zahl der dort lebenden Familien verdoppelt. An zahlreichen Orten befinden sich Schulen und Kindergärten im Bau. Die Immobilienpreise vollziehen diesen Trend nach.»

Im vergangenen Jahrzehnt fielen die Wohnungspreise im Negev und brachen oft richtiggehend zusammen, doch jetzt ändern sich die Dinge. Das ist nicht selbstverständlich, konzentrierte sich der Staat Israel doch jahrelang auf das geografische Zentrum des Landes und erst vor neun Monaten lag die zur Diskussion stehende Region unter Raketenfeuer aus dem Gazastreifen. Jetzt aber blüht die Bautätigkeit in einer Stadt wie Ashkelon, kürzlich noch ein beliebtes Zielobjekt der Hamas, auf wie schon seit Jahren nicht mehr. Und der Immobilienmarkt von Beersheva ist nach langen Jahren der Stagnation zu neuem Leben erwacht. Das führt dazu, dass sich in der Stadt und ihren prestigeträchtigen Satellitenorten wie Meitar, Lehavim und Ofer die Gemüter sichtbar erhellt haben. Die Frage ist natürlich, warum die Preise steigen und warum ausgerechnet jetzt. Viele Leute weisen auf die Fertigstellung des südlichsten Abschnitts der Nord-Süd-Tangente (Autostrasse Nummer 6) hin, welche die Nachfrage für die Region angekurbelt hat. Andere wiederum erwähnen die Investoren, die sich im südlichen Liegenschaftsmarkt engagieren wollen, bevor der neue Komplex militärischer Trainingsbasen («Ir Habahadim») fertig gebaut ist. Das wird ihnen, so hoffen sie, ermöglichen, von der zu erwartenden Preissteigerung zu profitieren. Siorno erwähnt als weiteren Faktor die Produktionsstätte Tara (Milch­wirtschaft), die in Netivot ihre Tore öffnen und 1500 Arbeitnehmer beschäftigen wird.

Wohnungspreise stark gestiegen

Der wichtigste Grund für die Erholung des Marktes im Süden scheint aber die nachhaltige Preissteigerung im Zentrum des Landes zu sein. Immobilienmakler in der Gegend von Beersheva sind guten Mutes. In den meisten Quartieren der Stadt sind die Wohnungspreise drastisch gestiegen und Bauunternehmer, welche die tiefe Rezession und die Preisstürze in der ersten Hälfte des Jahrzehnts überstehen konnten, können nun die Belohnung einkassieren. Wer dem lokalen Markt in den letzten Jahren nur für einen Moment den Rücken zugekehrt hat, wird die neuen Preise nicht wiedererkennen: Eine Vier-Zimmer-Wohnung im Ramot-Viertel von Beersheva, die vor zwei Jahren noch für 520 000 Schekel verkauft wurde, kostet heute 700 000 Schekel oder mehr. Eine FünfZimmer-Gartenwohnung im Quartier Neve Zeev, die vor rund einem Jahr noch für etwa 750 000 Schekel erhältlich war, kostet heute schon über 800 000 Schekel. Für ein Gelände von rund 500 Quadratmetern, das vor zwölf Monaten noch für 267 000 Schekel auf dem Markt war, muss ein potenzieller Käufer heute bereits rund 430 000 Schekel hinblättern, wobei jede Offerte sofort Dutzende von Angeboten auslöst.

Die wachsende Nachfrage erweckt die Geschäftigkeit von Unternehmern der Branche, die zu Beginn des Jahrzehnts Land gekauft, den Baubeginn bis jetzt aber aufgeschoben haben. In den verschiedensten Quartieren von Beersheva wird derzeit der Bau von Hunderten neuer Wohneinheiten in Angriff genommen. Auch die älteren Viertel in der Nähe der Universität vermelden infolge des Investoren-Ansturms aus dem Zentrum des Landes stolze Preissteigerungen. So werden derzeit Zwei-Zimmer-Wohnungen in Vierteln wie Gimmel und Dalet für 250000 Schekel gehandelt, das Doppelte im Vergleich zu noch vor zwei Jahren. Gewisse Kreise halten diese Preissteigerungen für völlig unrealistisch. Der Boom in Beersheva wirkt sich auch auf die Situation in Vororten wie Omer, Lehavim und Meitar aus. «Ein Wohnungsbesitzer in Beersheva, dessen Immobilie während Jahren 500 000 Schekel wert war, kann sie heute für 700 000 Schekel verkaufen, eine Hypothek aufnehmen und in eine bessere Gegend ziehen», meint der Immobilienhändler Yoram Saadon von der Agentur Lehavim. Die Verkäufe von Wohnungen mit Garten sowie die Bodenpreise haben merklich zugenommen. In den letzten drei Jahren sind die Preise für Einfamilienhäuser und zweistöckige Häuser um 25 Prozent gestiegen, während die Bodenpreise sich verdoppelt haben. Ein Gelände von 600 Quadratmetern, das 2006 noch 450 000 Schekel gekostet hat, ist heute für unter eine Million kaum noch zu haben.

Anziehungspunkt Moschawim

Auch Lehavim erfreut sich der höheren Preise. Der Ortsrat und seine rund 6000 Einwohner profitierten kürzlich von zwei wichtigen Veränderungen: Die Bahnstation, die unlängst im westlichen Teil des Ortes in Betrieb genommen wurde, sowie die recht nahe gelegene Autostrasse Nummer 6. Noch 2006 kosteten 250 Quadratmeter grosse Häuser mit Garten auf einem Gelände von etwa 500 Quadratmetern im Durchschnitt 350 000 Schekel. Vor einem Jahr lagen die Preise bereits bei 600 000 Schekel, heute schwanken sie zwischen 700 000 und 750 000 Schekel. In nur drei Monaten sind die Liegenschaftspreise in Lehavim um rund 20 Prozent gestiegen. Ein zweistöckiges Haus etwa, das noch vor einem Jahr für 1,2 bis 1,4 Millionen Schekel zu kaufen gewesen war, ist heute 1,5 bis 1,7 Millionen Schekel wert.

Auch in weiter südlich gelegenen Orten, die bisher nicht als sonderlich attraktiv galten, sind die Preise in Bewegung geraten. In Ofakim etwa kosten Drei-Zimmer-Wohnungen in gemischt säkular-religiösen Vierteln heute 180 000 Schekel, verglichen mit 140 000 noch vor einem Jahr. In Quartieren, die für die ultraorthodoxe Bevölkerung vorgesehen sind, sind die Preise von 180 000 auf 200 000 oder sogar 2 300 000 Schekel gestiegen. Siorno weist darauf hin, dass Investoren, die heute Wohnungen für Preise zwischen 100 000 und 200 000 Schekel suchen, bis nach Yeruham und Dimona im Süden zu gehen bereit sind. «Es gibt kaum eine Ortschaft, in welcher die Preise nicht angezogen hätten», sagt er. Sogar das in der Vergangenheit von Hunderten von palästinensischen Raketen geplagte Sderot erlebt heute einen Preisanstieg, der kurz nach Ende der Operation «Gegossenes Blei» einsetzte. Nach Ansicht von Liegenschaftsmaklern liegen die Preiserhöhungen seit Kriegsende bei rund 20 Prozent. Eine Vier-Zimmer-Wohnung in der als sehr gut geltenden Gegend Neve Rabin kostet heute 350 000 Schekel, während man für Gartenwohnungen der gleichen Grösse gar 440 000 Schekel aufbringen muss. In älteren Vierteln liegen vergleichbare Preise bei 180 000 bis 200 000 Schekel. Vor allem Investoren, die Kauf- oder Mietobjekte für Studenten des Sapir Academic College suchen, bekunden hier Interesse. Auch die Moschawim im Süden sind von der Kaufwelle erfasst worden, wobei hier vor allem junge Käufer auf den Plan treten. Die Preise für landwirtschaftliche Farmen liegen heute zwischen 900 000 und drei Millionen Schekel. «Immobilienmakler drängen in Erwartung weiterer Preissteigerungen mit der Fertigstellung der militärischen Ausbildungsbasen in die Moschawim vor und potenzielle lokale Verkäufer haben die Preise bereits erhöht, obwohl in der Praxis von Käufern noch wenig zu sehen ist», sagt Siorno. Zu den Ortschaften, die am meisten von der neuen Situation profitieren, gehört zweifellos Sde Zvi, unweit der Kreuzung Bet Kama gelegen. Neben dem Bahnhof von Lehavim und der Strasse Nummer 6 spielt hier auch ein Bevölkerungswechsel eine Rolle: Noch vor wenigen Jahren galt Sde Zvi als eigentlicher Misserfolg, die Einwohner waren in der Regel tief verschuldet. Heute wohnen in dem Moschaw vorwiegend jüngere Leute. Auch der 1954 gegründete Moschaw Kelahim westlich von Sde Zvi ist ein Geheimtipp. Die heute dort lebenden rund 100 Familien geniessen einen hohen Lebensstandard und eine gute Bildung. Potenzielle neue Mitglieder müssen zuerst Interviews durchlaufen, bevor sie hierher ziehen können. Die Folge: Bereits gebaute Häuser im Moschaw kosten heute rund 1,2 Millionen Schekel.








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