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30. Oktober 2009, kueche Beilage 34 Ausgabe: Nr. 34 » August 20, 2009

Innovativ und ungeschliffen direkt

von Sima Borkovski, August 20, 2009
Israelisches Design findet immer öfter auch im Ausland Beachtung. Im israelischen Schmelztiegel der Kulturen arbeiten viele einzigartige und originelle Designer.
SCHMUCK VON ORLY NAVE Kraft, verbunden mit Sanftheit

Israelisches Design macht sich einen Namen in der Welt. «Israelisches Design ist erfrischend, topaktuell, innovativ und gewagt», sagt Barbara Shaw, eine Stoffdesignerin, die einen kleinen, trendigen Souvenirladen an der Künstlermeile Nachalat Shiva in Jerusalem führt. «Israelische Designer können sich nicht auf traditionelles Design berufen und darum werden neuartige Materialen auf unerwartete Art und Weise eingesetzt. Israelische Designer erfinden sich neu – es ist ein Mix aus Ost und West, europäische und levantinische Kulturen durchmischen und beeinflussen sich gegenseitig. Was die Inspiration betrifft, so gibt es hier für jeden etwas», fügt sie hinzu. «Ich möchte Teil dieser neuartigen israelischen Designszene sein, aber ich finde auch neue Inspiration in Jerusalem selber. Die Stadt ist ein Schmelztiegel der Religionen und Kulturen», sagt die gebürtige Australierin. Shaw kam mit ihrer Familie in den achtziger Jahren nach Jerusalem, nachdem sie in Australien gelebt und gearbeitet hatte. Ihr Design ist von ihren australischen Wurzeln beeinflusst (vor allem vom australischen Designer Ken Done), aber mehrheitlich widerspiegeln ihre Designs auch die Atmosphäre Israels und Jerusalems: Granatäpfel, Feigen, die sieben Arten und das hebräische Alphabet sind beliebte Motive Shaws. «Ich wollte, dass meine Designs diesen erfrischenden Aspekt von Israels Geist in sich tragen – in meine neuste Linie werde ich Jaffa-Orangen integrieren, das Symbol, wofür Israel so bekannt ist. Ausserdem ist auch das hebräische Alphabet so einzigartig und ich nehme wahnsinnig gerne hebräische Buchstaben in meine Designs auf. Der Zauber kommt aus der Kombination von Neu und Alt, zum Beispiel jiddische Sprichwörter, die ich auf meine Produkte drucken lasse. Die Leute schätzen Qualität und mögen es, dass meine Produkte in Jerusalem entworfen und hergestellt werden. Das ist alles Teil meiner künstlerischen Integrität», fasst sie zusammen.

Jedes Stück ist einzigartig

Israelischer Schmuck hat sich wegen seinem innovativen und modischen Design einen Namen gemacht. Handgefertigter Schmuck aus Israel wird an internationalen Messen präsentiert; es besteht weltweit steigendes Interesse an qualitativ hochwertigem und handgefertigtem Schmuck.
Von ihrem Laden in einer Gasse im Neve-Zedek-Quartier in Tel Aviv aus verkauft Schmuckdesignerin Orly Nave ihre einzigartigen Kreationen an exklusive Geschäfte auf der ganzen Welt. Nave kam durch Zufall vor 18 Jahren zum Schmuckdesign, als sie mit ihrem zweiten Sohn schwanger war. «Ich arbeitete schon immer gerne mit den Händen und als mir der Arzt während der Schwangerschaft Ruhe verordnete, suchte ich etwas, das ich machen könnte. Ich hatte Glück und fand einen wundervollen Lehrer, der mich in das Schmuckdesign einführte. Der Rest ist Geschichte», erzählt sie lächelnd. «Ich arbeite vor allem gerne mit purem Gold, wegen seiner speziellen Farbe und Beschaffenheit. Gold ist das Symbol der Kraft, verbunden mit Sanftheit», erklärt Nave. «Meine Kreationen sind alle handgemacht und ich lege Wert auf Genauigkeit. Jedes Stück hat seinen eigenen Charakter. Wenn ich zum Beispiel Ohrringe designe, dann sieht jeder wieder etwas anders aus als der andere. Ich kombiniere auch gerne Edel- und Halbedelsteine mit Gold oder Silber», sagt Nave. Sie lebt in Srigim, einem Moschaw in einem grünen Tal südlich von Beit Shemesh. Die Gegend, bekannt auch als die «israelische Toskana», steht in krassem Gegensatz zur lebendigen und trendigen Stadt Tel Aviv, wo Naves Laden steht. «Ich liebe die Ruhe von Srigim, aber ich brauche auch das Chaos von Tel Aviv», sagt sie. «Die alten Steinhäuser in Neve Zedek, die Nähe zum Meer und die Geschichte des Viertels inspirieren mich. Neve Zedek erinnert an das Tel Aviv von einst.» Naves Designs sind beeinflusst von der Umgebung, in der sie entstehen. «In Tel Aviv verwende ich kraftvollere und energetischere Steine für meine Kreationen wie zum Beispiel Almandin. In Srigim setze ich wiederum sanftere Steine wie den Labradorit in meinen Schmuck.» Nave bezeichnet ihren Schmuck als «sehr israelisch: eine Kombination aus rau und ungeschliffen, aber doch auch zart und weich». Die Designerin integriert auch jüdische Symbolik in ihre Kreationen. «Ich habe drei Jahre in Japan gelebt und bin um die Welt gereist, aber ich habe immer gewusst, dass ich nur hier, in diesem Land, kreativ arbeiten kann.»

Design ist das neue Hightech

Das Ehepaar Or und Idit Bellinky entwerfen unter dem Label Bellinky Taschen, Accessoires und neu auch Schuhe. Ihre Designs verfolgen jeweils eine klare konzeptuelle Linie, die sich jede Saison ändert. Ihre Sahara-Linie zeichnete sich durch Wüstenmotive aus – sie wählten typische Wüstenfarben und spezielle Materialien für ihre Taschen. Bis vor Kurzem arbeiteten die beiden in Jerusalem, weil sie sich von anderen Designern abheben wollten. Kürzlich sind sie aber doch nach Tel Aviv gezogen. «Früher passte es uns, in Jerusalem zu sein und so unsere eigene Identität zu bewahren, aber heute fühlen wir uns stark genug, zwischen all den anderen Designern in Tel Aviv zu bestehen», sagt Or Bellinky. «Für mich ist israelisches Design das neue Hightech. Es gibt so viele neue und talentierte israelische Designer, die im Ausland Karriere machen. Ich denke, israelisches Design ist so erfolgreich, weil es so direkt und ehrlich ist. Die Atmosphäre, in der wir hier Leben, die ständigen Konflikte, Themen wie Leben und Tod haben sicherlich einen Einfluss auf die hiesige Designszene. Es ist ein Land der Gegensätze und die Leute sind sehr warm und herzlich. Das setzt sich in den Designs nieder, ist die Antriebskraft von neuen Kreationen. Die Menschen hier sind unseren Kreationen gegenüber nie gleichgültig und sagen uns ganz ehrlich, was sie denken.» Weiter erklärt er: «Unser Ziel ist es nicht, neue Technologien auszuprobieren oder neue Formen. Uns geht es vielmehr um einzigartige Stoffe und deren Beschaffenheit. Wir haben keine Angst, neue, unkonventionelle Designs auszuprobieren, auch wenn uns Kollegen sagen, unsere Produkte seien nicht kommerziell. Wir arbeiten in einem Graubereich zwischen Innovation und Kommerz. Im Ausland kriegen wir viel positives Feedback auf unsere Designs.» Bellinky will künftig vermehrt exportieren und neue Märkte im Ausland erschliessen.





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