Ein Traum wird wahr
Es war ein langer Weg, bis das «Friedenshaus» des Peres Center for Peace in Yafo endlich stand – eine unsichere Finanzierung und die Suche nach einem geeigneten Gelände verzögerten den Baubeginn. Heute, zehn Jahre nach der ersten Idee, steht das Gebäude kurz vor der Vollendung. Das Gelände, auf dem der moderne Neubau zu stehen gekommen ist, gehört der Stadt Tel Aviv-Yafo, das Peres Center hat es für symbolische 50 Jahre von der Stadt gepachtet.
1996 gründete Shimon Peres das Peres Center for Peace. Er hatte kurz zuvor zusammen mit Yasser Arafat und Itzhak Rabin den Friedensnobelpreis erhalten und ihm schwebte die Vision vor, eine «NGO zu gründen, die durch friedensfördernde soziale und wirtschaftliche Projekte die Israeli und ihre Nachbarn zusammenbring». In den vergangenen 13 Jahren war die Organisation in provisorischen Räumlichkeiten in Tel Aviv untergebracht. Nun ist der Neubau des Peres Center Ende dieses Jahres endlich bezugsbereit.
Der italienische Architekt Massimiliano Fuksas hat den einzigartigen Neubau zusammen mit seinem israelischen Kollegen Yoav Messer entworfen. Die ersten Skizzen sind über zehn Jahre alt. Fuksas hatte für die Architektur-Biennale in Venedig im Jahr 2000 ein Modell auf 50 Quadratmetern erstellt. Später entwickelten er daraus die definitiven Pläne für das Zentrum.
Das «Friedenshaus» liegt am Südende der Tel Aviver Strandpromenade, im Quartier Ajami an der Grenze zwischen Yafo und Bat Jam. Die Gegend ist mit ihrer unverbauten Meerespromenade einzigartig. Es ist ein Wohnquartier Yafos, in dem Juden und Araber nebeneinander leben, ein idealer Ort für die Umsetzung von Peres’ Vision. «Die Herausforderung war», so der verantwortliche israelische Architekt Yoav Messer, «diesen einmaligen Ort nicht zu verbauen, sondern das Gebäude sanft in die Landschaft einfliesssen zu lassen und die Interessen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu bewahren». Gleich angrenzend an das Gebäude liegt ein christlich-arabischer Friedhof, unten am Strand ziehen Reiter auf ihren Pferden vorbei, die Fischer tuckern mit ihrer Tageseinnahme zurück.
Der futuristische rechteckige Bau besteht aus Dutzenden Schichten von grünem Zement und Glas, 800 verschiedene Teile sind es insgesamt. Die Schichten sollen symbolisch für die Abschnitte der Geschichte stehen, für die Abschnitte des Lebens, wie Yoav Messer erklärt. Das Gebäude ist von allen Seiten transparent, durch die Glasschichten fällt das Licht ins Innere des Gebäudes, womit sich eine Menge Strom sparen lässt. Auch kurz vor Sonnenuntergang lassen die Glasschichten genug Tageslicht herein, dass kein künstliches Licht nötig ist.
Ein Haus für die Öffentlichkeit
Im Inneren des Gebäudes stechen die grünen Betonplatten zickzackförmig in die Räume hinein, es gibt keine glatten Wände, nur die eckigen Betonmauern oder transparente Glaswände, die den Blick direkt zum Wasser führen. «Wir hatten ziemlich freie Hand bei der Gestaltung des Gebäudes. Das Peres Center lebt eine offene Philosophie und steht für Transparenz. Wir haben versucht, das in der Architektur umzusetzen», so Yoav Messer. Die gesamten Büroräume in den oberen Stockwerken sind verglast und völlig transparent. Einzig Glaswände trennen die einzelnen Zimmer von einander. Das Thema Transparenz wurde konsequent durchgezogen. Der Unterschied zwischen seiner und Fuksas Arbeitsweise liege wohl darin, dass der Italiener mehr mit Visionen arbeite, er hingegen vor allem detailbezogen, sagt Messer. Sie hätten sich aber genau deshalb gut ergänzt.
Vom 200 Plätze fassenden Auditorium im ersten Stock bietet sich ein traumhafter Blick aufs offene Meer hinaus, von den Büros der NGO im oberen Stock werden die Mitarbeiter, sobald sie Ende Jahr in den Neubau ziehen, die Fischer und Badenden am Strand sehen können.
Die Bibliothek, die vor allem Bücher zum Thema Konfliktlösung anbieten wird, ist ebenfalls für die Öffentlichkeit gedacht. Von jedem der vier Stockwerke des Hauses aus wird man zudem von oben durch die verglaste Decke in die Bibliothek blicken können, die Fussgänger vonder Strasse aus Einblick haben. Unterirdisch soll das Shimon-Peres-Archiv untergebracht werden.
Rund um das Gebäude entsteht zurzeit ein «Friedenspark», der von der Strasse bis zum Meer hinabfällt. Auch der Park soll der breiten Bevölkerung offen stehen. «Die Idee ist es, ein öffentliches Gelände zu schaffen, nichts Abgeschottenes, ein Haus, das den Menschen hier zur Verfügung steht», erklärt Messer. Unter dem Park entsteht zudem eine unterirdischer Garage mit 100 Parkplätzen.
Interkulturelle Bemühungen
Das Peres Center setzt sich seit seiner Gründung in sozial schwachen Gebieten Israels ein und bietet auch interkulturelle und interreligiöse Workshops an. Palästinenser und Israeli treffen sich in Dialoggruppen, tauschen sich zu politischen und wirtschaftlichen Themen aus, es gibt Seminare für junge Politiker, Juristen, Sozialarbeiter oder Theater-, Fotografie- und Kunstkurse für arabische und jüdische Kinder und Jugendliche. Das Center steht zudem in engem Kontakt mit anderen NGOs im Quartier und hat diverse gemeinsame Projekte initiiert, zum Beispiel mit dem arabisch-jüdischen Gemeinschaftszentrum in Yafo: Computerkurse für Frauen werden hier angeboten oder Hightechtrainingskurse. In Zusammenarbeit mit dem Yafo Institute wird Kindern aus dem Quartier nach der Schule eine Art Hort angeboten, wo sie eine warme Mahlzeit kriegen sowie Hausaufgabenhilfe.
Die Liste der Projekte, die das Peres Center unterhält, ist endlos. «Endlich werden wir unser eigenes Haus haben und werden uns nicht mehr anderswo einmieten müssen», freut sich Michal Rubin, Verantwortliche für Spenderkontakte beim Peres Center. «Die Möglichkeiten werden grenzenlos sein, wenn wir erst einmal ins neue Gebäude gezogen sind», so Rubin. Und weiter meint sie: «Wir bieten Möglichkeiten des Austausches für Menschen aus dem ganzen Nahen Osten.» «Unsere Vision ist es, dass sich Menschen durch unsere Organisation treffen und wir da-
durch dem Frieden ein Stückchen näher kommen.»
www.peres-center.org


