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21. August 2009, 9. Jahrgang, Ausgabe 34 Ausgabe: Nr. 34 » August 20, 2009

Vorwürfe gegen die Bank Hapoalim

August 20, 2009
Der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer prüft derzeit eine Klage gegen die Bank Hapoalim. Er wirft der Schweizer Niederlassung der israelischen Bank vor, Dutzende von Kunden «agressiv und unzureichend» beraten und ihnen Finanzprodukte von Lehman Brothers empfohlen zu haben, kurz bevor die US-Bank im vergangenen September pleite ging.

Gegenüber tachles betont Fischer, dass es ihm keinesfalls darum ginge, das Vorgehen des Bankwesens in der Schweiz generell anzugreifen: «Der Bankenplatz ist sehr relevant für die Schweiz und es gibt auch gut funktionierende israelische Banken hierzulande», sagt der praktizierende Jude, der aber «erschüttert» ist vom Vorgehen der Bank Hapoalim: «Ich vermisse einen gewissen ethischen Minimalanspruch gegenüber den Kunden. So sollten israelische Banken mit Mitbürgern nicht umgehen», so Fischer. Die Banker hätten allein das Interesse ihrer Bank verfolgt und die Kunden bewusst falsch beraten. Diese seien nicht auf das Risiko ihrer Investitionen hingewiesen worden, die Banker hätten ihre Kunden vielmehr «wie Idioten» behandelt und ihnen das Gefühl gegeben, es handle sich um eine risikofreie Anlage. Die Schäden für die einzelnen Kunden seien teilweise beträchtlich – in einzelnen Fällen hätten die Menschen ihre gesamte Pension verloren. In seinem Bericht, den Fischer im israelischen Onlineprotal Y-Net publizierte, spricht er von Millionenverlusten, die die Hapoalim-Kunden durch ihre Anlagen erlitten. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers hätten verschiedene seiner Kunden selbst bei Hapoalim um eine Entschädigung ersucht, seien aber «eiskalt abgeblitzt». Auch die Reaktion auf zwei unter mehreren von der Kanzlei selbst vorgetragenen Fällen sei ungenügend. Bedenklich findet Fischer zudem die Art und Weise, wie die Bank mit dem Fall umgeht: «Hapoalim ist extrem uneinsichtig und zeigt keinerlei Handlungsbereitschaft», so der Anwalt. Der CEO der Bank Hapoalim, Michael Warszawski, betonte auf Nachfrage von tachles, dass die Anklagen, die im Namen von Daniel Fischer publiziert wurden, «unbegründet» seien. Die Behauptung, dass die Bank Hapoalim seinen Klienten zu einer Zeit, in der bekannt war, dass die Bank bankrott gehen würde, geraten habe, in Produkte von Lehman Brothers zu investieren, sei «gegenstandslos». Fischer habe der Bank lediglich zwei unterschiedliche Briefe geschrieben, in denen er seine Argumente auf allgemeine Art und Weise vorgetragen habe. Hapoalim habe daraufhin spezifische Details von Fischer erbeten, aber nie eine Antwort erhalten.    [VW]





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