Richtig sprechen über Israel
Das Handbuch nennt sich «Global Language Dictionary». Eigentlich war es nur für einen kleinen Kreis von Aktivisten gedacht, die Amerikas Öffentlichkeit in schwierigen Zeit für die Sache Israels gewinnen wollen. Doch ausgerechnet heute, da die Spannungen zwischen Washington und Jerusalem ob des Siedlungsbaus in Cisjordanien stetig zunehmen, ist das «Wörterbuch» dem Nachrichtenmagazin «Newsweek» zugespielt worden (wir stellen das Dokument auf unserer Website www.tachles.ch zur Verfügung). Das Dokument hat in den USA einige Aufregung provoziert und dem Ansehen Israels und seiner Freunde hierzulande sicherlich keinen guten Dienst erwiesen. Jedenfalls übt das moderat-liberale «Newsweek» für ein auflagenstarkes US-Blatt auffallend deutlich Kritik an dem «Dictionary» und seinen Autoren.
Das Handbuch umfasst 18 Kapitel und vier Anhänge, ist 116 Seiten stark und wurde von dem Lobbyverband The Israel Project (TIP) beim Marktforscher und Medienberater Frank Luntz in Auftrag gegeben. Dieser arbeitet ansonsten für konservative US-Politiker wie den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. Aus der Einführung von Luntz geht hervor, dass er das Wörterbuch ursprünglich im Jahr 2003 entwickelt und seither auf der Basis von Marketingtests regelmässig aufgefrischt hat. TIP unterhält Büros in Jerusalem und Washington. Das Projekt bezeichnet sich als unabhängige Stiftung, die den internationalen Medien «akkurate Informationen über Israel» zur Verfügung stellen will und als Ziele «Sicherheit, Freiheit und Frieden» verfolgt. Ein Blick auf die Experten, mit denen TIP Journalisten in Verbindung bringt, macht jedoch deutlich, dass es mit der Unabhängigkeit der Stiftung nicht weit her ist. Die Fachleute kommen entweder von den israelischen Sicherheitskräften, konservativen akademischen Einrichtungen oder von rechten Institutionen wie dem Washington Institute for Near East Policy, der «Denkfabrik» der Israel-Lobby AIPAC.
«Worte, die Wirkung zeigen»
Das Wörterbuch macht auch den Anspruch von TIP, akkurat zu informieren, zur Farce. Das mit Kästen über «Worte, die Wirkung zeigen» und «Worte, die nicht funktionieren» durchsetzte Kompendium ist eine Propaganda-Bibel, die ausdrücklich das Ziel verfolgt, «überzeugbare Teile der Öffentlichkeit im Nahost-Konflikt auf die Seite Israels zu ziehen.» Dazu rät Luntz etwa von der Thematisierung von Religion, ja sogar vom Gebrauch der Begriffe «Jude», «jüdischer Staat» oder «zionistischer Staat» ab, da die meisten Amerikaner und Westeuropäer eine Abneigung gegen religiöse Konflikte hätten. Das Wörterbuch predigt Grundsätze wie Empathie, die beiden Seiten des Palästinakonfliktes gelten soll. Aber dies soll nur dazu dienen, dem Zielpublikum Sympathien für Israel unterzujubeln. Wer sich in das Handbuch vertieft, wird viele Argumente aus der gängigen Debatte um den Nahostkonflikt wiedererkennen – als professionell getestete Propaganda.
Die Propaganda verliert an Zugkraft
Aus gegebenem Anlass sei hier nur der Abschnitt zum Siedlungsbau erwähnt. Luntz warnt ausdrücklich davor, den derzeit laufenden Abriss palästinensischer Wohnhäuser im besetzten Ostjerusalem mit «Verstössen gegen Bauauflagen» zu rechtfertigen, da die Amerikaner nichts so sehr ablehnen wie eben solche Vorschriften. Dafür hat es sich Luntz zufolge als effektiver erwiesen, die Forderung nach dem Abbau israelischer Siedlungen auf besetztem Gebiet als «rassistisch», wenn nicht gar als Aufruf zu einer «ethnischen Säuberung» darzustellen und zu fragen: «Warum sollen all die Juden einen zukünftigen palästinensischen Staat verlassen? In Israel leben ja auch 1,2 Millionen arabischer Bürger?» Aus derartigen Argumenten mag Chuzpe sprechen, oder Verachtung für Geschichte und Völkerrecht. Wie aktuelle Umfragen in den USA, vor allem aber die letzten Signale aus dem Weissen Haus zeigen, verliert diese Propaganda jedoch zunehmend an Zugkraft. Wer Israel Gutes will, kann nur hoffen, dass dieses Wörterbuch und die Strategie dahinter aus dem Verkehr gezogen werden.


