Genügend Gas für 20 Jahre?
Die Naturgasreserven an der Bohrstelle Tamar 2 vor der Küste von Haifa werden nun als bis zu rund 30 Prozent grösser geschätzt als ursprünglich angenommen. Laut einem in der Wirtschaftszeitung «The Marker» erschienenen Artikel könnten die Reserven 180 Milliarden Kubikmeter erreichen.
Dieser Bericht, der nach einer zwei Monate dauernden Verifikations-Untersuchung vier Kilometer unter der Meeresoberfläche kürzlich veröffentlich wurde, könnte Israels Platz innerhalb der strategischen Bilanz der Energiequellen im Nahen Osten wesentlich verbessern. Die neu entdeckten Reserven sind dazu angetan, Israel für weitere neun Jahre mit genügend Naturgas zu versorgen.
Sollten die Untersuchungsergebnisse akkurat sein, würde Tamar 2 über genügend Kapazität verfügen, um Israels Energiebedarf für die nächsten 20 Jahre zu decken. Die verbesserte Prognose würde auch einen Zustupf für die Risikopartner um weitere zehn Milliarden Dollar bedeuten. Der gesamte potenzielle Wert würde damit auf 35 Milliarden Dollar steigen.
Internationales Joint Venture
Tamar ist ein Joint Venture, zu dem die amerikanische Gesellschaft Noble Energy mit 36 und die israelische Isramco mit 28,9 Prozent gehören. Ferner sind beteiligt: Delek Drilling, Avner Oil Exploration und Dor Gas.
«Wir können mit Sicherheit erklären», so Itzhak Teshuva, Besitzer von Delek, gegenüber dem Armeeradio, «dass Israel unabhängig ist, eine Unabhängigkeit in Blau und Weiss». Israel werde nicht länger von anderen abhängig sein.
Vor sechs Monaten hatten die für die Bohrtätigkeit bei Tamar 1 zuständigen Partner die Entdeckung von «aussergewöhnlich bedeutenden Reserven an Naturgas» bekanntgegeben. Tamar 1, eine weitere Bohrstelle, liegt rund 90 Kilometer westlich von Haifa im Mittelmeer.
Anschliessende Untersuchungen hatten diese Reserven dann auf mindestens 142 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Vor wenigen Wochen beendete elektronische Tests wiesen auf ein grösseres Ausmass an mit Naturgas gesättigten Schichten hin, als die Partner es anfänglich vermutet hatten.
Die unlängst in den Medien erschienenen Schlagzeilen in Zusammenhang mit diesen Entdeckungen hatten einen negativen Beigeschmack. So wurden der Abgeordnete Haim Katz (Likud) und zwei Personen aus Fussballerkreisen verdächtigt, einen Tag vor der Bekanntgabe der Entdeckung hoch mit Isramco-Aktien gehandelt zu haben.
Exportmöglichkeiten abwägen
«Die neuen Entdeckungen», erklärt Gideon Tadmor, Direktor von Avner Oil Exploration, «erlauben es uns, mit dem Entwicklungsprojekt fortzufahren.» Auf die möglichen Auswirkungen der neuen Volumen-Schätzungen auf die Zielmärkte angesprochen, betont Tadmor, der natürliche Markt des Projekts sei Israel. Allerdings verneint er nicht, dass die Zunahme der zur Diskussion stehenden Mengen die Untersuchung eines Gasexports für Israel gerechtfertigt erscheinen lasse. «Ganz offensichtlich gibt es potenzielle Märkte im östlichen Mittelmeerraum», so Tadmor. Er unterstreicht ferner, dass die Partner darauf abzielen, das Gas bis zum Jahr 2012 nach Israel zu bringen. Die Finanzierungsfrage steht immer noch im Raum, wobei ausländische Banken beachtliches Interesse zeigen sollen. Auch wird die Möglichkeit einer staatlichen Hilfe diskutiert.
Laut Eli Misgav von Dor Gas sind die Partner von den Einschätzungen der Reserven bei den Bohrstellen Tamar nicht überrascht worden. «Es besteht eine gute Chance», meint er, «dass die Quantitäten in Zukunft weiter zunehmen werden. Je weiter die Datenanalysen fortschreiten und je fundierter unser Wissen wird, umso besser werden die Resultate sein. Wir sind mitten in einem Prozess, und wir dürfen nicht vergessen, dass wir vor sechs Monaten noch von rund der Hälfte, verglichen mit heutigen Zahlen, sprachen.» Die Vermutung, bei den jüngsten Resultaten könnte es sich um Marktspielereien handeln, weist Misgav vehement zurück. Die Entwicklungspläne würden, so sagt er, in den nächsten Wochen erstellt werden.
Der Erfolg bei den Bohrstellen von Tamar gesellt sich zur Entdeckung von Reserven bei Dalit vor der Küste, westlich von Hadera. Probebohrungen lassen eine Schätzung von einer Reserve von rund 14,2 Milliarden Kubikmetern Naturgas zu.


