Die Zahl der Einwanderer nimmt wieder zu
Nachdem die Einwanderung nach Israel während Jahren zurückgegangen ist, gehen die zuständigen Stellen in Jerusalem davon aus, dass dieses Jahr rund 15 Prozent mehr Immigranten nach Israel kommen werden als die 16 500 Menschen, die im Jahr 2008 eingetroffen sind. Dieser Aufwärtstrend manifestiert sich unter anderem in 20 Flügen, die diesen Sommer rund 5000 Immigranten aus Nordamerika, Frankreich, Grossbritannien, Südafrika und anderen Ländern nach Israel bringen werden.
Von den erwarteten Olim werden rund 3000 mit Flügen, die gemeinsam von der Jewish Agency und der Organisation Nefesh Benefesh organisiert werden, in Israel eintreffen. Rund 2000 Einwanderer dürften aus den USA und Kanada anreisen. Aus Frankreich und Grossbritannien werden jeweils rund 200 Olim erwartet, aus Südafrika 130, und weitere 100 aus Lateinamerika. Schliesslich werden auch 250 Äthiopier, die kürzlich von den rabbinischen Behörden in Israel als Juden anerkannt worden sind, nach Israel immigrieren. Alle Immigranten, die an dem Programm teilnehmen, werden mit Sonderflügen fliegen. Erstmals gab es diese Woche einen Flug mit Olim aus Brasilien.
Neue Regelung
Während Jahren haben Nefesh Benefesh und die Jewish Agency als Konkurrenten um die Kontrolle der Förderung der Alija aus Nordamerika gekämpft. Letztes Jahr hat man sich schliesslich geeinigt und ein Abkommen unterzeichnet. Gemäss der neuen Regelung ist es die Aufgabe von Nefesh Benefesh, potenzielle Immigranten ausfinding zu machen und ihren Transport nach Israel zu organisieren. Die Jewish Agency wiederum übernimmt die Kosten für die Ankunft der Olim und deren Aufnahme.
Seit 2000 zeigen die Alija-Zahlen einen stetigen Abwärtstrend. Die 16 500 Immigranten, die im Jahr 2008 den Weg nach Israel fanden, sind das niedrigste Ergebnis seit Beginn der Masseneinwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion in den neunziger Jahren. Eli Cohen, Leiter der Abteilung für Immigration und Aufnahme bei der Jewish Agency, nennt die weltweite Wirtschaftskrise als hauptsächlichen Beweggrund für die neuerdings wieder zunehmende Einwanderung. «Israel gilt im Vergleich zu anderen Ländern als Insel der Stabilität», erklärt er.
Benachteiligt
Diese Insel hat offenbar aber auch ihre Schattenseiten: So wies dieser Tage das Ministerium für die Aufnahme von Immigranten darauf hin, dass das Erziehungsministerium sich nicht adäquat um die Bedürfnisse der Kinder von Immigranten in Israel kümmere. Letztes Jahr besuchten rund 210 000 Kinder von Einwanderern israelische Bildungsinstitutionen, 63 Prozent von ihnen sind in Israel zur Welt gekommen sind. Das Erziehungsministerium betrachtet aber nur im Ausland geborene Kinder als eingewanderte Schüler; Kinder von Olim, die in Israel zur Welt gekommen sind, werden nicht erfasst und somit auch nicht optimal gefördert. Nur 51,5 Prozent der Immigrantenschüler machen einen Gymnasialabschluss. Das sind zehn Prozent weniger als bei den alteingesessenen israelischen Schülern. Und 2007 waren 23,7 Prozent aller in psychiatrischen Kliniken hospitalisierten Kinder im Ausland geborene Immigrantenkinder, obwohl sie nur 3,7 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Rate der vorzeitigen Schulabgänger ist mit 3,6 Prozent bei den Immigrantenschülern doppelt so hoch wie bei der
israelischen Jugend.


