«Die Temperatur senken»
Brian Klug, Dozent für Philosophie an der Oxford University und Mitbegründer des Netzwerkes «Unabhängige Jüdische Stimme» in England, sagte an einer von über 100 Personen besuchten Veranstaltung im Haus der jüdischen Jugend in Zürich: «Die Klimaerwärmung auf der Erde ist nichts im Vergleich zum Klima der Debatte über Israel in der jüdischen Welt.» Es gebe eine «unsichtbare Linie im Sand», welche die vom jüdischen «Mainstream» tolerierten öffentlich geäusserten Meinungen zum Nahostkonflikt begrenze. Wer diese Linie überschreite, werde ausgegrenzt und zum «Verräter» erklärt. Klug plädierte dafür, «die Temperatur zu senken» und sich gegenseitig mit Respekt und Würde zu begegnen. Dazu sei es nötig, Israel vom Podest zu holen, auf dem es für manche Juden steht.
Unter der Leitung von Brigitta Rotach, Redaktorin «Sternstunden» beim Schweizer Fernsehen, diskutierten im zweiten Teil Michel Bollag, Co-Leiter des Zürcher Lehrhauses, Martin Dreyfus, Ex-Präsident der Jüdischen Liberalen Gemeinde Or Chadasch, und die Historikerin Shelley Berlowitz mit dem Referenten und dem Publikum. Schon die Ankündigung seiner Teilnahme an der Veranstaltung habe dazu geführt, dass er als Anhänger der organisierenden «Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina» diffamiert worden sei, bestätigte Dreyfus die These Klugs von der «Linie im Sand». Und Shelley Berlowitz gab als Beleg dafür die Tatsache an, dass 15 Prozent der Schweizer Unterzeichnenden des im März lancierten «Weltweiten Appells besorgter Jüdinnen und Juden» ihre Namen nicht zu veröffentlichen wagten. Sie und Jochi Weil, Initiant des Appells, forderten deshalb einen «Dialog auf Augenhöhe», auch bei unterschiedlichen Meinungen.


