«Es wird schwieriger»
Das Zusammenleben von Juden und Palästinensern sei in Neve Shalom / Wahat al-Salam derart zur Selbstverständlichkeit geworden, dass es auch der Krieg in Gaza nicht habe in Frage stellen können, sagte die seit über 30 Jahren im Friedensdorf lebende gebürtige Zürcherin Evi Guggenheim Shbeta in ihrem Vortrag. Allerdings sei «die Normalität angespannter» gewesen, und während des Krieges hätten politische Gespräche nur innerhalb der eigenen Gruppe stattfinden können. Nach dessen Ende habe man sich dann zu einer gemeinsamen Trauer- und Solidaritätskundgebung gefunden, an der die Namen der Kriegsopfer auf beiden Seiten aufgeschrieben worden seien. «Es wird schwieriger», bilanzierte die Referentin bezogen auf die Stellung des Dorfes in einer Umgebung, in der die Trennung der Volksgruppen im Vordergrund stehe. Und doch habe sie die Hoffnung nicht aufgegeben, dass auf die Sackgasse eine Phase des «Dialogs auf Augenhöhe» folgen werde. Derzeit werde diese Hoffnung auf US-Präsident Barack Obama projiziert, «dass er uns vor uns selber rette».
Schule der Hoffnung
Anlass zur Hoffnung bietet gemäss Evi Guggenheim Shbeta aber auch der Erfolg der binationalen Schule, in der jede Klasse von je einer jüdischen und palästinensischen Lehrkraft unterrichtet wird. Nicht nur gebe es in Israel nun vier Schulen dieses Modells, sondern insbesondere erfreue sich auch die Dorfschule in Neve Shalom grosser Beliebtheit in der weiteren Region, und sie werde auch von der Regionalbehörde unterstützt. Da man nicht zu schnell wachsen wolle, hätten in diesem Jahr von den 100 Anmeldungen für die erste Klasse nur 40 berücksichtigt werden können.
Vorstand erweitert
Im geschäftlichen Teil der Jahresversammlung wurde der Vorstand der Schweizer Freunde von Neve Shalom unter dem Präsidium von alt Nationalrätin Rosmarie Zapfl wiedergewählt und um drei Mitglieder erweitert: Sabine Dreyfus (Basel) sowie Charlotte Sonnevelt und Antonin Wagner (beide Zürich) ergänzen das Gremium. Im vergangenen Jahr wurden über 250 000 Franken ans Friedensdorf überwiesen. Ein Legat in sechsstelliger Höhe soll dazu verwendet werden, einen Lehrplan für die Ausbildung von Lehrkräften in zweisprachigen Schulen zu erarbeiten.


