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12. Juni 2009, 9. Jahrgang, Ausgabe 24 Ausgabe: Nr. 24 » June 11, 2009

Einstein-Mappe mit Geschichte

von Peter Abelin, June 11, 2009
Eine Reiseschreibmappe von Albert Einstein, die lange Zeit im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde Bern zu sehen war, ist nun dem Historischen Museum Bern übergeben worden. Die Mappe hat eine bewegte Geschichte und spiegelt auch die Geschichte des 20. Jahrhunderts wider.
FEIERLICHE ÜBERGABE Vincent C. Frank-Steiner und Edith Bino übergeben Peter Jezler (l.) Einsteins Reiseschreibmappe

Als eine «grosse Bereicherung für unser Museum» bezeichnete Peter Jezler, Direktor des Historischen Museums Bern, die Reiseschreibmappe von Albert Einstein, die ihm von Vincent A. Frank und der Jüdischen Gemeinde Bern feierlich als Depositum übergeben wurde. Das 2005 mit einer weltweit beachteten Sonderausstellung eröffnete Einstein-Museum im Historischen Museum verfüge nur über wenige persönliche Objekte des grossen Physikers; die Mappe werde nun in einer eigenen Vitrine in dem Raum ausgestellt, in dem auch der Schweizer Pass von Einstein zu sehen ist. Auch werde die Mappe die für 2010/2011 geplante Chinareise mitmachen, bei der Teile der Einstein-Ausstellung einem Millionenpublikum gezeigt werden sollen.
Die Mappe habe ihre Geschichte und sie spiegle Geschichte, sagte Vincent C. Frank-Steiner aus Basel in seiner Ansprache: Bei seiner Flucht aus Deutschland hatte Einstein die Mappe zurückgelassen. Sein Neffe Hans Meyer, der den Haushalt auflöste, schenkte sie der Baronesse Ulrike von Henning auf Schönhoff, einer deutschen Adligen mit kommunistischer Gesinnung, als Dank für ihre Hilfe bei seiner eigenen Emigration. Diese wiederum gab sie nach dem Krieg ihrem Lehrer und Regisseur, dem Schriftsteller Rudolf Frank, weiter, dem Vater von Vincent C. Frank-Steiner. Die Baronesse hatte zwei Romane von Frank unter ihrem Namen veröffentlichen lassen, als Juden nicht mehr publizieren durften. Nach dem Tod seines Vaters schenkte Vincent C. Frank-Steiner die Mappe 1979 der Berner Albert Einstein-Loge, deren Vorstandsmitglied er zeitweise war. Deshalb wurde sie während Jahren im Einstein-Saal des Berner Gemeindehauses ausgestellt. Als die Loge im Jahr 2000 aufgelöst wurde, ging sie an die Jüdische Gemeinde Bern über.





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