Ein völkischer Kandidat
Neben dem aktuellen Stelleninhaber Horst Köhler (CDU), sei-ner SPD-Konkurrentin Gesine Schwan und dem Kandidaten der Linken, dem Schauspieler Peter Sodann, kandidiert auch Frank Rennicke, vorgeschlagen von zwei rechtsextremen Parteien, nämlich der Deutschen Volksunion (DVU) und der Nationaldemokratischen Partei Deutschland (NPD). Rennicke sei ein Kandidat, so die Ankündigung, der «für einen nationalen Aufbruch» stehe und eine «Stimme der deutschen Jugend» sei, die sich wieder «ihres eigenen Volkstums und ihrer eigenen Kultur» bewusst werde. Der 45-jährige Rennicke, heute in Bayern wohnhaft, ist der bekannteste rechte Liedermacher in der Bundesrepublik. Er gilt als Vorbild von derzeit rund 30 einschlägigen Liedermachern. Der sechsfache Vater hat über 20 eigene Tonträger veröffentlicht, den ersten bereits 1987. Auch hat er rund 650 Auftritte hinter sich gebracht, häufig auch an rechten Kundgebungen und Veranstaltungen. Mehrere Tonträger von Rennicke wurden von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert.
In seinen Liedern vertritt Rennicke offen fremdenfeindliche und rassistische Ansichten. So heisst es in «Die neue Internationale»: «Strömt herbei, ihr Völkerscharen, immer herein ins deutsche Land, und knechtet dann die Deutschen und stellt sie an die Wand. Strömt herbei, ihr Völkerscharen, keine Grenze hält euch stand – und wir Deutschen sind in Jahren nur noch Gast in unserm Land.» In dem Lied «Damals im Mai» verherrlicht Rennicke Adolf Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess als «Held (...) Lehrer, Vorbild und Garant». Rennicke wird an diesem Wahlwochenende allerdings nur die wenigen Stimmen der rechtsextremen Wahlabgeordneten aus den Bundesländern erhalten. [HS/AM]


