Die unglaubliche Geschichte des Salamo Arouch
Im Alter von 86 Jahren ist Salamo Arouch, ein aus Saloniki stammender jüdischer Boxer, in Israel gestorben. Er hatte das Konzentrationslager Auschwitz überlebt, indem er sich an von Nazi-offizieren vor allem zu Wettzwecken organisierten Boxkämpfen beteiligte. Das Leben des Boxers von Saloniki wurde in dem 1989 gedrehten Film «Triumph of the Spirit» («Triumph des Geistes») mit Willem Dafoe in der Titelrolle verewigt. Zu einer Kontroverse um den Film kam es, als Jacko Razon, ein Jugendfreund des Verstorbenen, behauptete, der Streifen erzähle effektiv seine eigene Geschichte und nicht Arouchs. Die Kontrahenten einigten sich aussergerichtlich.
Deportation nach Auschwitz
Der 1923 in eine Fischerfamilie geborene Arouch begann schon als Kind mit dem Boxen, und im Alter von 17 Jahren wurde er Balkan-Meister im Mittelgewicht. Im Jahr 1939 lautete seine Kampfbilanz 24:0, wobei er all seine Siege durch k. o. errang. Vor dem Krieg soll er Mitglied des griechischen Box-Olympiateams gewesen sein, und sogar in der Armee, in die er bei Kriegsausbruch eingezogen wurde, verzeichnete er drei K.-o.-Siege.
Zwischen März und August 1943 deportierten die Deutschen, die Saloniki zwei Jahre zuvor besetzt hatten, rund 50 000 jüdische Bewohner der Stadt nach Auschwitz-Birkenau, am 15. März auch Salamo Arouch und seine ganze Familie. Die meisten der Deportierten, darunter auch alle weiblichen Mitglieder von Arouches Familie, darzbter Kinder und Kleinkinder, wurden am ersten Tag nach ihrer Ankunft in die Gaskammern geschickt. Salamo, sein Vater und sein jüngerer Bruder mussten in Auschwitz Zwangsarbeit leisten. Sein Vater wurde jedoch schon bald ermordet, als er zu krank wurde, um zu arbeiten. Und als Bruder Avram sich weigerte, in den Verbrennungsöfen zu arbeiten, wo er den vergasten Opfern die Goldzähne hätte ausbrechen sollen, wurde er auf der Stelle erschossen.
Einsamer Sieger
Als ein Nazioffizier herausbekam, dass Arouch Boxer war, zwang er ihn, an den Boxturnieren mitzumachen, bei welchen ein Kampf erst dann als beendet galt, wenn einer der Boxer kampfunfähig wurde. Der Gewinner erhielt Brot und Suppe, der Verlierer wurde exekutiert und kremiert. Arouch, der schon zwei Tage nach seiner Ankunft im KZ Auschwitz boxen musste, siegte ohne Unterbruch, wobei seine ausgefeilte Beinarbeit ihm nicht nur half, gegen viel schwerere Gegner zu siegen; sie trug ihm auch den Namen «Ballettänzer» ein. Im Boxring von Auschwitz verlor Arouch nie. Die Zahl seiner K.-o.-Siege wird auf über
200 geschätzt. Im Laufe der Zeit wurde Salamo von den restlichen Zwangsarbeitern getrennt und durfte sich in einem Büro des Lagers einrichten. Fast zwei Jahre überlebte Salamo Arouch dank seiner Boxkünste die Schrecken von Auschwitz. Wegen seiner nicht abreissenden Siegesserie hassten die KZ-Wächter ihn umso mehr, doch sie töteten ihn nicht, da sie hohe Geldsummen auf ihn gesetzt hatten. Andere jüdische Teilnehmer an den Boxturnieren waren Victor Peretz, Leone Efrati und Kid Francis. Sie alle überlebten den Naziterror von Auschwitz nicht.
Als das Lager endlich befreit wurde, hatte Arouch seine ganze Familie verloren, er aber lebte. Nach einiger Zeit gelangte er nach Israel, wo er Marta Yechiel heiratete, eine Schicksalsgenossin aus der Lagerzeit. Die beiden hatten vier Kinder. Arouch diente in der israelische Armee, wo er sogar einige Boxkämpfe austrug. Nach der Entlassung aus dem Militärdienst baute sich Arouch ein erfolgreiches Schiff- und Transportunternehmen auf. Von einem schweren Schlaganfall im Jahr 1994 hat sich Salamo Arouch nie richtig erholt. Nach seinem Tod hinterlässt er seine Frau Marta, mit der er 64 Jahre lang verheiratet war, und seine vier erwachsenen Kinder.


