Bergsteigen für äthiopische Olim
Alex Iscoe gibt dem Aufbringen von Geldern für jüdische wohltätige Zwecke eine neue Dimension. Der 28-jährige in Toronto geborene junge Mann hofft, zum exklusiven Club der bisher nur rund 230 Bergsteiger hinzuzustossen, welche die sogenannten sieben Gipfel erobert haben – die jeweils höchsten Berge auf jedem der sieben Kontinente. Iscoe tut dies vor allem, weil er Geld für den Gemeinedebund für das Einzugsgebiet von Toronto, United Jewish Appeal (UJA), sammeln will.
Konkret sollen die Gelder, die er durch seine Kletterei mobilisiert, einem UJA-Projekt in der israelischen Stadt Bat Yam zugute kommen, das hilft, äthiopische Kinder in die israelische Gesellschaft zu integrieren.
Der höchste Gipfel der Welt
Vor rund einem Jahr, kurz vor Ausbruch der globalen Finanzkrise, hatte der ledige Iscoe seine gutbezahlte Stelle bei Goldman Sachs in Hongkong aufgegeben, und jetzt finanziert er sein eigenes Abenteuer. Im vergangenen Juli nahm er sein Training mit der Besteigung des rund 4400 Meter hohen Mount Rainier im Staate Washington auf. Es folgten der Elbrus in Russland (rund 5600 Meter), der Aconcagua in Argentinien und das Massiv des Mount Vinson in der Antarktis, wo die Temperaturen auf bis Minus 40 Grad Celsius sinken.
Jetzt steht der höchste Gipfel der Welt auf seinem Plan. «Seit meiner Jugend stellt der Everest für mich einen Traum dar», sagte Iscoe in einem Interview per Satellitentelefon vom Basislager auf über 5000 Meter Höhe an der nepalesisch-chinesischen Grenze. «Ich bin in der glücklichen Lage, mir während des letzten Jahres genug Zeit- und materielle Reserven aufgebaut zu haben, um weitere Trainingsbesteigungen zu absolvieren und mich auf diese Aufgabe vorzubereiten. Das ist etwas, das ich schon immer tun wollte.» Das Wetter auf dem Everest bezeichnete Iscoe als «recht gut». Das grössere Problem sei der Sauerstoffmangel. «Das zerrt effektiv an den Kräften», sagte er vom Inneren seines Zeltes aus. Iscoe und sein Team – sechs weitere Bergsteiger und zwei Führer – haben oft Kopfschmerzen. «Das Schlafen wird zu einer echten Herausforderung. Ich wache oft mit einem Kater auf.»
Sauerstoffmangel und Kälte
Um sich an die dünnere Luft zu gewöhnen, klettern die Bergsteiger phasenweise den Berg hinauf, bevor sie sich wieder einige hundert Meter in ein Basislager abseilen, wo sie sich während rund einer Woche ausruhen. Demnächst wollen sie auf über 7000 Meter aufsteigen. Den entscheidenden Angriff auf den über 8800 Meter hohen Gipfel will Iscoe in der dritten Mai-Woche starten. Je höher er steigt, umso problematischer werden Sauerstoffmangel und Kälte. «Die Probleme kumulieren sich», meinte Iscoe. «Man erhält nicht genug Sauerstoff, um den Körper warm zu halten. Hinzu kommen eisige Kälte und stürmische Winde. Wir müssen uns an die Zustände gewöhnen.»
Mit dem UJA-Gemeindebund gelangte Iscoe vor rund sieben Jahren in Kontakt, als er zusammen mit einem Freund einen Erinnerungsfonds für einen bei einem Verkehrsunfall getöteten Bekannten errichtete. Zudem beteiligte er sich an einer Kampagne, die Kindern den Besuch eines Camps ermöglichte. «Es war nur logisch, dass ich auch jetzt wieder mit ihnen zusammenarbeite», meinte er. Neben dem Everest stehen auf Iscoes Programm noch der McKinley in Alaska, der Kosciuszko in Australien und der Kilimandscharo in Afrika. Der Abenteurer hofft, alle sieben Gipfel noch vor Jahresende bewältigt zu haben. Mit der Frage, was er nach der Kletterei machen wird, befasst er sich nur am Rande. «Ich konzentriere mich jetzt nur auf den Everest, und wenn der Berg hinter mir sein wird, wird meine Aufmerksamkeit dem nächsten Gipfel gelten.»


