Vorsicht, aber keine Panik
Im Gegensatz zu Mexiko, wo am Montag schon mehr als 100 Opfer der Schweinegrippe und etwa 1600 von der Krankheit befallene Menschen gezählt wurden, war die Situation in Israel mit zwei hospitalisierten Verdächtigen zunächst relativ harmlos. Ein 26-Jähriger hatte sich nach seiner Rückkehr aus Mexiko wegen erhöhter Temperatur im Laniado-Krankenhaus in Netanya gemeldet, und ein 49-Jähriger, der vor wenigen Tagen, ebenfalls aus Mexiko kommend, über Halsschmerzen klagte, wurde in ein Spital in Kfar Saba eingeliefert. Beide Personen kame auf eine Isolierstation, doch Sprecher der Krankenhäuser halten die Chancen, dass die Betreffenden tatsächlich an Schweinegrippe erkrankt sind, für «gering». Die Untersuchungsergebnisse werden noch diese Woche erwartet.
Strenge Vorsichtsmassnahmen
Auch wenn das Risiko für eine Ausbreitung der Krankheit auf Israel und umliegende Länder ziemlich gering ist, werden in Israel alle möglichen Massnahmen geprüft und einige wurden auch bereits ergriffen. So erklärte das Magen David Adom (das israelische Pendant zum Roten Kreuz), keine Blutspenden mehr von Menschen zu akzeptieren, die im Verlauf der letzten Woche aus Mexiko, Texas oder Kalifornien nach Israel gekommen sind. Auf Anweisung der israelischen Botschaft in Mexiko wurden alle Feierlichkeiten und Zeremonien zum Gedenktag für die gefallenen israelischen Soldaten (Montagabend und Dienstag) und für den 61. Un¬abhängig¬keits¬¬tag des Staates Israel (Dienstagabend und Mittwoch) abgesagt. Das Zentrum der Chabad-Bewegung in Mexiko-Stadt hat spezielle Gebete zum Einhalt der Epidemie anberaumt. Zudem hat das israelische Aussenministerium Bürger und Bürgerinnen, die in Mexiko arbeiten oder sich zurzeit im Land aufhalten, ein hohes Niveau an persönlicher Hygiene zu beachten und belebte Plätze zu meiden. Reisende sollten sich zudem ständig über die von globalen medizinischen Organisationen verbreiteten Instruktionen informieren und die Website des Aussenministeriums regelmässig konsultieren.
Zuständige Stellen in Israel betonten diese Woche immer wieder, dass bei aller gebotenen Vorsicht kein Grund zur Besorgnis besteht – doch denke man logischerweise in den mit dem Gesundheitswesen befassten Kreisen immer einen Schritt voraus. Im Falle des Ausbruchs einer globalen Schweinegrippe-Epidemie etwa würde das Gesundheitsministerium ziemlich sicher die Befugnis erhalten, die Meeres- und Flughäfen des Landes zu schliessen. Zudem würde die Entdeckung des Virus in Israel zur Folge haben, dass gewisse Regionen des Staates für Besucher geschlossen würden. Mit einer Massen-Impfaktion ist aber auch im Falle einer globalen Epidemie kaum zu rechnen, da das in ausreichenden Mengen vorhandene Mittel Tamiflu sich als höchst wirksam erwiesen hat, wenn es in sehr frühem Stadium der Krankheit verabreicht wird. «Wir bereiten uns auf allen Eventualitäten einer Epidemie vor», erklärte die israelische Flughafenbehörde Anfang der Woche gegenüber der Zeitung «Haaretz». Man warte aber Anweisungen des Gesundheitsministeriums ab, bevor man konkrete Massnahmen ergreife. Diese In¬struktionen würden den Ausschlag für die Art und Weise geben, wie aus dem Ausland zurückkommende Reisende zu behandeln seien.
Risikogebiet Mexiko
«Wir haben das Gefühl, als ob wir uns im Film ‹Outbreak› befinden», sagte in Mexiko-Stadt Ilanit Moyal gegenüber der Zeitung «Yediot Achronot». Moyal, die als Emissärin der Jewish Agency ins Land gekommen ist und an einer jüdischen Schule unterrichtet, erzählte von verlassenen Strassenzügen, und die wenigen Menschen, die man noch antrifft, würden auf Küssen und Händedrücken verzichten. «Die meisten meiner jüdischen Freunde und Bekannten haben die Stadt bereits verlassen. Ich bleibe vorläufig noch, doch kann ich nicht sagen, dass mich nicht manchmal der Gedanke befällt, momentan am absolut falschen Ort zu sein.» – In Mexiko leben heute rund 3000 Israeli.


