logo
24. April 2009, 9. Jahrgang, Ausgabe 17 Ausgabe: Nr. 17 » April 23, 2009

Sachlicher Journalismus

von Hella Elbaum, April 23, 2009
Eine humanitäre Journalisten-Organisation betreibt seit 14 Jahren Radio-Stationen in Konfliktgebieten. In ihrem neusten Projekt will die Fondation Hirondelle eine Station im Westjordanland eröffnen.

Die Stiftung Hirondelle (Schwalbe) ist eine im März 1995 gegründete Journalisten-Organisation, die in Krisengebieten neue Medien aufbaut. Ihr erstes Projekt, die Radio-Station Agatashya (Schwalbe) im Gebiet der Grossen Seen Afrikas, wurde zugleich zum Namen der Stiftung erklärt. Unter dem Leitspruch «Der Bevölkerung eine unparteiische, präzise und professionelle Information zu vermitteln ist nichts anderes, als ihr ein Grundrecht anzuerkennen – dasjenige auf Information», arbeiten die Journalisten meist unter schwierigen Bedingungen in Krisengebieten auf der ganzen Welt. Das Entscheidende an der Arbeit in Konfliktgebieten ist die Unabhängigkeit von jeglicher politischer und wirtschaftlicher Macht. Deshalb legt das Team vor Ort viel Wert auf Sachlichkeit und Genauigkeit. Jede Quelle wird doppelt überprüft und als Faustregel gilt die strenge Trennung von Nachricht und Kommentar.

«Radio Westjordanland»

Das neuste Projekt der Stiftung befindet sich auf völlig neuem Terrain: dem Nahen Osten. Im Westjordanland soll die erste, von den Hirondelle-Journalisten geführte Radio-Station gebaut werden. Die Idee zum Projekt stammt von der palästinensischen Friedens-Organisation «Hope Flower», die im Internet nach potenziellen Partnern für den Aufbau einer neuen Radio-Station suchte und auf die Hirondelle stiess. Obwohl die Stiftung noch nach geeigneten Sponsoren für die Finanzierung des Projekts sucht, sind die ersten Massnahmen bereits getroffen. Nach Verhandlungen mit den zuständigen Behörden im Westjordanland hat sich die Organisation eine Erlaubnis zur Realisierung der Idee organisiert – unter der Bedingung, dass weder Hass geschürt wird, noch Vorschriften bezüglich Politik und Religion gemacht werden. Eine Lizenz darf jedoch erst nach gelungener Sponsorensuche beantragt werden. Standort und Zielpublikum sind ebenfalls schon festgelegt. Die Radio-Station soll ihren Hauptsitz in Bethlehem haben und sowohl auf Arabisch als auch auf Hebräisch senden. Trotz der Zweisprachigkeit  bleibt die palästinensische Bevölkerung das Hauptzielpublikum und dementsprechend wird auch der Inhalt der Sendungen ausgewählt. Was den Namen der Station betrifft, so werden bereits Ideen gesammelt. Ein offizieller Name wurde jedoch noch nicht bestimmt.

Positive Auswirkungen?

Im und um das Gebiet der zukünftigen Radio-Station herrscht ein Dauerkonflikt. Die freien Medien, die in so einem Zustand eine zentrale Rolle spielen, werden in Krisengebieten aber oft behindert oder instrumentalisiert. Die Stiftung misst daher der Ausbildung von Journalisten in den jeweiligen Gebieten grosse Bedeutung zu. So können die unabhängigen Medien auf Dauer existieren und die Einheimischen die Verantwortung, die sie mit dieser Aufgabe auf sich nehmen, erlernen. Sollte das Projekt im Westjordanland erfolgreich ausgeführt werden, könnte das einen immensen Fortschritt im Umgang der dortigen Medien mit zuverlässiger Berichterstattung nach sich ziehen. Vielleicht könnte sogar das Ziel der Stiftung erreicht werden: Unterstützung für Menschen und Gruppen zu bieten, die nicht mehr miteinander reden, damit diese wieder ins Gespräch kommen können.





» zurück zur Auswahl