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8. April 2009, 9. Jahrgang, Ausgabe 15 Ausgabe: Nr. 15 » April 8, 2009

Popstar der Gaumenfreuden

von Dania Zafran, April 8, 2009
Er sei der Nachfolger von Jamie Oliver, sagen die Briten über den jungen Starkoch Sam Stern. Mit 15 Jahren brachte er sein erstes Kochbuch auf den Markt, heute, vier Jahre später, kennt man den jungen Engländer auch jenseits seiner Landesgrenzen, und Mütter und ihre jungen Töchter himmeln den Jungkoch an wie einen Popstar.
SAM STERN Der Brite bringt Teenagern das Kochen bei

So mancher Teenager wird berühmt wegen seiner Stimme, seinem Talent, in andere Rollen zu schlüpfen oder seinem Aussehen. Bei Sam Stern war es seine Gabe, Zitronenpoulet und Schokoladenmousse herzustellen, die ihm zu Ruhm und Berühmtheit verhalf. Mit zarten 15 Jahren brachte der Engländer mit dem Kochtalent à la Jamie Oliver sein erstes Kochbuch heraus, «Cooking Up a Storm». Vier Jahre und weitere drei Kochbücher später kennt man ihn auch in den USA und der Teenieschwarm bringt junge Mädchen zu Aussagen wie: «Mein Traum ist es, einmal als Köchin weltberühmt zu werden.» Seit Jamie Oliver gilt Koch als der neue Traumberuf, aber Sam Stern hat mit seinem Aussehen eines Teenie-Popstars dem Genre definitiv den Glamourstempel verliehen. «Coole Rezepte» oder «Blitzrezepte für Teens» heissen denn auch deutsche Titel seiner Kochbücher, die vor allem Teenager in die Küche ziehen sollen. Eine schlau kalkulierte Marketingstrategie, hinter der wohl vor allem Sams Mutter Susan, eine Autorin und Theaterregisseurin, steht, mit der er die Kochbücher herausgibt. Leserkommentare wie «Ein wunderbares Buch, das auch den pubertärsten Bengel den Kochlöffel schwingen lässt» oder «Sams Kochbücher sind für meinen Sohn sein absolutes Heiligtum» finden sich in einschlägigen Internetforen zuhauf. Die Strategie der Sterns ist aufgegangen. Auch von den etablierten britischen Starköchen fliegen Sam seit der Veröffentlichung seines ersten Buches nur Komplimente zu: «Brillant – geht nie in die Küche ohne dieses Buch» war der Kommentar von Gordon Ramsay, einem britischen Star- und Fernsehkoch, und auch Jamie Oliver war begeistert.  

Einfach und gesund

Sam Stern wuchs als jüngstes von fünf Kindern im nordenglischen Yorkshire auf und stand schon als kleines Kind neben seiner Mutter in der Küche. «Alles, was ich kann, habe ich von meiner Mutter gelernt. Sie hat mir geholfen, meinen Gaumen zu trainieren und verschiedene Kochtechniken zu entwickeln», so der Nachwuchs-Starkoch. Während andere in seinem Alter auf dem Fussballplatz trainieren oder am Computer spielen, steht Sam in der Küche und probiert seine neuesten Kreationen aus. Und es bleibt nicht nur bei Teenager-Rezepten wie Last-Minute-Pizza, Pasta oder Hamburger. Sam kocht alles, von Tomaten-Bruschettas, indischem Curry über süss-saures Brathähnchen bis zum Ingwerpudding. Auffallend ist seine Affinität zu gesundem Essen, ein aktuelles Thema in England, seit Übervater Jamie Oliver seine Kampagne für gesundes Essen an englischen Schulkantinen gestartet hat. «Ich esse selten Junk Food. Ab und zu eine gute Portion Fish’n’Chips. Aber man weiss nie, was da genau drin ist. Deshalb setze ich immer noch lieber auf die bewährte eigene Küche daheim.»

Kochen für den Gastrokritiker

Jamie Oliver, dessen Verdienst es wohl auch ist, dass Jugendliche vermehrt freiwillig zum Kochlöffel greifen, wurde nach der Publikation des ersten Buches auf Sam Stern aufmerksam und lobte sein Kochbuch schlicht «genial». Er lud Sam in sein Londoner Restaurant Fifteen ein, wo dieser einen Tag lang mitkochen durfte. «Es war einfach toll», erzählt Sam Stern, «ich verbrachte mit Jamies 15 Köchen einen Tag in der Küche und lernte viel.» Auch von anderer Seite wird Sam hochgelobt und schon als zweiter Jamie Oliver gefeiert. «Ich musste für den Gastrokritiker der ‹Times› kochen und er war begeistert. Ich servierte ihm Moules Marinière und meinen Zitronencake mit Mandeln, Gewürzen und Sirup. Es schmeckte ihm.»
Auf die Idee, ein eigenes Kochbuch herauszugeben, kam Sam, als sein älterer Bruder an die Universität kam und ständig zu Hause anrief, weil er Rezepte der Mutter nachkochen wollte. Sam und Susan entschieden sich, die Familienrezepte aufzuschreiben. An den Erfolg des ersten Buches wollten sie anknüpfen, also folgte schon bald «Get Cooking», in welchem Sam Rezepte mit den Lieblingszutaten von sieben seiner besten Freunde vorstellt. Denn, so Sam, «keinem kann man es so schwer recht machen wie den engsten Freunden». Seine drei ersten Kochbücher wurden bereits in neun Sprachen übersetzt, das neueste ist vergangenen September auf Englisch auf den Markt gekommen. Darin finden sich auch Rezepte zu Hummus, Falafel oder Baba Ganoush, dem orientalischen Auberginenmousse.
Sam Sterns Rezepte sind übrigens alles andere als koscher, aber ein Blick in seine Kochbücher lohnt sich allemal, vielleicht findet sich doch das eine oder andere Rezept zum Nachkochen.   


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