Ein Fehler nach dem anderen.
Die Behauptung, dass einige IDF-Einheiten, die an der Militäroperation «gegossenes Blei» im Gazastreifen teilgenommen haben, von den ethischen Grundsätzen der Armee abgewichen sind, muss natürlich untersucht werden. Es ist aber auch höchste Zeit, dass wir uns fragen, was effektiv während dieser Operation erreicht worden ist, und ob es ein vernünftiges Verhältnis zwischen den von Israel verursachten Kosten und jenen Errungenschaften gibt.
Auf den ersten Blick war die israelische Öffentlichkeit erleichtert, als sie die in Gaza operierenden, gut ausgebildeten und bestens ausgerüsteten IDF-Truppen sah, verglichen mit dem, was sich im Zweiten Libanonkrieg ereignet hatte. Israeli fühlten sich ermutigt, als sich die trüben Prognosen von Hunderten von Opfern unter unseren Soldaten im Verlauf einer Invasion von Bodentruppen in den Gazastreifen als grundlos erwiesen. Ein Zeichen dafür, dass das Militär bestens vorbereitet war.
Was war aber das Ergebnis? Der Krieg setzte den Raketenangriffen auf israelische Städte und Orte im Süden kein Ende, und auch Gilad Shalit wurde nicht aus seiner Gefangenschaft befreit. Die Kosten der Operation waren nicht unerheblich für Israel und das Land zahlt weiterhin einen hohen Preis hinsichtlich der öffentlichen Meinung aufgrund der massiven Zerstörung im Gazastreifen und der daraus resultierenden bedrückenden Lage der dortigen Zivilbevölkerung. Das wird Israel noch eine ganze Weile verfolgen und zweifelsohne zu einer zögernden Haltung führen, sollte Israel gezwungen sein, auf die nächsten Provokationen der Hamas-Terroristen im Gazastreifen zu reagieren.
Vor diesem Hintergrund erscheinen die Errungenschaften praktisch gleich null zu sein. Mit der Ausrede, es gebe nun nichts mehr zu tun, wurde die Militäraktion gestoppt, während die Raketen weiter im Süden des Landes landeten. Die IDF-Truppen zogen sich zurück, ohne nennenswerte Erfolge erreicht zu haben.
Das Fiasko des zweiten Libanon-Kriegs wird oft Amir Peretz in die Schuhe geschoben, welcher mit nur sehr wenig militärischer Erfahrung ins Verteidigungsministerium gekommen war, und der mit Dan Halutz einen Generalstabchef «geerbt» hatte, der überzeugt davon war, dass in der Macht der Luftwaffe die Antwort für alles liege. Während fünf Wochen wurde diese Theorie zerschmettert, während Israels Norden von den Raketen getroffen wurde, welche die Hizbollah zu Hunderten abfeuerte.
Ein schwerer Seufzer der Erleichterung ging durch die israelische Öffentlichkeit, als Ehud Barak, ein ehemaliger Generalstabchef, der bereits einmal Verteidigungsminister gewesen war, Amir Peretz ablöste. Mit Gabi Ashkenazi wurde ein erfahrener Infanteriesoldat mit einer weissen Weste Generalstabchef. Die Verteidigung des Landes schien in besten Händen zu sein, die Bevölkerung sollte aber erneut enttäuscht werden.
Die Art, wie sich Ehud Barak dem Problem der Hamas und ihrer Raketen widmete, nahm einen unheilverheissenden Anfang. Während Monaten – die Raketen regneten nur so auf israelische Städte und Dörfer nieder – bekamen wir zu hören, die rechte Sache würde zur richtigen Zeit getan werden, und jeder verstreichende Tag würde die militärische Bodenaktion näherbringen. Der nächste Schritt war der Abschluss eines Waffenstillstands mit den Hamas-Terroristen, der, so Barak, zu intensiven Verhandlungen um die Freilassung Gilad Shalits führen würde. Wie zu erwarten war, benutzte die Hamas diesen Waffenstillstand, um weitere Waffen, vor allem Raketen mit grösserer Reichweite, in den Gazastreifen zu schmuggeln. Gilad Shalit hingegen ist bis zum heutigen Tag in der Gefangenschaft der Hamas.
Als die Hamas fortfuhr, trotz des trügerischen Waffenstillstands Raketen gegen Israel abzufeuern, wurde endlich die Operation «Gegossenes Blei» lanciert. Anfangs basierte sie auf schweren Luftangriffen mit dem dazugehörenden Kollateralschaden für die Zivilbevölkerung, die oftmals ihre Häuser und ihren gesamten Besitz verlor. Erst dann traten zögernd die Bodentruppen in Aktion. Sie wurden zurückgepfiffen, bevor die Zielsetzungen, welche ihre Mission hätte definieren sollen, erreicht worden waren. Dies geschah vor dem Hintergrund eines erneuten Rufs des Verteidigungsministers nach einem Waffenstillstand mit den Hamas-Terroristen.
Es mag überraschend klingen, doch es gab grosse Ähnlichkeiten zwischen dem von Peretz geleiteten zweiten Libanon-Krieg und der von Barak angeführten Gaza-Operation. Beiden gemeinsam ist die irrsinnige fixe Idee, es sei den Aktionen der IDF in beiden Fällen gelungen, Israels Abschreckungspotenzial wieder herzustellen. Tatsache ist, dass die Hizbollah heute viel stärker ist als vor dem zweiten Libanon-Krieg. Gelegentlich fallen Raketen auf Israels Norden, die Bedrohung für die dortigen Menschen ist in keiner Weise verschwunden. Die Hamas fährt fort, aufzurüsten und zu drohen, während gelegentlich Raketen vom Gazastreifen gegen Israels Süden abgefeuert werden. Die Lektion, dass Terroristen nicht abzuschrecken, sondern zu entwaffnen sind, muss immer wieder gelernt werden.
Zwei aufeinanderfolgende militärische Fehler Israels sind mehr als genug. Wir benötigen eine neue strategerische Art des Denkens, damit wir uns endlich mit den ernsten Gefahren befassen können, mit denen wir konfrontiert sind.
Moshe Arens, Likud-Mitglied, war früher Knessetabgeordneter und Verteidigungsminister.


