Für eine neue Ordnung
Eine internationale Experten-Kommission unter Leitung des Nobelpreisträgers Joseph Stieglitz hat jüngst im Auftrag der Vereinten Nationen ein detailliertes Papier mit Vorschläge für eine globale Reaktion auf die Finanzkrise und die davon ausgelöste Rezession vorgestellt. Der Report ist höchst ambitioniert und fordert eine «Reform des internationalen Systems, die zu einem Weltwirtschaftssystem führt, die dem Nutzen der ganzen Menschheit dient». Im Zentrum des Papiers stehen daher Nachhaltigkeit und Gemeinsamkeit: Entwicklungsländer und Industrienationen seien aufeinander angewiesen und könnten den Weg aus der Krise nur gemeinsam finden. Gleichzeitig führt der Report die momentane Krise zumindest partiell auf das Versagen regulatorischer Instrumente zurück. Die Kommission hält daher die Etablierung weltweit einheitlicher Auflagen für die Finanzwirtschaft und den Welthandel für unabdingbar, um eine Wiederholung der Krise zu verhindern. Die Vorschläge der Stieglitz-Kommission sind in kurzfristige und langfristige Massnahmen aufgegliedert. Sofort notwendig seien Konjunkturpakete, weltweit nach amerikanischem und chinesischem Vorbild geschürt, so die Experten. Dazu sollten den ärmeren Nationen Kredite bereitgestellt werden. Gleichzeitig sollen den Entwicklungsländern grössere politische Spielräume gewährt werden, etwa um Auflagen des Weltwährungsfonds (WWF) ausser Kraft zu setzen, die ihre Binnenwirtschaften belasten. Stieglitz und seine Kollegen sprechen sich jedoch deutlich gegen Protektionismus aus. Längerfristig fordert der Report die Schaffung eines sogenannten «globalen Reservesystems», das sich mit einer weltweiten Version des amerikanischen Notenbanksystems vergleichen liesse. Unter diesem Dach soll eine internationale Geldreserve geschaffen werden. Die am Ende des Zweiten Weltkriegs gebildeten Institutionen wie die Weltbank sollen reformiert werden, um den Staaten ausserhalb des Westens grösseres Mitspracherecht zu geben. Gleichzeitig wollen die Experten den WWF und die Weltbank in einen «globalen Koordinationsrat» eingegliern, der an die Stelle der G20 treten würde. [am]
www.un.org/ga/president/63/commission/ financial_commission.shtml


