Können die Preise gesenkt werden?
Die israelischen Hotels werden ihre Preise senken müssen, wenn sie in diesen harten Zeiten wettbewerbsfähig bleiben und vermehrt inländische Touristen anziehen wollen. Diese Forderung stellte die scheidende Touristikministerin Ruhama Avraham Balila an einer Konferenz in Tel Aviv auf, an der Arbeiterräte dazu gebracht werden sollten, für organisierte Gruppenferien von Mitarbeitenden sogenannte blau-weisse, also
israelische Ziele zu wählen. Die Überlegungen der Ministerin stiessen auf grosse Zustimmung unter den Teilnehmern der vom Touristikministerium und dem Gewerkschaftsbund Histadrut organisierten Konferenz. Israels Hotels seien schlicht nicht konkurrenzfähig, lautete ein Satz, den man oft zu hören bekam.
Unter den rund 130 Teilnehmer sah man Gewerkschaftsvertreter von den Grossbanken, Repräsentanten der Israel Electric Corporation, von Ölraffinerien, der Bus-Kooperative Egged und staatlicher Firmen. Grossfirmen senden ihre Mitarbeiter traditionsgemäss in Gruppenferien, für welche die Firmen besonders günstige Konditionen aushandeln. Stein des An¬stosses ist die Tatsache, dass die Destinationen dieser Gruppenreisen oft nicht in Israel liegen, sondern in den umliegenden Ländern.
Sich im Wettbewerb behaupten
Zu den bevorzugten Reisezielen der Israeli gehörte bis zur jüngsten Verstimmung zwischen Ankara und Jerusalem wegen des Gaza-Kriegs die Türkei. Nachdem die Aussenminister beider Staaten dieser Tage in Brüssel ein Versöhnungsgespräch geführt haben, darf angenommen werden, dass israelische Touristen bald wieder in Massen an die türkischen Badestrände strömen werden. Auch nach Griechenland, Zypern, Kroatien, Rumänien und zu ähnlichen Destinationen reisen die Israeli ausgesprochen gerne. Die zentrale Frage ist, wie israelische Hotels und Touristenstätten sich in diesem Wettbewerb behaupten können. «Unsere Hotels können mit den von anderen Ländern in der Gegend offerierten Preisen nicht konkurrenzieren», sagte Eli Gonen, Vorsitzender der Israelischen Hotelier-Vereinigung. «Dort zahlt man den Arbeitern ein Fünftel, vielleicht noch weniger des israelischen Durchschnittslohns. Unsere Kosten sind sehr hoch, doch wir wollen die Hotels offen halten, die Arbeitnehmer weiter beschäftigen und unseren Beitrag an die Wirtschaft leisten. Ich appelliere an die Arbeitnehmerverbände, uns bei unserem Überlebenskampf zu unterstützen, so wie sie es in den Jahren der Intifada getan haben. Damals haben zahlreiche Hotels Dank des Verständnisses der Arbeitnehmer überlebt.» In den Jahren 2002 und 2003 gelangte diese Hilfe dadurch zum Ausdruck, dass man die Gruppenferien im Lande absolvierte, anstatt die Arbeiter irgendwo ins Ausland zu fliegen.
Die israelische Tourismusindustrie ist eine grosse Arbeitgeberin, die nach Angaben von Ofer Eini, dem Chef des Gewerkschaftsdachverbands, rund 100 000 Mitarbeiter zählt. Auch er wandte sich an die Arbeitnehmerverbände mit der Bitte, Gruppen-Urlaube in Israel und nicht im Ausland zu verbringen. So würde man in den heutigen harten Zeiten Arbeitsplätze retten. Die Arbeitnehmerverbände bedeuten effektiv ein grosses Geschäft. Im Jahr 2008 entfielen elf Millionen «Zimmer-Nächte» auf Israeli. Von diesen konnten die Arbeitnehmer 1,5 Millionen auf sich verbuchen. Wenn sie sich bewusst darum bemühen, ihre Ferien im Land zu verbringen, könnte diese Zahl noch steigen.
Zu hohe Preise
Das Volumen des Marktes für Firmentourismus beziffert Yaakov Alush auf 600 bis 800 Millionen Schekel pro Jahr. Alush ist einer der Leiter von Vaadim, einer Gesellschaft, die Messen und Anlässe für Arbeitnehmerräte veranstaltet und die alle ihre wirtschaftlichen Informationen gespeichert hat. Der Beschluss, die Türkei als Destination für Gruppentourismus zu meiden, führte laut Alush im Januar und Februar nur zu einem Anstieg des lokalen, innerisraelischen Tourismus um zwei Prozent. Die Arbeitnehmer haben mit anderen Worten statt der Türkei einfach andere Länder gewählt, anstatt ihre Ferientage in Israel zu verbringen. Laut Alush ist dies vor allem die Folge der hohen Hotelpreise in Israel. «Die Sonderangebote der israelischen Hotels konnten nicht Schritt halten mit Offerten aus dem Ausland», sagte er.
Laut Riki Bachar, dem Vorsitzenden des Arbeitnehmerrats bei der Discount Bank, verbringen die Bankangestellten in der Regel 20 Prozent ihrer Gruppenferien im Ausland und 80 Prozent in Israel, und daran würde sich auch dieses Jahr nichts ändern. «Meistens reisen die Arbeitnehmer nach Europa. Letztes Jahr waren beispielsweise Rumänien, Kroatien, Berlin, Bulgarien und Kreta sehr beliebt. Die Türkei haben wir aus dem Angebot genommen. Das Angebot an Hotels im Ausland ist gross und preisgünstiger.» Was Ferien in Israel betrifft, erhält ein so grosser Arbeitnehmerverband wie derjenige der Bank Discount natürlich günstigere Konditionen, doch wenn etwa die Hoteliers von Eilat mehr israelische Gäste begrüssen wollen, müssen sie laut Alush ihre Preise «wesentlich senken».


