In Malmö hat Schweden zweimal verloren
Vor zwei Jahrzehnten sei Tennis in einer Atmosphäre der «respektvollen Stille» gespielt worden, schreibt die Zeitung «Haaretz» diese Woche in einem Kommentar zu den Ereignissen rund um das Daviscup-Achtelfinale zwischen Schweden und Israel in Malmö. Der Kommentar erinnert an 1987, als Israel in Hradec Kralové gegen die damalige Tennismacht Tschechoslowakei zum ersten Mal den Einzug in das Viertelfinale des prestigeträchtigen Mannschaftswettbewerbs schaffte. «Geht raus aus Palästina» war auf einem kleinen Plakat zu lesen gewesen, das ein einsamer Demonstrant während eines Spieles gezeigt hatte. Der Mann sei unverzüglich aus der Halle geführt worden; die Sache wurde vergessen.
Eskalierende Situation
Wie anders ging es da diese Woche im schwedischen Malmö zu! Die einzige
Parallele zu 1987 war die Tatsache, dass die israelischen Tennisspieler zum zweiten Mal den Einzug unter die letzten acht Teams des Daviscup-Wettbwerbs schafften – dieses Mal durch einen 3:2-Sieg über das favorisierte Schweden. Vor den beiden letzten Einzelspielen lag Israel noch mit 1:2 zurück, und um das Ruder noch herumzuwerfen, bedurfte es der zwei hart erkämpften Fünfsatzsiege von Dudi Sela und Harel Levy. Nachdem Levy den entscheidenden Punkt errungen hatte, erlebte die Tenniswelt aber etwas, was in keiner Weise an den Sieg von damals erinnert hätte. Alles war neu und nicht unbedingt erfreulich. Der ob seiner Niederlage sichtlich frustrierte Schwede Andreas Vinciguerra warf sein Racket wütend ins Publikum und verliess die Halle, ohne dem israelischen Gegner, wie es die Tradition auf dem Tennisplatz will, die Hand zu reichen. Dem israelischen Team war das ziemlich egal, Spieler und Betreuer wälzten sich bereits in einem sogar für israelisches Temperament ungewöhnlich ekstatischen Fleischknäuel auf dem Boden. Anschliessend folgte die Ehrenrunde mit blau-weissen Israel-Flaggen, wobei die rund 150 anwesenden proisraelischen Zuschauer frenetisch mitfeierten.
Antisemitische Demostration
Nur 150 Israel-Fans hatten die Spiele in Malmö verfolgt; warum nicht 1500 oder gar 15 000? Ganz einfach: Die schwedischen Verantwortlichen hatten «aus Sicherheitsgründen» die Öffentlichkeit von den Daviscup-Spielen ausgeschlossen und nur je 150 sorgfältig ausgewählte Fans beider Seiten zugelassen. Tausende von Sitzen auf den Tribünen blieben anklagend leer. Mit seinem unsportlichen Beschluss kapitulierte das offizielle Schweden vor den propalästinensischen Demonstranten, die die gemässigten Stimmen in dem skandinavischen Staat schon seit langem zum Schweigen bringen. Das verwundert nicht, denn schwedische Politiker – und beileibe nicht nur die Opposition – fahren schon seit Jahren einen ebenso klaren wie simplifizierend-blauäugigen antiisraelischen Kurs. Logisch, dass eine solche Haltung in Schweden lebenden palästinensischen Extremisten und deren Alliierten von der extremen Linken und Rechten den Boden ebnet. So kam es diese Woche, wie es kommen musste: Tausende von Demonstranten rückten mehrere Male gegen die von der Polizei hermetisch abgeriegelte Sporthalle in Malmö vor, wobei die mitgeführten Transparente und Plakate teilweise klar antisemitischen Charakter hatten.
«Diese Woche schäme ich mich, ein Schwede zu sein», meinte unter dem Schutz der Anonymität ein Mitglied des schwedischen Daviscup-Teams zu einem israelischen Kollegen. Äusserungen wie diese tun zwar gut und zeigen, dass nicht alle schwedischen Spieler sich ein Beispiel an Vinciguerra nehmen, doch Worte reichen nicht mehr. Soll das internationale Sportgeschehen nicht vollends im politischen Sumpf versinken und zum Instrument islamischer Fundamentalisten und deren opportunistischer Sympathisanten werden, müssen an zuständiger Stelle mutige Entscheidungen getroffen und konsequent in die Tat umgesetzt werden. Staaten, die israelischen Sportlern aus politischen Gründen das Einreisevisum zu internationalen Turnieren verweigern, muss von den zuständigen Sportverbänden das Durchführungsrecht für die betreffenden Turniere entzogen werden. Internationale Wettbewerbe mit israelischer Beteiligung, die «aus Sicherheitsgründen» unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollen, müssen an einen anderen Ort in einem anderen Staat verlegt werden, wenn nötig im letzten Moment. Und «Sportler», die sich wie Vinciguerra ungehörig benehmen, müssen langjährig für jeden Auftritt an internationalen Wettbewerben gesperrt werden. – Vom 10. bis 12. Juli empfangen Israels Tennisspieler in Ramat Hasharon den Favoriten Russland zum Viertelfinale im Daviscup.


