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6. März 2009, 9. Jahrgang, Ausgabe 10 Ausgabe: Nr. 10 » March 5, 2009

«Besatzung zerstört die Seelen der Besetzenden»

von Peter Abelin, March 5, 2009
Ein weltweiter jüdischer Appell «für ein Israel, das die Menschenrechte wahrt», ist am Montag vor den Medien in Bern lanciert worden. Initiant ist Jochi Weil-Goldstein (Zürich).

ICZ-Mitglied Jochi Weil-Goldstein engagiert sich seit bald 30 Jahren für die Verständigung zwischen Juden und Palästinensern, so namentlich als Betreuer der «medizinischen Brücke» zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten für «medico international schweiz». Die sich ständig verschlimmernde Situation bringe Menschen wie ihn zunehmend in Verzweiflung, begründete er an einer nationalen Medienkonferenz am Montag in Bern seine Initiative, einen Appell an die israelische Regierung zu richten. Nach viermonatiger Vorbereitung im Dialog mit 22 anderen Erstunterzeichnenden aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Israel entstand der Aufruf «für ein Israel, das die Menschenrechte wahrt», für den nun während dreier Jahre möglichst breite Unterstützung in jüdischen Kreisen gesucht werden soll. Darin wird die Forderung nach Beendigung «der israelischen Besatzung, Besiedlung und Blockade palästinensischer Gebiete» und der Schaffung von «würdigen Lebensbedingungen» und Sicherheit für alle Menschen in Israel und Palästina ausgedrückt. Der Appell stehe im Geiste jüdischer Tradition, zitierte Weil die Präambel des Appells, «weil die Besatzung die Lebensperspektiven der Besetzten und die Seelen der Besetzenden zerstört». Mit der Erfüllung der Forderungen würden Voraussetzungen geschaffen «für einen Friedensschluss im Nahen Osten und damit der Sicherstellung der Sicherheit aller Bewohner», erklärte alt Botschafter Philippe Lévy (Bern) als einer der Erstunterzeichner. Die Historikerin Shelley Berlowitz (Zürich) betonte als Sprecherin der «Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina», Menschenwürde und Menschenrechte seien nicht relativ und nicht teilbar.
Auf Fragen der Medienleute hin räumten die Initianten ein, sie seien sich bewusst, dass sie eine Minderheit unter der jüdischen Bevölkerung vertreten, wobei sie die Vermutung äusserten, viele wagten ihre Kritik an der israelischen Politik nicht offen zu äussern. Auch könne das Risiko, von anderen instrumentalisiert zu werden, kein Grund sein zu schweigen.
Zu den Erstunterzeichnenden gehören unter anderen Michel Bollag, Co-Leiter des Zürcher Lehrhauses, und Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems. Am ersten Tag schon unterzeichnet haben etwa Ari Rath, früherer Chefredaktor und Herausgeber der «Jerusalem Post», und der deutsche Filmregisseur Peter Lilienthal.
Der Appell fand ein breites Echo in den Schweizer Medien. Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, bezeichnete ihn gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung» als Zeichen der Meinungsvielfalt in der schweizerischen jüdischen Gemeinschaft. Die israelische Botschaft in Bern hält in einer Stellungnahme fest, dass auch sie humane Lebensbedingungen für alle wünsche, so auch für die Bevölkerung im südlichen Israel. Israel glaube an einen gerechten und dauerhaften Frieden auf der Basis der Zweistaatenlösung und sei bereit zu Verhandlungen mit allen, welche das Existenzrecht Israels anerkennen.




Der Appell und die Liste der Erstunterzeichnenden ist in acht Sprachen abrufbar auf www.humanrights-in-israel.ch.



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